Sumo Paint Malkasten im Internet

Wer seine Bilder am PC bearbeiten und dabei die Festplatte nicht verstopfen will, sollte einen Blick auf Sumo Paint werfen. Das Grafikprogramm im Web ist kostenlos und bietet so manche Profifunktion, die mit kommerziellen Konkurrenten mithalten kann.

Hamburg - Öffnet man Sumo Paint  zum ersten Mal, gehen einem die Augen über. Passiert das wirklich gerade im Browser? Die Software kapert einfach das gesamte Browserfenster, verdrängt alle Symbolleisten und schiebt seine eigene Oberfläche in den Vordergrund. Und der sieht aus wie - Photoshop.

Schon die Anordnung der Werkzeuge ist mit der des Branchenprimus identisch: links die Leiste mit den Bearbeitungswerkzeugen, rechts eine Bildübersicht, Farbauswahlkästen und eine Ebenenübersicht.

Eine Ebenenübersicht? Ja, tatsächlich. In Sumo Paint kann man Bilder aus mehreren übereinander angeordneten Ebenen aufbauen. Und diese Ebenen können sich, ganz wie in Photoshop - gegenseitig beeinflussen, also etwa abdunkeln oder aufhellen. Außerdem kann man neue Ebenen anlegen, Ebenen verschieben oder gar ein ganzes Bild in eine neue Ebene laden.

Ausstattung fast wie beim Profi

Und auch sonst wurde an Funktionen und Einstellmöglichkeiten nicht gespart: Farbbalance, -temperatur und -sättigung lassen sich manipulieren, um halbgare Schnappschüsse in brauchbare Fotos zu verwandeln. Etliche Filter und Effekte, vom Scharfzeichner über Bewegungsunschärfe bis zu Verflüssigungseffekten, ermöglichen Bildmanipulationen von fein bis drastisch. Echte Neuerfindungen sind nicht dabei, dafür vieles, was man schon von anderen Programmen kennt - und zwar aus der kostenpflichtigen Klasse.

Das Portfolio von Werkzeugen und Filtern macht Sumo Paint zu einem brauchbaren Bildbearbeitungs- und einem feinen Malprogramm. Das Beste dabei: In der Regel arbeitet die Onlinesoftware ebenso schnell wie man es von einer lokal arbeitenden Software erwarten würde - aber eben nur in der Regel.

Denn nach einigem Ausprobieren wird klar: Manchmal bremst die Software auch den ganzen Rechner aus. Immer wieder kommt es vor, dass das Programm seine Arbeit einzustellen scheint. Besonders auffällig war dieses Verhalten zu beobachten, wenn es darum ging, aufwendige Maskierungen von Bildbereichen zu erstellen, also gezielt Bereiche auszuwählen, die man bearbeiten oder eben gerade nicht bearbeiten will.

Malprogramm mit Gemeinschaftsspielwiese

Der Testrechner wurde dabei teilweise derart ausgebremst, dass ein Neustart, zumindest aber ein Beenden des Browsers, als einzig gangbarer Ausweg erschien, um mit dem Computer weiterarbeiten zu können. Beim normalen Malen und Herumspielen mit Sumo Paint, das sei betont, traten diese Effekte nicht auf. Wie ein Corel Draw, Paintshop Pro oder eben Photoshop tat es seinen Dienst stundenlang ohne Murren und Knurren, egal ob man neue Bilder anlegte oder der Software eigene Schnappschüsse vorsetze.

Womit wir bei der Frage wären: Wie kommen die Bilder in eine Bildbearbeitung, die von einem Server irgendwo im Internet zugefüttert wird und nicht auf meinem PC liegt? Denn man lädt Sumo nicht permanent herunter, man installiert es nicht: Sumo ist "Application Service Providing", eine "Rich Internet Application" (RIA) in Reinkultur. Ein Programm also, das temporär heruntergeladen wird und als Flash-Applikation im Browser läuft. Dabei werden die grundlegenden Programmdaten vollständig übertragen, fallen aber mit knapp 900 Kilobyte bescheiden klein aus.

Natürlich kann man Fotos auch von der Festplatte des Rechners laden. Man kann aber auch Bilder aus Onlinequellen abrufen, von seinem Flickr-Account beispielsweise, und hat Rohmaterial (die Bilder) und Werkzeug (Sumo Paint) damit jederzeit und überall, wo es einen Computer und einen Internetanschluss gibt, zur Hand.

