Mittwoch, 19. Juni 2019

Fujitsu-Siemens-Ausstieg Löscher zieht Schlussstrich

Mit dem Rückzug vom Computerhersteller Fujitsu Siemens beendet Peter Löscher das Kapitel Computerfertigung. Schon kurz nach seinem Amtsantritt im Sommer 2007 hatte der Siemens-Chef signalisiert, dass seine Geduld mit der renditeschwachen 50-Prozent-Beteiligung begrenzt ist.

München - Ein Ausstieg galt deshalb bereits als ausgemachte Sache. Dass der letzte verbliebene Computerhersteller in Deutschland damit komplett in die Hand des bisherigen japanischen Joint-Venture-Partners Fujitsu Börsen-Chart zeigen kommt, sehen Experten auch als Chance für das Unternehmen. "Der Markt ist schwach und hart umkämpft", sagt der Siemens-Experte Roland Pitz von UniCredit. Mit einem 100-prozentigen Zugriff könne Fujitsu den Computerbauer im schwierigen Umfeld künftig besser positionieren.

Verunsicherung bleibt:
Siemens-Chef Löscher
Bei den Beschäftigten allerdings bleibt die Verunsicherung. Wegen der anhaltenden Spekulationen um den jetzt verkündeten Ausstieg von Siemens machen sich die Mitarbeiter schon seit Wochen Sorgen um ihre Arbeitsplätze. Neue Nahrung erhielten ihre Befürchtungen am Dienstag: Konzernweit sollen nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" rund 1000 Stellen auf dem Spiel stehen, davon rund 500 in Deutschland.

Auch wenn das Unternehmen bisher beteuert, es seien keine Entscheidungen gefallen, pocht die IG Metall wie schon in den vergangenen Wochen auf ein Konzept für den Computerbauer. Man begrüße zwar, dass Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Serverbereich nach Deutschland verlagert werden sollten, doch müsse dies auch mit einem Business-Plan untermauert werden, fordert Gewerkschaftssekretärin Christiane de Santana aus Augsburg.

Die Aussichten für die Branche hatten sich zuletzt auch angesichts der Finanzkrise und der weltweiten Konjunkturschwäche deutlich eingetrübt. So musste der Server- und Software-Hersteller Sun Microsystems Börsen-Chart zeigen erst vor wenigen Tagen einen Milliardenverlust für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres vermelden und hatte dabei seine Ausrichtung auf Kunden im Finanzsektor zu spüren gekommen, die wegen der Finanzkrise ihre Investitionen aufschoben.

Fujitsu Siemens mit seiner Fertigung an den deutschen Hochlohn-Standorten Augsburg und Sömmerda (Thüringen) leidet auch unter dem scharfen Preisverfall und der Dollarschwäche und schnitt mit Margen um die zwei Prozent in der Vergangenheit deutlich schwächer ab als andere Siemens-Bereiche. Asiatische Konkurrenten - allen voran die taiwanische Acer - konnten sich derweil durch Kampfpreise Marktanteile sichern.

Der zurückgetretene Fujitsu-Siemens-Chef Bernd Bischoff hatte sich vor diesem Hintergrund bereits im Sommer von den Wachstumszielen des Unternehmens verabschiedet. UniCredit-Analyst Pitz sieht deshalb die Trennung von dem Joint Venture für Siemens positiv, da in dem schwierigen Umfeld die Suche nach einem Käufer derzeit nicht leicht sei.

Dennoch dürfte die Konsolidierung in der Branche nach Einschätzung des IT-Experten Thomas Meyer vom Marktforscher IDC weitergehen. Vor gut einem Jahr hatte beispielsweise Acer die beiden Computerbauer Gateway und Packard Bell übernommen. Gerade im schwieriger werdenden Marktumfeld spiele Größe eine wichtige Rolle für die Unternehmen. Das zeige auch das Beispiel von Fujitsu Siemens, sagt Meyer: Branchengrößen wie IBM Börsen-Chart zeigen oder Hewlett-Packard Börsen-Chart zeigen hätten im Vergleich mit dem deutschen Computerhersteller deutlich größere Ressourcen für ihre Aktivitäten zur Verfügung.

Von Christine Schultze, dpa

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