Milliardenverlust Philips baut 6000 Jobs ab

Der Elektronikkonzern Philips hat erstmals seit sechs Jahren rote Quartalszahlen ausgewiesen. Eine Prognose für das laufende Jahr wollte Philips-Chef Gerard Kleisterlee wegen der "beispiellosen Geschwindigkeit und Heftigkeit" der Krise nicht abgeben. 6000 Stellen sollen gestrichen werden, einige davon in Deutschland.

Amsterdam - Der niederländische Elektronikkonzern Philips  ist gegen Ende des Jahres schwer von der Wirtschaftsflaute erwischt worden. Das Geschäft ging zurück, hohe Abschreibungen auf Firmenwerte und -anteile führten im Schlussquartal zu tiefroten Zahlen. Konzernchef Gerard Kleisterlee kündigte daraufhin am Montag einen verschärften Sparkurs an: Rund 6000 Stellen sollen im Laufe des Jahres wegfallen.

Davon entfielen rund 220 Arbeitsplätze auf Deutschland, sagte ein Philips-Sprecher gegenüber manager-magazin.de. "Die Maßnahmen für Deutschland haben wir bereits im Herbst angekündigt", sagte der Sprecher. Sie fließen in die weltweiten Stellenkürzungen mit ein, die Kleisterlee heute ankündigte.

Der Großteil der deutschen Jobkürzungen, nämlich 130 Stellen, soll demnach in der Health-Care-Sparte, also in der Produktion von medizinischen Großgeräten, gekürzt werden. Weitere 90 Arbeitsplätze würden bei der Produktion von Autolampen in Aachen wegfallen.

Von Oktober bis Dezember war die Zahl der Mitarbeiter bereits von 128.000 auf 121.000 gesunken. Eine Aussage dazu, wie Philips im Jahr abschneiden wird, traute sich Kleisterlee angesichts der "beispiellosen Geschwindigkeit und Heftigkeit" der Flaute nicht zu.

Unter dem Strich lief im Schlussquartal ein Verlust von 1,470 Milliarden Euro auf. Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen noch 1,398 Milliarden Euro verdient, was im Wesentlichen durch Anteilsverkäufe gelungen war. Die Krise meistern will Kleisterlee nun mit strikter Kostendisziplin. Durch die laufenden Sparprogramme und den Umbau des Unternehmens sollen rund 400 Millionen Euro pro Jahr mehr in der Kasse übrig bleiben. Ab der zweiten Jahreshälfte soll die Initiative greifen, die bislang vor allem viel Geld gekostet hat. Die Börsianer nahmen das als Hoffnungsschimmer: Die Philips-Aktie  stieg am Montagmorgen um mehr als 8 Prozent.

Die wirtschaftlichen Aussichten verdunkeln sich dabei immer weiter. Von Oktober bis Dezember war der Umsatz von 8,365 auf 7,623 Milliarden Euro zurückgegangen. Die Konsumelektronik und hier insbesondere das TV- und Videogeschäft brach ein, aber auch Teile des Lichtgeschäfts litten. Letztgenannte Sparte liefert unter anderem der Autoindustrie zu, deren Verkäufe zum Jahresende drastisch zurückgegangen waren.

Aktienrückkauf wird gestoppt

Die Medizintechnik konnte dagegen ihren Umsatz um fast ein Drittel steigern, was neben den gut laufenden bildgebenden Verfahren auch an den jüngsten Zukäufen lag. Im ersten Quartal rechnet Philips  jedoch auch hier mit einem rückläufigen Markt, vor allem wegen der anhaltenden Einsparungen im US-Gesundheitswesen.

Kleisterlee hat den Konzern auf die drei Säulen Konsumelektronik, Lichttechnik und Medizintechnik gestellt und sich von Randgeschäften getrennt. Grundsätzlich will er sich auf Produkte mit höheren Margen konzentrieren. Deshalb hat er neben dem Geschäft mit Fernsehgeräten in Nordamerika auch die Herstellung von Computermonitoren abgestoßen.

Angesichts der Flaute musste Kleisterlee aber erst im Dezember sein Ziel aufgeben, den Gewinn bis 2010 zu verdoppeln. Er hatte auch bereits vor den milliardenschweren Abschreibungen im vierten Quartal gewarnt.

Den Aktienrückkauf wird den Angaben zufolge vorerst gestoppt. Es gebe wenig Raum für Optimismus, begründete das Unternehmen die Maßnahme. Bereits vor drei Monaten hatte das Management den Rückkauf verlangsamt. Allerdings ist schon mehr als die Hälfte des fünf Milliarden Euro schweren Programms abgearbeitet. Die Dividende für das abgelaufene Jahr wird dagegen stabil bei 0,70 Euro gehalten.

Auch die Philips-Rivalen leiden unter der Wirtschaftskrise: Siemens  hat unter anderem Probleme in seinem Beleuchtungsgeschäft (Osram) und berichtete über ein schwierigeres Marktumfeld in der Medizintechnik. Das Unternehmen legt am Dienstag die Zahlen für Oktober bis Dezember vor. General Electric  aus den USA musste am Freitag einen Gewinneinbruch vermelden.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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