Speicherchiphersteller Qimonda schließt US-Werk

Im Kampf ums Überleben schließt der insolvente Speicherchiphersteller Qimonda ein Werk in den USA und stärkt damit den deutschen Standort Dresden.

München/Dresden - Es sei zu teuer, die Fertigung im amerikanischen Richmond auf den neuesten technologischen Standard umzustellen, teilte die Infineon-Tochter am Dienstag in München mit.

Rund 1500 Mitarbeiter sind betroffen; ihnen steht die sofortige Kündigung bevor. Bei der selbst entwickelten Technologie, mit der kleinere Chips zu niedrigeren Kosten hergestellt werden können, gelang Qimonda nach eigenen Angaben ein deutlicher Fortschritt.

Mit der Schließung des US-Standorts will Qimonda  einen Verlustbringer ausschalten. In Richmond waren bereits im vergangenen Jahr im Zuge der Restrukturierung 1500 Stellen weggefallen. Nach dem Aus für das Werk will Qimonda die Kernkompetenz in der Produktion konzentrieren und Kunden verstärkt mit Chips aus dem europäischen Hauptwerk Dresden beliefern, wo nach alter und neuer Technik gefertigt wird.

In der sächsischen Landeshauptstadt läuft bereits die Volumenproduktion der ersten Chip-Generation mit Strukturbreiten von 65 Nanometern. Innerhalb dieser von Qimonda entwickelten Technologie namens "Buried Wordline" sei jetzt die Herstellung erster funktionsfähiger Module auf der 46-Nanometer-Technologie gelungen, hieß es weiter. Weil so deutlich mehr Chips pro Scheibe produziert werden können, sei mit einer Steigerung der Effizienz in der Produktion um 200 Prozent zu rechnen. Gleichzeitig sinke der Stromverbrauch um bis zu 75 Prozent.

Finanzchef Thomas Seifert bekräftigte, dies sei der Kern für eine ertragsstarke Zukunft. Die ersten Testläufe und Kundenreaktionen seien "sehr ermutigend". Der weltgrößte Chiphersteller Intel  hatte im Dezember die neuen Qimonda-Produkte als führend in der Industrie bezeichnet. Seifert sagte, der Kompetenznachweis sei ein erster kritischer Schritt bei der Investorensuche. Insolvenzverwalter Michael Jaffe hatte angekündigt, dass Qimonda zum Überleben rasch einen zahlungskräftigen Investor braucht. Sollte dies nicht gelingen, würde die Gesellschaft liquidiert, hieß es auch in der Mitteilung.

In Dresden protestierten am Dienstag rund 2800 Menschen für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Qimonda beschäftigt dort rund 3200 Menschen, weltweit sind es gut 12.000. Der Dresdner Betriebsratschef Martin Welzel sieht Bundesregierung und EU in der Pflicht: "Für Banken sitzt der Euro locker. Auch wir brauchen Hilfe." EU-Industriekommissar Günter Verheugen hatte aber bereits abgewinkt. "Niemand kann ein Unternehmen retten, das sein Eigentümer nicht retten will", sagte er der in Dresden erscheinenden "Sächsischen Zeitung".

manager-magazin.de mit Material von reuters

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