Medienkrise Tribune meldet Insolvenz an

Unter der Last von Milliardenschulden hat der Medienkonzern Tribune einen Insolvenzantrag gestellt. Zu dem US-Unternehmen gehören große Blätter wie "Los Angeles Times" und "Chicago Tribune".

Washington - Tribune ist das erste große Medienhaus in den USA, das seit dem Platzen der Internetblase Anfang des Jahrzehnts Insolvenz anmeldet. Nach einer Mitteilung des Konzerns vom Montag geht es um Gläubigerschutz nach Kapitel elf des amerikanischen Insolvenzrechts. Das Verfahren gibt notleidenden Unternehmen die Chance, Ballast abzuwerfen und sich womöglich zu sanieren.

Zu der Tribune-Gruppe gehören acht große US-Tageszeitungen und eine ganze Reihe lokaler Fernsehsender, insgesamt beschäftigt der Konzern etwa 20.000 Menschen.

Auf Tribune lasten rund 13 Milliarden Dollar (zehn Milliarden Euro) Schulden. Wie die gesamte Zeitungsbranche leidet auch die Gruppe seit Jahren unter wegbrechenden Anzeigeneinnahmen. Der Konzern habe bereits während des vergangenen Jahres mit der Umstrukturierung begonnen, betonte Tribune-Chef Sam Zell. "Faktoren jenseits unserer Kontrolle haben aber bedauerlicherweise einen perfekten Sturm geschaffen." Der Verlust von Anzeigeneinnahmen zusammen mit der Wirtschaftsflaute und der Kreditkrise "hat es extrem schwierig gemacht, unsere Schulden zu bedienen", erklärte Zell weiter.

Durch eine angepeilte Umstrukturierung der Verbindlichkeiten solle die Verschuldung "auf ein Niveau gebracht werden, das den gegenwärtigen wirtschaftlichen Realitäten entspricht". Auch wenn er unter Gläubigerschutz steht, will der Konzern den Angaben zufolge weiterhin wie bisher sein Mediengeschäft betreiben. Dazu stünden auch ausreichend Mittel zur Verfügung, hieß es weiter.

Auch die "New York Times", ein Flaggschiff der US-Zeitungsbranche, rüstet sich für mögliche Liquiditätsprobleme. Der Medienkonzern will neue Kredite von bis zu 225 Millionen Dollar aufnehmen und sie mit dem neuen Hauptquartier im Herzen Manhattans besichern. Die "Times"- Gruppe hat zwei Kreditlinien über bis zu 400 Millionen Dollar, von denen eine im kommenden Mai ausläuft. In der aktuellen Finanzkrise dürfte es schwer werden, sie zu erneuern.

Finanzchef James M. Follo schloss auch nicht aus, dass das erst im kommenden Jahr fertiggestellte Verlagsgebäude verkauft und von der "Times" nur noch gemietet wird. Der Medienkonzern hält an dem 52-stöckigen Wolkenkratzer, der vom Stararchitekten Renzo Piano entworfen wurde, einen Anteil von 58 Prozent.

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa

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