Klimaschutz EU knipst Glühbirnen aus

Für die klassische Glühlampe geht 130 Jahre nach ihrer Erfindung in Europa endgültig das Licht aus. Die EU-Kommission beschloss heute, die ineffizienten Leuchten ab 2009 schrittweise zu verbieten. Dann sollen Energiesparlampen ihren Siegeszug vollenden - und damit einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Brüssel - Glühbirnen werden ab dem kommenden Herbst in Europa schrittweise abgeschafft. Die 27 EU-Staaten beschlossen am Montag, 100-Watt-Birnen ab dem 1. September 2009 vom Markt zu nehmen. In den darauffolgenden Jahren sollen dann schrittweise auch die Birnen mit geringerer Strahlkraft abgeschafft werden. Die letzte klassische Glühbirne soll am 30. August 2012 vom Fließband rollen.

Mit der Umstellung auf Energiesparbirnen will die Europäische Union dem Beispiel von Australien und Kalifornien folgen und zur Erfüllung ihrer ehrgeizigen Klimaziele beitragen. Die EU will bis 2020 ein Fünftel der Treibhausgase einsparen und zugleich die Energie-Effizienz um 20 Prozent erhöhen. Europaweit lassen sich durch Energiesparbirnen Stromkosten in Höhe von fünf bis zehn Milliarden Euro jährlich sparen, erwartet die Kommission.

Und das, obwohl Energiesparlampen teurer sind als Glühbirnen. Wegen ihres geringeren Stromverbrauchs und der längeren Haltbarkeit verursachten Energiesparlampen, über die gesamte Einsatzdauer gerechnet, rund 60 Euro weniger Kosten als herkömmliche Glühbirnen. Der Einsatz von Energiesparlampen senke den Stromverbrauch eines durchschnittlichen Haushalts um 15 Prozent, erklärte die Kommission weiter.

Verbraucher können zu Hause weiter ihre alten Glühbirnen benutzen. Wenn diese aufgebraucht sind, können sie aber nach 2012 EU-weit nur noch Energiesparbirnen kaufen, zu denen auch Halogenleuchten gehören. Nach Angaben aus der Industrie könnten weniger effiziente Halogenleuchten aber bereits 2016 verboten werden. Sie sparen teilweise nur wenig mehr Strom ein als Glühbirnen.

Damit steht die 1879 von Thomas Edison erfundene Glühbirne in Europa endgültig vor dem Aus. Sie gilt als Energieschleuder. Nur 5 Prozent des Stroms werden in Licht umgesetzt, der Rest verpufft als Wärme. Moderne Energiesparbirnen verbrauchen zwischen 65 und 80 Prozent weniger Strom und halten im Schnitt sechsmal länger. Trotz ihrer deutlich höheren Anschaffungskosten sind sie auf die Lebenszeit gerechnet billiger als Glühbirnen. Der Nachteil: Bisher sind sie weniger hell.

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"Kein Verbraucher muss befürchten, im Dunkeln stehen gelassen zu werden", erklärte die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments und Energieexpertin Mechtild Rothe (SPD). Sie verwies darauf, dass die Umstellung auf Energiesparbirnen mit der Industrie abgesprochen sei.

Die hat sich weitgehend bereits auf das Ende der Glühlampe eingestellt. Die alten Glühbirnen werden vor allem noch in Ungarn, Polen und einigen westeuropäischen Ländern hergestellt. Die EU-Kommission schätzt, dass europaweit etwa 8000 von insgesamt 50.000 Beschäftigte der Branche die herkömmlichen Glühlampen produzieren. Die betroffenen Unternehmen sollten ihre Produktion auf Energiesparlampen umstellen und so die Arbeitsplätze erhalten. Die Kommission erwartet allerdings auch, dass etwa 2000 bis 3000 Jobs wegfallen dürften.

Die Siemens-Tochter Osram begrüßte die Ankündigung der EU. "Die Glühlampe ist wegen ihrer geringen Effizienz ein Auslaufmodell", sagte Osram-Chef Martin Götzeler. Rund 850 der 12.000 Osram-Mitarbeiter in Europa seien derzeit nach Angaben von Siemens  noch mit der Glühbirnen-Fertigung beschäftigt. "Wir erwarten nicht, dass die Abschaffung der Glühbirne zu einem Verlust von Arbeitsplätzen führt – es ist geplant, die Fertigungen umzustellen und Mitarbeiter umzuschulen", sagte ein Siemens-Sprecher.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) begrüßte die "richtige Entscheidung für den Klimaschutz". Zugleich forderte der BUND, die Ökobilanz der Birnen zu verbessern. Dazu müssten die Quecksilbergehalte in den überwiegend in Asien produzierten Lampen weiter reduziert werden. Der Handel müsse ausgediente Lampen als Sondermüll erfassen. Zudem erzeugten die Lampen derzeit noch zu viel Elektrosmog.

manager-magazin.de mit Material von ap, afp und dpa