Cebit Die IT-Zukunft liegt in den Wolken

In wenigen Wochen startet die Cebit. Mit IT Kosten sparen ist einer der Dauertrends, "Cloud Computing" setzt sich dabei immer mehr durch. Statt teuere Lizenzen für die Nutzung von Software zu kaufen, fischen sich Unternehmen wie Privatpersonen das passende Programm einfach aus dem Netz.

Frankfurt am Main - Die Cebit trotzt der Krise. Zwar werden vom 3. bis 8. März einige Aussteller nicht mehr dabei sein, die im vergangenen Jahr noch die Messehallen in Hannover füllten. Dennoch in diesem Jahr werden wohl weniger Aussteller in die Messestadt kommen als noch vor einem Jahr mit knapp 5800. Allerdings kehren diesmal auch wieder Firmen wie Dell , Intershop oder Nokia Siemens Networks zurück, die im vergangenen Jahr nicht nach Hannover kamen.

"Wir wollen wieder neue Wege gehen, um unsere Kunden zu treffen", sagt Dell-Sprecher Michael Rufer. Bisher konzentrierte sich der PC-Hersteller auf Spezialmessen. Jetzt zeigt er auf der Cebit als Partner bei Intel sein gesamtes Hardware-Portfolio.

Zum zweiten Mal dabei ist der taiwanische Handy-Hersteller HTC, auch wenn zwei Wochen zuvor die Mobile World in Barcelona das wichtigere Branchenereignis ist. "Die Cebit hat ein großes Potenzial, weil viele Fachhändler kommen und Einkäufer sich informieren und durchaus auch Geschäfte abschließen", sagt Deutschland-Geschäftsführer Lars-Christian Weisswange. Zu den Produkten, die der Manager zeigen will gehört auch ein Handy, das symptomatisch für ein IT-Thema steht, das in diesem Jahr besonders präsent ist: Das G1 ist ein Mobiltelefon mit dem Google-Betriebssystem Android und verbindet seine Nutzer mit der "Cloud", jener Wolke im Internet, die voller Anwendungen steckt, ohne dass man immer genau weiß, auf welchem Server das läuft.

Der Aufbruch in die "Cloud" ist Vertrauenssache

Für Unternehmen bietet das Cloud Computing die Möglichkeit, bisher selbst organisierte Arbeitsbereiche wie etwa den eigenen Mail-Server an Internet-Dienstleister auszulagern und so Kosten zu sparen - in der Rezession ein besonders wichtiges Argument. Eine Studie des IT-Beratungsunternehmens Avanade ergab, dass sich 65 Prozent der weltweit mehr als 500 befragten Firmen vom Cloud Computing die Einsparung von Kosten versprechen.

Allerdings ist die Hoffnung nicht ohne Angst: 72 Prozent der Unternehmen vertrauen ihren internen Systemen mehr als den Angeboten in der Wolke. "Vorsicht wird viele Verantwortliche davon abhalten, die Herausforderungen des Cloud Computing anzunehmen", sagt Paul Huppertz, der sich bei Avanade intensiv damit beschäftigt hat.

Auf Dauer aber werde sich der Zeit- und Handlungsdruck auf die Unternehmen verstärken. "Einer der absehbaren Nebeneffekte des Cloud Computings wird wohl darin bestehen, dass das Kaufen von Server- und Speichersystemen sowie Software-Lizenzen zunehmend verpönt wird", erwartet der Experte. Die Marktforscher von Gartner erwarten, dass es noch bis 2012 dauern wird, bis sich das Cloud Computing durchsetzen wird. Um das Geschäft ins Laufen zu bringen, werben die Cebit-Aussteller schon jetzt für ihre Angebote.

