Debatte über Werbesprache Alles denglisch oder was?

Zu viele englische Begriffe in der Werbung verwirren, sagen Verbraucherschützer. Verklausuliertes Beamtendeutsch sei noch schlimmer, kontern die Kreativen. In Berlin trafen sich beide Seiten zum Schlagabtausch.

Berlin - Schon ärgerlich, wenn Tausende Euro für Werbung ausgegeben werden und sie dann kaum jemand versteht. Den Werbespruch "Make the most of now" des Telefonabieters Vodafone verstanden nur wenige Menschen. Viele übersetzten ihn in "Mach' keinen Most daraus". Für den Verbraucherzentrale Bundesverband ein klarer Fall von Kundenverunsicherung und ein Signal, auf die Barrikaden zu gehen.

Mit dem Literaturhaus Berlin hatten die Verbraucher- und Sprachschützer am Donnerstag den passenden Ort für ihre Veranstaltung "Denglisch oder was?" gefunden. Die schweren Stofftapeten und das dunkle Edelholz im Kaminzimmer der alten Villa ließen erst gar keinen Zweifel am Ernst der Lage aufkommen.

Denn schlimm muss es um die Seelen deutscher Käufer wohl bestellt sein, wenn sie mit Werbesprüchen wie "Welcome to the Beck's Experience" völlig in die Irre geleitete werden. Nicht wenige Verbraucher übersetzen "Experience" nämlich mit Experiment und lassen sich das Becks-Erlebnis damit völlig entgehen. Das weiß jedenfalls Professor Christoph Fasel, seit 2005 Direktor des Instituts für Verbraucherjournalismus an der privaten SRH Hochschule Calw und ein Fachmann auf dem Gebiet der Sprachverwirrung.

Fasel hatte auch das Vodafone-Beispiel parat, im Staccato fetzte er weitere Werbesprüche ins Publikum, das zu großen Teilen aus Wissenschaftlern, Werbern und Politikern bestand - und wenn die Politik im Spiel ist, wird es richtig Ernst. Schließlich ist es erst zehn Tage her, da der Stuttgarter CDU-Bundesparteitag für die deutsche Sprache einen Verfassungsrang gefordert hatte. Die Sprache habe in den letzten Tagen an Aktualität gewonnen, betonte denn auch Verbraucherzentrale-Bundesvorstand Gerd Billen, der am Vortag noch zum neuen Datenschutzgesetz referierte.

6 Prozent der Werbung ist englisch

Fasel konnte die Skepsis des vorwiegend älteren Publikums mühelos untermauern. Die Wissenschaft habe herausgefunden, dass etwas eben nicht auf der Höhe der Zeit sei, nur weil es auf Englisch ausgesprochen werde, sagt er. Das eigentliche Problem sei, dass in der deutschen Bevölkerung gar nicht so gut Englisch gesprochen werde wie gemeinhin angenommen, erklärte Fasel.

Nur maximal 20 Prozent der Deutschen können demnach so gut Englisch, dass sie Werbesprüche wie "Fly Euro Shuttle" (Air Berlin) oder "Feel the Difference" (Ford) richtig übersetzen. Der Rest macht daraus "Schüttel den Euro zum Fliegen" oder "Ziehe die Differenz ab".

Dass die derart gescholtene Werbewirtschaft in Person von Volker Nickel ganz andere Argumente vorbrachte, verwunderte nicht. "Die englischen Sprachkenntnisse werden in Zukunft zunehmen", erklärte der Sprecher des Zentralverbandes der deutschen Werbewirtschaft.

Solle man denn Begriffe wie "Toaster" oder "Cool" künftig nicht mehr benutzten dürfen, gab Nickel zu bedenken. Im Fall von McDonald's habe der zunächst nur für Deutschland kreierte Werbespruch "Ich liebe es" in die jeweiligen Landessprachen übersetzt gar einen Siegeszug um die ganze Welt angetreten.

Und überhaupt: Nur in 6 Prozent der Werbung würden englische Begriffe verwendet, sagte Nickel. Dass in der Gesetzgebung eine nahezu babylonische Sprachverwirrung herrsche, sei doch wohl viel schlimmer, als ab und an ein englischer Spruch in der Werbung.

Stefan Lange, ap

Denglisch-Debatte: Auswahl der kritisierten Werbesprüche

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