Alcatel-Lucent Kursplus trotz Milliardenverlust

Der Telekomausrüster Alcatel-Lucent hat im vergangenen Quartal einen Rekordverlust von knapp vier Milliarden Euro verbucht. Weil das operative Ergebnis etwas besser als erwartet ausfiel und Konzernchef Ben Verwaayen an den Jahreszielen festhält, ist die Aktie bei Anlegern gefragt.

Paris - Für das Schlussquartal 2008 wies der französisch-amerikanische Konzern Alcatel-Lucent  bei 4,95 Milliarden Euro Umsatz einen Verlust nach Steuern von 3,89 Milliarden Euro aus. Im dritten Quartal betrug der Verlust noch 40 Millionen Euro. Im Gesamtjahr 2008 lagen der Umsatz bei 16,98 Milliarden Euro und der Verlust bei 5,22 Milliarden Euro.

Gleichzeitig sieht sich Unternehmenschef Ben Verwaayen mit seinen Zielen im Plan. Er hatte seinem angeschlagenen Unternehmen im Dezember noch einmal weitere Sparmaßnahmen verschrieben und einen Strategiewechsel angeordnet.

Die hohen Abschreibungen in Höhe von 3,91 Milliarden Euro seien wegen der drastischen Verschlechterung des weltweiten wirtschaftlichen Ausblicks im vierten Quartal notwendig geworden, sagte Verwaayen. Geringere Ausgaben sowohl beim Mobilfunk als auch beim Festnetz würden teilweise durch IP-Routing und Next Generation Networks (NGN) ausgeglichen. Außerdem zeige sich das Geschäft mit Firmennetzen vergleichsweise robust und der Dienstleistungsbereich wachse weiter.

Die im Rahmen des Strategieschwenks geplante Konzentration des Portfolios habe allerdings ebenfalls zu Belastungen geführt. Alcatel-Lucent will seine Aktivitäten im Bereich Forschung und Entwicklung in Zukunft stärker fokussieren und sich auf Netzwerktechnologien der nächsten Generation wie Wimax und LTE im Mobilfunk konzentrieren. Dabei sollen auch neue Partnerschaften geschlossen werden. Diese würden derzeit geprüft.

Für 2009 operativer Gewinn um Null geplant

Die eigenen Ziele für das gesamte Geschäftsjahr sieht Verwaayen erreicht. So sei der Umsatz nur um 4,5 Prozent zurückgegangen, was vor allem auf Währungseffekte zurückzuführen sei. Die Bruttomarge habe mit rund 34 Prozent ebenfalls im Rahmen der erwarteten Spanne gelegen. Mit den geplanten Kosteneinsparungen von 750 Millionen Euro jährlich bis Ende 2009 liege man genauso im Plan wie mit dem Verkauf der Thales-Anteile. Dank eines hohen Cashflows seien außerdem die Nettoschulden auf 389 Millionen Euro reduziert worden.

Allerdings häufte Alcatel-Lucent in seinem Pensionsfonds inzwischen wegen der Verwerfungen an den Finanzmärkten ein Minus von 429 Millionen Euro an. Ende September standen für die Finanzierung noch rund 3 Milliarden Euro zur Verfügung.

Trotz aller Probleme hielt Verwaayen an seinen Zielen für 2009 fest und will mit einem operativen Gewinn bei plus minus Null herauskommen. Für den Gesamtmarkt rechnet der Chef des Telekomausrüsters immer noch mit einem Rückgang von 8 bis 12 Prozent.

Alcatel-Lucent übertraf mit seinen Zahlen die Erwartungen von Analysten. Die Aktie stieg am Vormittag zeitweise um mehr als 9 Prozent auf knapp 1,60 Euro. Alcatel und Lucent hatten im November 2006 fusioniert und seitdem Milliardenverluste angehäuft.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und ap

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