Fußgängernavis Stadtführer ohne Ortskenntnis

Ein Navigationssystem gehört inzwischen fast zur Standardausstattung im Auto. Viele Fahrer wollen die Routentipps aber auch gern nutzen, wenn sie zu Fuß unterwegs sind. Einige elektronische Lotsen machen das bereits möglich. Doch ganz ausgereift ist die Fußgängernavigation noch nicht.

München/Hamburg - Bislang hatten mobile Endgeräte wie Smartphones oder Personal Navigation Assistants (PNA) das Problem, dass sie außerhalb des Autos kaum zu verwenden waren. Das lag zum einen am Kartenmaterial, das auf die Bedürfnisse der Autofahrer zugeschnitten war. Verzeichnet waren nur solche Straßen, die auch mit dem Auto zu befahren sind. Gassen, Wege und Pfade waren nicht aufgeführt - der Maßstab für Fußgänger war also zu groß, als dass er für einen geführten Stadtrundgang getaugt hätte.

Zum anderen gibt es Probleme mit der Ortung, sagt Helmut Schmaler, Navigationsexperte beim ADAC-Technikzentrum im bayerischen Landsberg: "Das Hauptproblem ist, dass das Gerät nicht weiß, wo Norden ist. Als Fußgänger sind Sie zu langsam, als dass das Gerät sagen könnte, Sie gehen da oder da lang." Denn die Positionsdaten liegen zu dicht beieinander. Im Auto ist wegen des höheren Tempos ein größerer Abstand dazwischen, weshalb die Fahrtrichtung erkannt wird.

Manche Smartphoneanbieter spendieren ihren Modellen daher inzwischen einen Kompass. Bei diesen Multifunktionshandys besteht außerdem die Möglichkeit der Ortung über die Mobilfunkzelle, was laut Helmut Schmaler auch als "Assisted GPS" - also unterstütztes GPS - bezeichnet wird. Hilfreich ist das zum Beispiel in Situationen, in denen das Handy das GPS-Signal nicht empfangen kann - etwa in engen Straßen mit hohen Häuserschluchten oder verspiegelten Bürofassaden.

Der Navigationsanbieter Navigon ist von der Leistung dieser elektronischen Kompasse noch nicht ganz überzeugt. Die Hardwarehersteller müssten noch mehr bieten, sagt Gerhard Mayr, bei Navigon für Zukunftsmärkte zuständig. Zur Orientierung im Stand hätte ein Kompass bei der Fußgängernavigation aber große Vorteile. Navigons Navigationssoftware Mobile Navigator 7 für Handys sei für die Kompassunterstützung vorbereitet, sagt Mayr.

Der Navigationsanbieter Garmin hat seinem Navigationsgerät Nüvi 550 schon eine Kompassanzeige mitgegeben. Das Unternehmen bewirbt es als Allroundmodell für die Verwendung im Auto, beim Wandern oder Wassersport. Um das Gerät im Outdoormodus nutzen zu können, muss sich der Anwender allerdings eine zusätzliche topografische Freizeit- oder Wanderkarte kaufen.

Professionelle Outdoorgeräte haben diese bereits an Bord. Über das übliche Straßennetz sei in der Darstellung gewissermaßen eine topografische Karte gelegt, erklärt ADAC-Experte Schmaler. Darin würden Höhenlinien, Flüsse und Brücken angezeigt. Die Ortungsgenauigkeit liege bei zwei bis fünf Metern. "Diese Dinger funktionieren recht gut. Aber man muss sich beim Wandern den Weg noch selber suchen. Das Gerät sagt nicht: An der dritten Tanne rechts."

"Hersteller müssen in vielen Bereichen nachbessern"

Bei der neuen Garmin-Karte "Topo Deutschland v3" im Maßstab 1:25.000 für GPS-Geräte soll im Prinzip auch das möglich sein. Sie ermöglicht nach Herstellerangaben das "Routing" auf Rad- und Wanderwegen. Ähnlich der Handhabung eines Straßennavis erlaube sie eine geführte Navigation zu Fuß. Der Nutzer muss den Angaben zufolge nur Start und Ziel eingeben. Das Gerät soll dann automatisch die Route berechnen, auf der dann visuelle "Abbiegehinweise" zum Ziel führen.

Navigon hat sich bei seiner Handy-Fußgängernavigation für einen anderen Ansatz entschieden. "Wir wollen den typischen Stadtplan ersetzen", sagt Gerhard Mayr. Wer damit durch die Stadt läuft, habe ja auch keine Abbiegehinweise, nach denen er sich richtet. Wegen des instabileren GPS-Signals, das bei Schritttempo "hüpfen" kann und nicht auf den Meter genau ist, zeigt ein Kreis an, wo sich der Nutzer ungefähr befindet. Die Route ist laut Mayr die Ideallinie zwischen Start und Ziel, der man beliebig folgen kann. Bei der IT-Messe Cebit in Hannover (3. bis 8. März) will Navigon seine Fußgängernavigation für weitere Handybetriebssysteme und -modelle vorstellen.

Oft scheitert die Fußgängernavigation aber aus ganz anderen Gründen, hat die Unternehmensberatung Sirvaluse aus Hamburg herausgefunden. Die Firma analysiert die Benutzerfreundlichkeit von technischen Produkten und hat vor kurzem eine Smartphone-basierte Fußgänger-Navigationsanwendung untersucht. Dabei sollten die Probanden eine Umkreissuche nach einem Restaurant bewerkstelligen und sich dorthin führen lassen, erläutert Pressesprecherin Silja Harm.

"Es war schon schwierig für die Probanden, nachzuvollziehen, wie die hinterlegten Gedankenstrukturen sind - ihre eigenen waren ganz anders", sagt Harm. Entsprechend schwer sei ihnen die Bedienung gefallen. Auch die Eingabemöglichkeiten seien kompliziert gewesen. "Der Komfort war nicht der, den die Leute vom Auto her gewohnt waren. Die Hersteller müssen noch in vielen Bereichen nachbessern."

Laut ADAC-Experte Schmaler sollten Verbraucher derzeit von der Fußgängernavigation aber auch noch nicht zu viel erwarten. Die Geräte seien im Prinzip ok, aber noch weit entfernt von der Perfektion. "Zur Orientierung in einer fremden Stadt ist es ausreichend", sagt Schmaler - und die Geräte seien allemal besser als ein Stadtplan aus Papier, bei dem der Besucher auch nicht weiß, wo er ist.

Felix Rehwald, dpa

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