Qimonda Suche nach "potenten Investoren"

Beim insolventen Speicherchiphersteller Qimonda läuft die Produktion in allen Werken zunächst weiter. Derzeit prüfe der Insolvenzverwalter, in welcher Form bei Qimonda weitergemacht werden kann. Das schließe Gespräche mit Bayern, Sachsen und Portugal ebenso ein wie mit potenziellen Investoren.

Dresden - Der Insolvenzverwalter von Qimonda, Michael Jaffé, kämpft um eine Fortsetzung des Betriebs bei dem zahlungsunfähigen Speicherchiphersteller.

"Für eine fundierte Bewertung ist es derzeit noch zu früh. Klar ist schon jetzt: Wir haben es hier mit einer hochkomplexen Situation und einem extrem kapitalintensiven Geschäft zu tun", sagte Jaffé laut Mitteilung. "Deshalb braucht es für eine tragfähige Lösung Beiträge von potenten Investoren."

Die sogenannte Insolvenzgeldvorfinanzierung werde bereits auf den Weg gebracht, hieß es. Sie dient zunächst vor allem der Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes. In der Regel übernimmt dabei eine Bank die Finanzierung der fälligen Mitarbeitergehälter. Die Insolvenz von Qimonda  hatte auch den Chiphersteller Infineon  in Bedrängnis gebracht.

Darüber hinaus würden unterschiedliche Optionen für die mittel- und langfristige Zukunft des Unternehmens untersucht, teilte Qimonda weiter mit. Dies schließe auch den Kontakt mit möglichen Investoren ein. Nähere Angaben wurden hier nicht gemacht.

Preise für Speicherchips im Keller

Am Montag waren zunächst die Mitarbeiter in München auf einer Betriebsversammlung über die nächsten Schritte informiert worden. An der Versammlung nahmen rund 1000 der 1400 Beschäftigten in München teil.

An diesem Dienstag sind dann in Dresden für die drei Schichten jeweils Betriebsversammlungen geplant. Anfang Februar soll es Gespräche am Produktionsstandort Porto sowie in Lissabon geben. An allen Standorten läuft die Produktion derzeit weiter. Ein Sprecher des Unternehmens wollte sich auf Anfrage aber nicht dazu äußern, bis wann die Arbeit gesichert ist.

Qimonda hatte am Freitag nach hohen Verlusten Insolvenz anmelden müssen, weil die Speicherchip-Preise seit mehr als einem Jahr im Keller sind und ein zunächst geplantes staatliches Hilfspaket gescheitert war. Jaffé verschafft sich derzeit einen Überblick über die Lage und will in den nächsten Wochen ein Konzept vorlegen.

Offiziell eröffnet werden könnte das Insolvenzverfahren dem Vernehmen nach dann am 1. April. Die Infineon-Tochter beschäftigt deutschlandweit 4600 Mitarbeiter: 3200 in Dresden und 1400 in München. Weltweit gibt es 12 000 Mitarbeiter.

Der DGB Sachsen bangt nach der Insolvenz um etwa 5000 Arbeitsplätze. Inklusive der Zulieferbetriebe sei mit dieser Zahl zu rechnen, sagte DGB-Landeschef Hanjo Lucassen am Montag in Dresden. "Ich sorge mich auch um den Forschungsstandort Dresden und Sachsen", fügte er an. "Infineon ist bei der Ansiedlung in Dresden stark gefördert worden." Der Unternehmensleitung warf er Fahrlässigkeit vor. Sachsen sei mit Steuergeldern bei der Unterstützung von Qimonda schon ziemlich weit gegangen.

manager-magazin.de mit Material von reuters, ddp und dpa-afxp

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