Deutsche Telekom Eigene Angestellte bespitzelt

Angestellte der Telekom-Handy-Tochter T-Mobile haben offenbar widerrechtlich Telefonverbindungsdaten erhoben und ausgewertet. Damit wollten sie anscheinend versuchen, den vorherigen Diebstahl von 17 Millionen Handy-Kundendaten aufzuklären. Erstmals wird der Telekom jetzt vorgeworfen, auch eigene Mitarbeiter bespitzelt zu haben.

Hamburg - Bei der Suche nach dem Dieb der 17 Millionen Handy- Nummern soll die Deutsche Telekom nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "DER SPIEGEL" eigene Mitarbeiter bespitzelt haben. Wie aus dem Entwurf eines internen Untersuchungsberichts hervorgehe, sollen Angestellte der Handy-Tochter T-Mobile widerrechtlich Telefonverbindungsdaten erhoben und ausgewertet haben, um den Daten-Diebstahl intern aufzuklären, berichtet das Magazin.

Ein Telekom-Sprecher sagte, die von Telekom-Chef René Obermann angekündigte Untersuchung sei noch nicht abgeschlossen und rechtlich relevante Fragen seien noch nicht geklärt. Es sei bedauerlich, dass vorläufige Informationen aus dem Unternehmen weitergegeben wurden und nun zu Spekulationen genutzt würden. Der neue Telekom-Vorstand Manfred Balz werde wie angekündigt am kommenden Mittwoch zur Datensicherheit Stellung nehmen.

Wie der "Spiegel" berichtet, haben T-Mobile-Mitarbeiter, um mögliche Täter zu überführen, Verbindungsprotokolle von internen Verdächtigen ausgewertet. Entsprechende Daten konnten nun auf der Festplatte eines Angestellten gefunden werden. Der Beschuldigte soll angeblich ohne Rücksprache mit Vorgesetzten gehandelt haben. In den nächsten Tagen will die Telekom personelle Konsequenzen aus der Skandalserie ziehen. Selbst Spitzenmanager sollen zur Disposition stehen.

Nach Angaben der "Wirtschaftswoche" war der neue Telekom-Vorstand für Datensicherheit, Manfred Balz, schon vor elf Jahren "in illegale Abhöraktionen der Telekom verwickelt". Balz habe sich an der juristischen Aufarbeitung von Verstößen gegen das Fernmeldegeheimnis beteiligt und habe ein Gutachten bei einer Münchner Anwaltskanzlei in Auftrag gegeben, das die Verstöße rechtfertigen sollte. Allerdings habe der Gutachter nicht mitgespielt. "Hier versuchen interessierte Dritte, über die "Wirtschaftswoche" den Sachverhalt zu verdrehen.

Balz hat 1997 als neuer Chefjurist dafür gesorgt, dass kritische Vorgänge aus 1996 auf Managementebene überhaupt Gehör fanden", hieß es auf Anfrage dazu von der Telekom. Telekom-Festnetz-Chef Timotheus Höttgens berichtete dem Magazin "Focus", nach Bekanntwerden des Datenskandals hätten 640 Kunden eine neue Rufnummer beantragt. 6000 Kunden hätten angerufen und etwa 1000 besorgte E-Mails geschrieben.

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa