Asus-COO Chen "Wir wollen bewundert werden"

Mit dem EeePC ist dem taiwanischen Hersteller Asustek eine der wenigen Geräte-Innovationen der vergangenen Jahre gelungen. Asus-COO Eric Chen sagt im Interview mit manager-magazin.de, welche neuen Produkte der Konzern auf der Cebit präsentiert, was ein PC heute wirklich können muss, und was Asus von Apple und Nokia lernen kann.
Von Claus G. Schmalholz

mm.de: Herr Chen, welche Neuheiten wird Asus auf der Cebit zeigen?

Chen: Auf der Cebit werden wir die nächste Generation der EeePC zeigen, die mit stromsparenden SSD-Speichern und Touchpads ausgestattet sind. Wir werden auch das EeeKeyboard zeigen, den ersten Computer, der vollständig in eine Tastatur integriert ist und voraussichtlich im Mai in Deutschland auf den Markt kommen wird. Außerdem ist das bereits verfügbare erste Mininotebook zu sehen, beim dem der Displaydeckel, die Handballenablage und das Touchpad aus Bambusholz bestehen.

mm.de: Mit dem EeePC hat Asus es geschafft, eine neue Gerätegeneration der so genannten Netbooks zu etablieren. Hat dieser Erfolg Sie selbst überrascht?

Chen: Die Geräte der Eee-PC-Serie waren ursprünglich für den Massenmarkt in Schwellenländern gedacht. Dass sie dann zum Zweit-Laptop und Lifestyle-Produkt avancierten haben wir in der Tat nicht vorhergesehen. Mittlerweile haben wir fünf Millionen EeePC verkauft, die meisten davon in Westeuropa.

mm.de: Asus ist in Deutschland bislang nur Insidern bekannt gewesen, etwa als Marktführer für Mainboards und Grafikkarten. Warum hat es ausgerechnet Asus geschafft, eine der wenigen echten Geräte-Innovationen der letzten Jahre zu entwickeln?

Chen: Nun, wir sind ein durch und durch Ingenieur-getriebenes Unternehmen, auch im Topmanagement. Weil auch unser Unternehmenschef ein Ingenieur ist, ist es einfacher für jeden Techniker in unserem Unternehmen, eine gute Idee, einen technischen Traum zu verwirklichen. Wir haben zum Beispiel auch als einer der ersten Anbieter Notebooks mit integrierten Webcams auf den Markt gebracht. Wir versuchen aber auch Innovationen in der Ausstattung und im Design zu liefern, etwa mit Gehäusen aus Bambusholz. Das ist technisch weit anspruchsvoller, als es auf den ersten Blick scheint.

Ein Beispiel: Ich bin gerade in Moskau, wo Außentemperaturen von minus 25 Grad herrschen. Wenn man hier ein Notebook mit Bambusholz in einem Lkw transportiert und der Kunde es dann zuhause auspackt, ist das ein Temperaturunterschied von bis zu 50 Grad. Die Geräte so zu gestalten, dass sie auch unter solchen Bedingungen funktionieren ist eine der größten Herausforderungen bei der Produktentwicklung.

"Wir möchten kein Billiganbieter sein"

mm.de: Es gibt Gerüchte, dass Asus die Preise im März um bis zu 20 Prozent anheben wird. Ist das richtig?

Chen: Nein, im März sind in Deutschland keine Preiserhöhungen zu erwarten.

mm.de: Asus ist bekannt dafür, einfach zu benutzende, preisgünstige und neuerdings auch ansprechend gestaltete Geräte anzubieten. Soll Asus die preisgünstige Alternative zu den teuren Produkten von Apple  sein?

Chen: Wir möchten kein Billiganbieter sein. Unser Ziel ist es das meistbewunderte Technologieunternehmen zu werden. Der Schlüssel dazu ist eine benutzerfreundliche Bedienoberfläche bei allen Geräten. Unser Konzept ist: Der Nutzer soll das Gerät einschalten und sofort benutzen können, ohne erst in der Bedienungsanleitung blättern zu müssen.