Bilddaten und kompliziertere Funktionen aber müssen dann zwischen Server und Flickr oder anderer Webquelle, zwischen Nutzer und Server hin und her übertragen werden - da kann es schon mal haken.

Remix

Eine weitere Alternative ist es, die Bilder, die man mit dem Programm bearbeitet oder erstellt hat, direkt bei Sumo zu sichern. Um das zu können, muss man sich dort einen Account einrichten, was schnell und schmerzlos geht, ohne dass man irgendwelche persönlichen Daten eintragen müsste. Der Account selbst dient außer für den Onlinespeicherplatz auch noch dazu, sich in die Online-Malergemeinschaft einzureihen.

Die Community dient in erster Linie dazu, die Bilder ihrer Mitglieder zu beurteilen. Denn wer seine optischen Ergüsse bei Sumo ablegt, kann diese auch der Community zur Schau stellen. Deren Mitglieder können dann beurteilen, wie gut dieses oder jenes Bild ist, woraus ein Ranking, eine Hitparade der Sumo-Bilder entsteht.

Damit nicht genug, kann man auch erlauben, dass andere Mitglieder die eigenen Bilder ebenfalls bearbeiten dürfen. Auf diese Weise kann jedes kleine Kunstwerk mehrere Iterationen durchmachen. Als Remix werden solche Bilder bezeichnet und gelten den Machern der Applikation als wichtiges Alleinstellungsmerkmal. "Wäre die Mona Lisa mit Sumo Paint gemalt worden, hätte es von ihr etliche Remixes geben können, von denen jeder für seine eigene Epoche stehen würde", sagt Sumo Paint-Chefprogrammierer Aaro Väänänen.

Woher das Geld kommen soll

Woher das Geld kommen soll

Gemeinsam mit seinem Programmiererkollegen Lauri Koutaniemi hatte Väänänen Ende 2007 die Idee zu Sumo Paint entwickelt. Beim Frühstück diskutierten die beiden, damals noch Nokia-Angestellte, über Möglichkeiten, Adobes Flash-Technologie zu nutzen, um kommerzielle Onlineanwendungen zu erstellen. Das Resultat war Sumo Paint.

Heute, fast eineinhalb Jahre später, ist die Software zwar in einer 1.0-Version fertig, Geld bringt sie aber noch nicht ein. Das werde aber nicht lange auf sich warten lassen, da sind sich Aaro und Lauri sicher. Für künftige Einnahmen wollen die beiden ein Pro-Variante ihres Malprogramms anbieten, die auch ohne Internetanbindung auf dem Rechner des Anwenders läuft. Ein kommerzieller Bilderdienst soll als zweites Standbein dienen. Darauf, wann es soweit sein wird, mögen sich die Jungunternehmer aber noch nicht festlegen.

Viel Spaß für Spielkinder

Müssen sie aber offenbar auch nicht. Eine Venture-Capital-Firma sorgt dafür, dass die beiden sich vorerst ganz auf ihr Projekt konzentrieren können, Gespräche mit weiteren Unternehmen laufen angeblich bereits.

Dass die beiden mit ihren Konzept Erfolg haben werden, scheint nicht abwegig. Ihren eigenen Zahlen zufolge haben seit der ersten Veröffentlichung 2008 bereits mehr als eine dreiviertel Million Anwender die Webseite des Onlinemalprogramms aufgerufen und die Funktionen der jetzt fertig gestellten Software ausprobiert.

Ganz klar: Profis, die jeden Tag und viele Stunden Bilder bearbeiten oder Zeichnungen anfertigen, werden kaum von Photoshop oder Illustrator auf Sumo Paint umsteigen. Das Programm bietet vieles von dem, was Profiprogramme bieten, aber eben auch nicht alles: Für Profis ist es unter anderem nicht präzise genug. Für alle jedoch, die nur mal in die Bildbearbeitung reinschnuppern, ein wenig am Rechner malen wollen oder einfach eine günstige Möglichkeit suchen, ihre online gespeicherten Bilder nachzubearbeiten, ist es ein prima Angebot.

Sumo Paint: Das Malprogramm in Bildern

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