General Electric Warum sich GE und Warren Buffett über Konjunkturhilfen freuen

Staatsmilliarden für die Infrastruktur in den USA, Subventionen für den effizienteren Energieverbrauch in Europa - GE-Deutschland-Chef Georg Knoth sieht seinen Konzern gut positioniert, um von den staatlichen Konjunkturprogrammen zu profitieren.
Von Andreas Nölting

mm.de: Herr Knoth, Ihr prominenter neuer Investor Warren Buffett hat kürzlich gesagt, General Electric (GE)  sei das Symbol der US-Wirtschaft für die Welt. Da drängt sich die Frage auf: Welches Signal sendet Ihr Konzern an die globale Ökonomie?

Knoth: Wir erwarten für 2008 einen Konzerngewinn von circa 20 Milliarden Dollar – davon allein neun Millarden Dollar in unserem Finanzbereich GE Capital. Angesichts des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds gerade im Finanzsektor sind wir mit unserem Ergebnis sehr zufrieden und schauen zuversichtlich nach vorne.

mm.de: Wenn es Ihnen so gut geht, warum lassen Sie sich dann 139 Milliarden Dollar Verbindlichkeiten durch den Staat verbürgen?

Knoth: Der Grund ist ein ganz einfach: Wir wollen einen fairen Wettbewerb an den Kapitalmärkten. Wenn die Banken - das sind ja unsere Wettbewerber - an die Kapitalmärkte gehen und ihr Fremdkapital 100-prozentig vom Staat garantiert wird, sind wir als Spezialfinanzierungsinstitut trotz unseres AAA-Ratings natürlich im Nachteil.

mm.de: Sie fordern also gleiche Chancen?

Knoth: Genau. Diesem Argument konnte Washington auch folgen und hat uns richtigerweise in das Programm miteingeschlossen.

mm.de: Sie stärken sich so für die schmerzhaften Folgen der Krise?

Knoth: Wir sind grundsätzlich mit unseren vier Geschäftsbereichen sehr gut positioniert. So sind zum Beispiel selbst im dritten Quartal der Umsatz und Gewinn in unserem Infrastrukturbereich Energie jeweils um über 30 Prozent gewachsen. Ob sich in Zukunft Projekte verzögern oder gestrichen werden, werden wir sehen. Viele unserer Projekte im Bereich Infrastruktur müssen von den jeweiligen Ländern verwirklicht werden. Wenn Sie nach China, nach Indien oder in den Mittleren Osten schauen, sehen Sie, dass diese Regionen moderne Infrastruktur brauchen, um ihre Wirtschaft anzukurbeln und die Lebensqualität zu steigern. Das heißt, diese Projekte werden irgendwann so oder so durchgeführt.

Aber selbstverständlich verfolgen wir die Entwicklung in der Finanz- und Realwirtschaft sehr genau und werden uns je nach Notwendigkeit taktisch anpassen – so auch gerade geschehen im Bereich GE Capital.

Profiteur der Konjunkturprogramme

mm.de: Ihre Kunden sind häufig staatliche Organisationen. Nun werden Konjunkturprogramme für die Infrastruktur oder beim Thema Energie diskutiert, das müsste Sie doch freuen?

Knoth: Absolut. In Amerika wird ein Infrastrukturprogramm in Höhe von 300 Milliarden Dollar diskutiert. In Deutschland gibt es ähnliche Gespräche über staatliche Konjunkturprogramme - etwa auch für den Bereich Umwelttechnologien. Da fühlen wir uns natürlich grundsätzlich gut aufgehoben und als Konzern richtig positioniert.

mm.de: Sie werden also von den staatlichen Konjunkturprogrammen profitieren?

Knoth: Grundsätzlich ja. Man muss natürlich für jedes Land die Programme separat und im Detail analysieren. Aber Infrastruktur ist ein ganz zentraler Bereich innerhalb GE. Nehmen Sie nur den Bereich Energie: Hier bieten wir unseren Kunden das gesamte Produktportfolio an – von den klassischen Gaskraftwerken bis hin zu Wind- und Solartechnologien sowie Biogasmotoren. Zusätzlich setzen viele Länder auf die Themen Umwelt und Energieeffizienz. Da sehen wir für uns gerade auch in Deutschland gute Chancen.

mm.de: Obwohl Sie sich schon einmal kritisch über die Standortpolitik hierzulande geäußert haben?

Knoth: Für uns ist Deutschland ein ganz wichtiger Hightech-Standort. Doch wir sehen auch enorme Fortschritte in Ländern wie China oder Indien, wo wir jeweils sehr stark vertreten sind. Wir haben Forschungszentren in beiden asiatischen Ländern, aber auch hier in München. Der globale Wettbewerb wird sich weiter verstärken und insofern kann man gar nicht genug tun, um den Hightech-Standort Deutschland zu fördern und somit hoch qualifizierte Arbeitsplätze nachhaltig zu sichern. Der Masterplan Umwelttechnologien der Bundseregierung ist sicherlich auch ein Schritt in die richtige Richtung.

mm.de: Werden Sie geplante Investitionen in Deutschland zurückfahren?

Knoth: Nein. Wir wollen unsere Aktivitäten in unserem Forschungszentrum in Garching ausweiten. Zudem haben wir gerade einen neuen Standort in Regensburg für den Bereich Triebwerkstechnologien angekündigt. Und Salzbergen ist ein ganz wichtiges Kompetenzzentrum für erneuerbare Energien. Auch in diesem Zukunftsmarkt wollen wir weiter wachsen und haben keine Pläne, Investitionen zurückzufahren.

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