Donnerstag, 19. September 2019

Abhörskandal Bsirske wirft Telekom Stasi-Methoden vor

Gewerkschaftschef Frank Bsirske hat seinem Ärger über die Bespitzelung von Telekom-Betriebsräten Luft gemacht: Die Überwachung sei ein Angriff auf die betriebliche Mitbestimmung - und der Stil "durchaus mit Stasi-Methoden" vergleichbar. Jetzt gerät in der Affäre auch der ehemalige Telekom-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel unter Druck.

Bonn - Verdi-Chef Frank Bsirske hat das Management der Deutschen Telekom Börsen-Chart zeigen schwere Fehler vorgeworfen. Das heimliche Abhören und Ausspähens eigener Mitarbeiter, von Betriebsräten und Journalisten sei "durchaus mit Stasi-Methoden vergleichbar".

Abhörskandal weitet sich aus: Gewerkschaftschef Frank Bsirske abgehört
Die verantwortlichen Telekom-Manager hätten nicht nur gegen geltendes Recht verstoßen und Persönlichkeitsrechte verletzt, sondern mit der Bespitzelungsaktion auch einen eklatanten Angriff gegen die Mitbestimmung und die Koalitionsfreiheit geführt, sagte Bsirske dem Nachrichtenmagazin "DER SPIEGEL".

Vor wenigen Tagen war bekanntgeworden, dass die Spitzelaffäre immer größere Dimensionen annimmt. Nach Angaben der Bonner Staatsanwaltschaft sind mindestens 55 Personen betroffen, darunter Aufsichtsräte von Telekom und T-Mobile, ein Telekom-Vorstandsmitglied, Angehörige des Betriebsrats und weitere Mitarbeiter der Telekom sowie sieben Journalisten und "dem Konzernbereich nicht zuzuordnende Dritte". Dabei handelt es sich auch um Bsirske.

Bsirske sagte: "Dass unsere Vertreter in Tarifverhandlungen Managern gegenübersitzen, die möglicherweise Aufträge erteilt haben könnten, deren Telefonverkehr auszuwerten und zu protokollieren, ist einfach unerträglich." Der Verdi-Chef forderte eine schnelle Aufklärung der Affäre. Sollte es Vorstände geben, die in die kriminellen Machenschaften involviert gewesen seien, müsse das natürlich Konsequenzen haben.

Die Telekom hatte Mitte Mai Strafanzeige erstattet, nachdem intern aufgedeckt worden war, dass 2005 und 2006 unter anderem Journalisten und Aufsichtsräte von der Konzernsicherheit bespitzelt worden waren. Die Nachforschungen der Staatsanwaltschaft richteten sich vor allem gegen acht Personen, darunter den ehemaligen Telekom-Vorstandsvorsitzenden Kai-Uwe Ricke und den früheren Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel.

Bei der Durchsuchung zahlreicher Büros hatten die Ermittler Ende Mai nach eigenen Angaben zwei Lastwagenladungen an Unterlagen sichergestellt. Dem "SPIEGEL" zufolge verdichten sich inzwischen die Verdachtsmomente gegen Zumwinkel.

manager-magazin.de mit Material von ap

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