Kupfer, Funk, Licht Die richtige Technik fürs Heimnetzwerk

Reibungslose Datenübertragung im Haus ist oft Glückssache. Oft müssen Speichersticks, eilig gebrannte CDs oder DVDs die räumliche Distanz zwischen PCs und Abspielgeräten überbrücken. Doch es geht auch praktischer. Mit überschaubarem Aufwand kann ein Netzwerk auf- oder ausgebaut werden.

Hannover/Meschede - Grundsätzlich steht der Verbraucher vor der Entscheidung, seine Daten zu Hause über die Kupferlitzen eines Lan-Kabels, drahtlos per W-Lan, per Lichtleiter oder Stromnetz zu übertragen. Auf W-Lan sollten Nutzer dann setzen, wenn die Mobilität im Vordergrund steht, die benötigte Bandbreite aber eher gering ist. Dies ist beispielsweise beim Surfen über Notebooks im Internet, Internettelefonie oder Musikstreams der Fall.

Der weit verbreitete W-Lan-Standard g erreicht bei guter Verbindung im Mittel einen realistischen Datendurchsatz von 25 Megabit pro Sekunde (MBit/s). "Bei schlechter Funkverbindung kann er auch mal auf ein oder zwei MBit/s zurückfallen", hat die Zeitschrift "C't" in einem Test herausgefunden.

In Umgebungen mit schlechtem Empfang lässt sich die Reichweite des W-Lan-Netzes durch Repeater verbessern. Dabei halbiert sich aber der Datendurchsatz, weil jedes Datenpaket zweimal gesendet werden muss.

Wer einen stationären Rechner in einem ganz entfernten Winkel des Hauses anschließen will oder mit besonders viel Stahlbeton in Decken und Wänden zu kämpfen hat, fährt unter Umständen mit einem Transfer der Daten über das Stromnetz oder per Lichtleiter besser.

"Bei Powerline-Netzwerken wird das hausinterne Stromnetz ohne die geringste handwerkliche Verrenkung zum Datennetz und jede Steckdose zum potenziellen Interface zum Netzwerk", hebt das Telekommunikationsportal Teltarif.de den Vorteil von Powerline hervor. Meist wird Powerline mittels kleiner Adapter in Gestalt von Steckernetzteilen realisiert. Der Anschluss an den Router auf der einen und an den Rechner auf der anderen Seite erfolgt per Lan-Kabel.

Die neuesten Geräte werden mit einem Datendurchsatz von bis zu 200 MBit/s beworben. Im Praxiseinsatz werden je nach Entfernung und Güte des Stromnetzes zwischen 15 und 85 MBit/s erreicht. Ein Adapter-Paar der neuesten Generation ist ab rund 100 Euro zu haben.

W-Lan häufig unzuverlässig

Millimeterdünne Lichtleiter aus Kunststoff, im Fachjargon Polymer Optical Fiber (POF) genannt, können in kniffligen Fällen zum Einsatz kommen, wenn zum Beispiel Lan-Kabel aufgrund ihres Durchmessers ausscheiden und das Stromnetz keine schnelle oder konstante Datenübertragung ermöglicht. Die ab rund 90 Euro erhältlichen POF-Sets bestehen meist aus zwei kleinen Adaptern, die das elektrische Signal in ein optisches übersetzen, und 30 Metern Kabel. Diese Lösung liefert beinahe volle 100 MBit/s. Wie bei Powerline erfolgt der Anschluss an diverse Geräte per Lan-Kabel.

"Funk ist sicherlich die eleganteste Option, aber auch die, die am schlechtesten funktioniert", sagt Stephan Breide, Vorsitzender der Fernseh- und Kinotechnischen Gesellschaft. Theoretisch genügt g-W-Lan und erst recht der noch im Entwurf befindliche n-Standard mit einem Netto-Datendurchsatz zwischen 5 und 120 MBit/s, um auch hochauflösendes Videomaterial im Netzwerk zu übertragen. Dieses beansprucht "nur" bis zu 20 MBit/s Durchsatz in der Sekunde.

Die Datenübertragung muss aber konstant sein, damit das Bild nicht ruckelt. Einen durchgehenden Datenstrom garantieren kann aber kein W-Lan-Standard. Auch bei guter Verbindung sind Aussetzer im Datenstrom möglich. "Das ist von vielen Zufälligkeiten abhängig", sagt Breide. Der Experte gibt deshalb dem klassischen Lan-Netzwerk bessere Noten, da es in der Praxis konstant fast die volle in der Spezifikation angegebene Datenrate von 100 MBit/s (Fast-Ethernet) oder 1000 MBit/s (Gigabit-Ethernet) liefert.

Allerdings kritisiert Breide, dass bei Neubauten oft weder Architekten noch Elektriker den Bauherren auf die praktische Unterputzverlegung der Lan-Kabel hinwiesen. "Das ist preiswert machbar", sagt der Experte.

Außerdem sind Ethernet-Ports als kleinster gemeinsamer Nenner bereits an vielen Multimediageräten vorhanden. Was aus Breides Sicht aber noch fehlt, sind untereinander kompatible Geräte, die auch für Laien einfach zu bedienen und zu nutzen sind. "Die physikalische Technik reicht nicht aus, um vernünftige Endgeräte zu haben", stellt der Experte fest. "Entweder der Marktdruck war noch nicht groß genug oder der Markt wird beherrscht von Bastlern." Dabei beschäftigten sich bereits viele Initiativen mit dem vernetzten digitalen Haus.

Dirk Averesch, dpa

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