Da sind die Produkte von Firmen wie Apple und Nokia  durchaus Vorbilder für uns. Um diese Idee im Markt des mobilen Internet umsetzen zu können, sind wir mit dem Navigationsgerätehersteller Garmin eine Allianz eingegangen. Gemeinsam haben wir die Nüvifone-Modelle G60 und M20 entwickelt, die noch im ersten Halbjahr auf den Markt kommen werden. Mit diesen All-in-One-Geräten kann man telefonieren, navigieren und im Internet surfen.

mm.de: Solche Geräte gibt es doch schon längst.

Chen: Stimmt, aber wir setzen unser Hauptaugenmerk darauf, die Möglichkeiten dieser All-in-One-Geräte einfach benutzbar zu machen, zum Beispiel mit standortbezogenen Diensten. Über die Anwendung Ciao! können Nüvifone-Nutzer etwa auf einer Karte nachschauen, wo sich ihre Freunde gerade befinden und ganz einfach dorthin navigieren.

Und damit Autofahrer ihren Wagen auch in einer fremden Umgebung oder auf einem überfüllten Parkplatz wieder finden, markiert das Nüvifone G60 automatisch die Position, an der es zuletzt aus der Windschutzscheibenhalterung genommen wurde.

"Integration heute getrennter Geräte"

mm.de: Wie sieht die Zukunft elektronischer Kommunikation aus? Welche Produkte wird Asus künftig anbieten?

Chen: Herkömmliche PCs sind inzwischen völlig ausgereifte Produkte. Die Kunden nutzen aber oft nur einen Bruchteil der Möglichkeiten, die in ihrem Computer stecken. In Zukunft geht es darum, Computer zu entwickeln, die noch besser auf die individuellen Bedürfnisse der Menschen abgestimmt sind. Wir werden Produkte entwickeln, die für bestimmte Anwendungen gerade genug Rechenleistung und Kapazität bieten, zum Beispiel einen kleinen Computer, den man nur in der Küche benutzt. Wir werden auch versuchen, die Zeit zu verkürzen, in der wir neue Produkte auf den Markt bringen.

Bei einem Notebook dauert es heute zum Beispiel rund ein Jahr von der Entwicklung bis zur Markteinführung. Die Zukunft liegt in der weiteren Integration heute getrennter Geräte in einem einzigen Gerät, das dann aber unseren Anspruch des easy to use erfüllen muss. Wir haben zum Beispiel in Taiwan schon den EeeTV auf den Markt gebracht, einen Fernseher mit integriertem Computer. Der EeeTV ist so einfach bedienbar wie ein herkömmlicher Fernseher, bietet aber mit einem USB- und einem Netzwerkanschluss die Funktionsvielfalt eines modernen Computers. Ob dieses Gerät auch in Deutschland auf den Markt kommen wird, steht noch nicht fest.

mm.de: Durch die Globalisierung und die Möglichkeiten moderner Kommunikationsmittel arbeiten die Menschen verschiedenster Nationen heutzutage immer enger zusammen. Gibt es demzufolge auch ein globales Verständnis von einfacher Bedienung und gutem Design, an dem Sie sich bei der Entwicklung neuer Geräte orientieren können?

Chen: Die Geräte passend für die jeweiligen Märkte zu entwickeln ist tatsächlich einer der größten Herausforderungen für uns. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Wenn wir ein Notebook entwickeln, müssen wir uns sehr genau überlegen, wie groß das Display sein soll. In Europa bevorzugen die Kunden einen Bildschirm mit einer Diagonale von mindestens 14 Zoll (circa 36 Zentimeter), in Asien lässt sich so ein Computer nicht verkaufen, weil die Menschen dort kleinere Bildschirme bevorzugen. Kleingewachsene Menschen mögen offenbar auch kleinere Bildschirme.

In Japan etwa müssen die Notebook-Tastaturen so klein wie möglich sein. In Europa dagegen, vor allem in Frankreich, muss die Shift-Taste auf der Tastatur möglichst groß sein und die Tastatur muss auf jeden Fall einen eigenen Nummernblock enthalten. Es ist also sehr wichtig für uns, zu wissen, welche Vorlieben die Menschen in den jeweiligen Märkten haben. Wie die Bezeichnung PC schon sagt, ist jeder Computer ein Personal Computer, er muss die individuellen Wünsche des Kunden möglichst gut erfüllen.

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