Bundesliga-TV Premiere sichert sich Übertragungsrechte

Lange musste Premiere bangen, nun ist die Entscheidung gefallen: Der angeschlagene Bezahlsender kann die Spiele der Fußball-Bundesliga in den kommenden vier Jahren live übertragen. Auch die ARD kommt nach wie vor zum Zuge. Der Ligaverband DFL kassiert im Gegenzug 1,65 Milliarden Euro.

Frankfurt am Main - Premiere  hat sich die Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga im Pay-TV für die kommenden vier Jahre gesichert. Die Liga setze auch künftig auf bewährte Partner, teilte die Deutsche Fußball Liga (DFL) am Freitag mit. Der Münchener Abo-Sender erhalte die Pay-TV-Rechte der ersten und zweiten Bundesliga.

Im Free-TV sind die Zusammenfassungen der Bundesliga weiterhin in der ARD zu sehen. Neu ist, dass die "Sportschau" der ARD nicht nur wie bisher am Samstag, sondern auch am Sonntag ab 21.45 Uhr eine Zusammenfassung der Spiele des Tages sendet. Neu ist zudem, dass eine Erstliga-Partie am Samstag ab 18.30 Uhr angepfiffen und bei Premiere übertragen wird. Dadurch zeigt die ARD am Samstag in der Zusammenfassung fünf, statt wie derzeit noch sechs Spiele.

Die Zusammenfassungen der 2. Bundesliga werden am Freitag und Sonntag ebenso wie das Montagsspiel im DSF übertragen. Für die Mobilfunk- und IP-TV-Rechte erhielt die Deutsche Telekom  erneut den Zuschlag, im Web-TV gingen die Rechte an Premiere.

Die 36 Profivereine nehmen von 2009/10 bis 2012/13 insgesamt 1,65 Milliarden Euro aus der Fernsehrechte-Verwertung ein, das sind 412 Millionen Euro pro Jahr. In den vergangenen drei Jahren hatten die Erlöse mit 409 Millionen Euro knapp darunter gelegen.

"Wir haben in einer schwierigen Lage für den Profifußball ein vorzeigbares Ergebnis erzielt", sagte Liga-Präsident Reinhard Rauball. Nach DFL-Angaben will der Ligaverband nun "mit allen rechtlichen Möglichkeiten" gegen die Vorgaben des Kartellamtes in Bezug auf die Zentralvermarktung vorgehen. "Es kann nicht sein, dass wir durch behördliche Maßnahmen bis hin zur Programmplanung stärker eingeschränkt werden als alle anderen Ligen in Europa. Wir brauchen in dieser Hinsicht eine grundlegende Klärung", sagte Rauball.

Der schon unterschriebene Vertrag mit Leo Kirchs Vermarktungsfirma Sirius über 500 Millionen Euro jährlich war am Kartellamtsvotum gescheitert, das eine Zusammenfassung der Samstagsspiele vor 20 Uhr gefordert hatte. Die DFL entschied sich nach der Auflösung des Vertrages mit Medienmogul Kirch daraufhin, die Übertragungsrechte selbst auszuschreiben. Die Verhandlungsposition der DFL-Geschäftsführung war durch die internationale Finanzkrise, finanzielle Probleme beim Hauptpartner Premiere und die Forderung des Kartellamts geschwächt - es war deshalb eigentlich ein geringeres Erlösergebnis erwartet worden.

Die Nettoverschuldung von Premiere war seit dem Jahreswechsel von knapp 181 Millionen auf nunmehr 307 Millionen Euro gestiegen. Premiere-Chef Mark Williams hatte zuletzt gesagt, Premiere befinde sich in "in konstruktiven Gesprächen" für das Finanzierungskonzept. Teilnehmer dieser Gespräche hatten berichtet, dass die Banken eine weitere Finanzierung von Premiere nur unter der Voraussetzung sicherstellen wollten, dass der Sender die Übertragungsrechte der Fußball-Bundesliga bekomme. Die wichtigsten Gläubiger sind laut "Handelsblatt" die Royal Bank of Scotland (RBS) , die Bayerische Landesbank, die HSH Nordbank und UniCredit.

Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi über die von ihm kontrollierte Fininvest einen Anteil von gut 3 Prozent an Premiere erworben hat.

manager-magazin.de mit Material von dpa, ap und reuters

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