Wartungsverträge SAP rudert zurück

Der Widerstand mittelständischer Kunden gegen eine Gebührenänderung von SAP hat Erfolg. Der Softwarekonzern nimmt die angekündigte Umstellung mehrerer Firmenkunden in Deutschland und Österreich auf teurere Wartungsverträge zurück.

Walldorf - Der Softwarekonzern SAP  reagiert auf die massiven Beschwerden seiner Kunden über die zwangsweise Anhebung der Wartungsgebühren. Der größte europäische Softwarehersteller nimmt die Kündigungen der Wartungsverträge in Deutschland und Österreich zurück und bietet den Kunden wieder die Verträge an, welche die Walldorfer im Sommer gekündigt hatten.

"Die Vertragskündigungen wurden von Kunden sehr emotional entgegengenommen", sagte Volker Merk, Deutschland-Chef der SAP am Dienstag bei einer Telefonkonferenz. "Viele Kunden haben die Kündigungen als Bruch der vertrauensvollen und partnerschaftlichen Zusammenarbeit aufgefasst." Daher bieten die Walldorfer ihren Kunden die Wahl zwischen der bisherigen Standardwartung und der teureren Enterprisewartung.

Damit sind hiesige Unternehmen wieder ausländischen Kunden gleichgestellt. Im Sommer hatte SAP 50 bis 60 Prozent der Kunden in Deutschland und Österreich die Verträge für Standardwartung gekündigt und für das Enterprisewartungspaket einen Preisanstieg von 17 auf 22 Prozent der Lizenzgebühren gefordert. Dagegen regte sich unter den SAP-Nutzern starker Widerstand.

Knapp 100 Mittelständler hatten sich Anfang Dezember zusammengeschlossen, um SAP zu Verhandlungen zu zwingen. "Wenn jemand seine Marktmacht ausnutzt, muss man sich dagegen wehren", sagte ein Sprecher des beteiligten Hausgeräteherstellers Miele. SAP verteidigte sich, man passe die Gebühren nur dem "branchenüblichen Niveau" an.

Der Protest entzündete sich nicht nur an der Höhe der Gebühren, sondern auch an der Art der Kommunikation. Nach Angaben des Sprechers der Initiative blieb ein gemeinsam unterzeichneter Brief an die beiden SAP-Chefs Henning Kagermann und Léo Apotheker unbeantwortet. "Die reden einfach nicht mit uns." Als Reaktion kündigten einige der Unternehmen ihre Wartungsverträge zum Jahresende. Für SAP ist der Kundenaufstand besonders delikat, weil das Unternehmen seit Jahren auf das Mittelstandsgeschäft als Wachstumsstrategie setzt.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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