Mind-Mapping Kreativ organisieren

Den Begriff Mind-Mapping prägte der britische Psychologe Tony Buzan in den 70er Jahren. Er beschrieb als Erster die Nutzung von Gedächtniskarten als Arbeitsmittel. Moderne Mind-Maps können mit ihren Schlüsselwörtern und Bildelementen sogar als Redemanuskript dienen. manager-magazin.de nennt die besten Programme.

Braunschweig/Hannover - Notizen sind auf Schmierzetteln nicht immer gut aufgehoben: Mal ist die eigene Schrift nicht mehr lesbar, mal erscheinen die eilig zusammengeschriebenen Informationen wenige Tage später wirr. Für Ergänzungen fehlt irgendwann der Platz, Änderungen sind kaum möglich, und präsentabel ist das Ganze schon gar nicht. Abhilfe kann das sogenannte Mind-Mapping am Computer schaffen.

Spezialsoftware hilft, mit Hilfe von Gedächtniskarten in Baumstruktur Ideen zu entwickeln, an Projekten zu arbeiten oder zu lernen. "Notizen, die ich sonst auf Papier sammeln würde, kann ich beim Mind-Mapping auf dem Computer so lange frei hin- und herschieben, bis ich mit dem Ergebnis zufrieden bin", erklärt Professor Jürgen Tausch von der Technischen Universität Braunschweig.

Der Verhaltensbiologe und Didaktiker entwickelt nicht nur Lehrmaterialien mit der Methode, sondern setzt in allen Bereichen auf Mind-Mapping: "Ich habe keine Notizzettel, die gibt es nicht mehr bei mir." Bei den Gedächtniskarten geht es ums "Querdenken". Die Schreib- und Lesegewohnheit von links oben nach rechts unten ist anerzogen.

Beim Mind-Mapping gibt es solche Vorgaben dagegen nicht. Die in Zweigen aufgezeichneten Schlüsselwörter sollen außerdem mit Farben, Bildern, Formen oder Symbolen versehen werden. Der Sinn dahinter ist, die beiden Hirnhälften mit sprachlich-logischem Denken auf der einen und mit intuitiv-bildhaftem Denken auf der anderen Seite produktiv zu verbinden.

Am Anfang einer Mind-Map steht immer der zentrale Oberbegriff in der Mitte des Dokuments. Von dort aus ragen Haupt- und Unteräste in den Raum. Gedanken oder Informationen müssen in ihrer Wertigkeit und der Astebene, in der sie stehen, übereinstimmen.

Viele Mind-Mapping-Programme ähneln sich in ihren grundlegenden Funktionen. Neue nebengeordnete Äste entstehen meist nach Betätigen der Eingabetaste. Wer direkt ins Blaue hinein schreibt, bewegt sich in der Regel automatisch im Modus Nebenordnung. Beim Drücken der Einfügen-Taste entstehen dagegen meist neue, untergeordnete Äste. Als goldene Regel gilt: nur ein Schlüsselwort je Ast. Das muss reichen, um später Assoziationen oder eine Gedankenkette anzustoßen. "Man muss entscheiden: Was ist wichtig, was ist weniger wichtig", rät Tausch.

Programme zwischen null und 350 Euro

Auf dem Markt zu haben ist gut ein Dutzend Mind-Mapping-Programme - zu Preisen zwischen null und 350 Euro. Bei einem Test der in Hannover erscheinenden Zeitschrift "C't" schneiden "MindGenius 2 Business" von Gael (200 Euro), der "MindManager Pro 7" von Mindjet (300 Euro, Mac-Version 150 Euro) und "OpenMind 2 Business" von Matchware (350 Euro) am besten ab. Sie beherrschen den oft wichtigen Export als HTML-Webseiten gut, verstehen sich auch mit Office-Dokumenten und "bestechen durch elegante, nüchterne und bürotaugliche Grafik". Für Schüler, Studenten und Lehrer gibt es die Programme häufig wesentlich billiger.

"Vor der Ausgabe eines dreistelligen Betrags sollte man prüfen, ob es "FreeMind" eventuell nicht auch tut", rät jedoch die "c't". Das kostenlose Open-Source-Programm ist in der Sprache Java geschrieben und kann daher mit Windows, Mac und Linux genutzt werden. Weil Zweige und Systemschrift sich standardmäßig nur in Grau präsentieren, lohnt es sich, die Farbpalette aufzurufen und die Einstellungen zu ändern.

Mit dem Einbinden von Links hat "FreeMind" keine Probleme. Doch die Tester warnen vor dem Import zu großer Fotos: Sie lassen sich in der Mind-Map nicht mehr in ihrer Größe ändern. Zwar ist ein Export von Maps in Office-Dokumente nicht vorgesehen. Teile lassen sich aber händisch markieren, kopieren und ins Zieldokument einfügen. "Gemessen an den Preisvorstellungen einiger Hersteller stellt 'FreeMind' trotz grafischer Schwächen eine gute Alternative nicht nur für den Hausgebrauch dar", lautet das abschließende Urteil.

Dass sie bei der Software zum Nulltarif auf geglättete Kanten und Projektmodule mit Kalenderfunktion und Ressourcenplanung verzichten müssen, werden die meisten Nutzer verschmerzen können. "Wenn jemand es mit "FreeMind" ausprobiert, und es klappt, soll er dabei bleiben, rät Tausch.

Wer Mind-Maps fürs Brainstorming und zum Darstellen von Projekten einsetzt, kann nichts falsch machen. Aber gerade beim Lernen ist die Mind-Map eher für den "visuellen Typ" geeignet, sagt Tausch. Zwar gebe es viele Indizien, dass sich mit Mind-Maps besser lernen lasse. "Das ist aber alles nicht bewiesen."

Von Dirk Averesch, dpa

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