Sparpotenzial bis zu 80 Prozent

"Mit Cloud-Computing oder durch ein Netzwerk erbrachte Services und Software können Kunden bis zu 80 Prozent an Fläche sowie 60 Prozent an Strom- und Kühlungskosten sparen", verspricht IBM . Stefan Höchbauer, IBM-Software-Chef in Deutschland, kündigt für die Cebit einen "Showcase" an, bei dem anhand eines konkreten Beispiels aufgezeigt wird, "wie durch den intelligenten Einsatz von IT-Ressourcen in einer virtualisierten Umgebung IT-Prozesse bestmöglich unterstützt und gleichzeitig eine Optimierung der Energie-Bilanz erreicht werden kann".

Eine von IBM angebotene Anwendung für das Cloud Computing ist die Zusammenarbeit im Netz mit Web-2.0-Mitteln wie Blogs und Wikis. Auch für Behörden werde eine ämterübergreifende Zusammenarbeit immer wichtiger, erklärt Höchbauer auf Anfrage der Nachrichtenagentur AP. "Echte Bürgernähe kann mit Hilfe eines Blogs oder dem Aufbau einer Bürger-Community nicht nur gepredigt, sondern auch gelebt werden."

Was als "Software as a Service" (SaaS) für bestimmte Anwendungen begonnen hat, erstreckt sich inzwischen auch auf traditionelle Hardware-Leistungen wie die Datenspeicherung oder Prozessorleistung für aufwendige Berechnungen. So zeigt etwa das US-Unternehmen Iron Mountain auf der Cebit sein Angebot für "Storage-as-a-Service" (STaaS). Das Konzept umfasst die Sicherung, Archivierung, Wiederherstellung und Verwendung digitaler dezentraler Daten auf Laptops, PCs und File-Servern. Auch T-Systems stellt auf der Cebit vor, wie Geschäftskunden Speicher- und Rechenkapazitäten im Netz nutzen können.

Privatanwender schweben auch

Der Umzug ins Web wird auch für Privatanwender zunehmend ein Teil des digitalen Alltags. Anstatt Software zu kaufen, werden entsprechende Online-Anwendungen genutzt. Bezahlt wird mit Werbung. Als Marktführer bei der Online-Werbung hat Google  nicht nur Textverarbeitung und Tabellenkalkulation als Internetprogramme eingeführt, sondern auch zahllose weitere Web-Anwendungen. Besonders interessant sind die geografischen Dienste wie die Google Maps. Das Unternehmen aus dem diesjährigen Cebit-Partnerland Kalifornien stellt die Schnittstellen dafür kostenlos bereit, so dass sich im Internet zahllose "Mashups" finden: Web-Anwendungen, in denen diese Google-Dienste mit anderen Funktionen kombiniert werden.

Microsoft  reagiert mit der im Herbst 2008 vorgestellten Plattform Windows Azure. Diese ermöglicht es, dass beispielsweise Office-Anwendungen in Datenzentren laufen und über einen Browser bedient werden. Dabei können auch mehrere Personen gleichzeitig an einem Dokument arbeiten.

"Die 'Wolke' verschiebt auch die Grenzen beim privaten Unterhaltungskonsum", erklären die Veranstalter der Cebit. Ein Beispiel sind neue "On-Demand"-Angebote für Musik und Filme. Unter dem Motto "Webciety" (abgeleitet von "Society") will die Cebit in einem eigenen Ausstellungsbereich alle Facetten der künftigen Internet-Gesellschaft zeigen.

IT-Manager wie Höchbauer sehen in deren Möglichkeiten auch den Ansatz zur Überwindung der Wirtschaftskrise: "Wir haben modernste Technologien zur Hand und einen Grad von Vernetzung erreicht, der uns die Möglichkeit gibt, Informationen zu gewinnen und so zu verarbeiten, dass wir Probleme lösen und neue Geschäftsmodelle und damit Wachstumschancen generieren können." Dafür sei die Cebit immer noch die etablierte Leitmesse der High-Tech-Branche - "Hier wird die Agenda der IT-Industrie geschrieben."

Peter Zschunke, ap

Mehr lesen über

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.