Donnerstag, 19. September 2019

Xing-Chef Hinrichs Genug genetzwerkelt

2. Teil: "Es wird etwas Neues geben"

"Es wird etwas Neues geben"

Mit dem offiziellen Rücktritt erklärt Hinrichs gleichzeitig einen Neuanfang. Dass er ab Mitte Januar in den Aufsichtsrat von Xing wechselt, heiße nicht, dass er in Ruhestand geht, sagt er. "Es wird etwas Neues geben. Ich werde die nächste Firma aufbauen." Wann es soweit ist und welche Idee dahinter steckt, sagt Hinrichs nicht. "Dass ich nicht mein ganzes Leben bei Xing verbringen will, das habe ich schon immer gesagt."

Neuer Xing-King: Groß-Selbeck wird Hinrichs' Nachfolger
Zudem freue er sich, den Ebay-Deutschland-Chef Groß-Selbeck als seinen Nachfolger gewonnen zu haben. Das dürfte ihm indes nicht allzu schwer gefallen sein: Das Internet-Auktionshaus ist ins Straucheln geraten; derzeit sollen weltweit 10 Prozent der Stellen abgebaut werden. Auch der deutsche Standort ist betroffen. 8 Prozent der 1250 Stellen sollen hierzulande wegfallen. Die US-Zentrale verlagerte die Marketing- und Technikabteilung nach Zürich und London - gegen den Willen von Groß-Selbeck, wie es heißt.

"Dass die Wahl auf Groß-Selbeck gefallen ist, macht durchaus Sinn", meint Analyst Jürgen Weiss vom IT-Marktforschungsinstitut Gartner. "Seine Ausrichtung passt zu Xing." So hat Ebay in den vergangenen Jahren Funktionen wie Referenzmarketing in den Onlinemarktplatz integriert.

Der Jurist Groß-Selbeck, der seit 2002 für Ebay tätig ist, hat diese Entwicklung über einen relativ langen Zeitraum hinweg begleitet. "Auch bei Xing versucht man, durch neue Funktionen mehr Mitglieder, vor allem zahlende Premium-Mitglieder, an sich zu binden." Groß-Selbeck wurde 2004 Deutschland-Chef bei Ebay. Auf ihn folgt Frerk-Malte Feller, der vier Jahre für den Ebay-Bezahldienst Paypal arbeitete, bevor er im März dieses Jahres die Leitung des Kerngeschäfts bei Ebay Deutschland übernahm.

Diese Entwicklungen wird Hinrichs ab Mitte Januar allerdings nur noch als Aufseher mitverfolgen. Vielleicht macht er sich bis dahin schon für eine neue Idee stark, die Risiko und den damit verbundenen Nervenkitzel verspricht. "Xing ist erwachsen und längst von einem erfolgreichen Start-up zu einem profitablen mittelständischen Unternehmen mit hervorragenden Wachstumsperspektiven geworden", sagt Hinrichs. Genau das ist wohl der Grund für seinen Rücktritt. No Risk, no Fun.

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