Sparprogramm Qimonda streicht Tausende Stellen

Die verlustreiche Infineon-Tochter Qimonda will rund 3000 Arbeitsplätze streichen. Von den Plänen sind vor allem München, Dresden und ein Standort in den USA betroffen. Zudem räumte Finanzvorstand Michael Majerus seinen Posten.

München - Auf der Suche nach einem Käufer streicht die Infineon-Tochter Qimonda  weitere 3000 Stellen. Nach dem Verkauf der Beteiligung an dem taiwanischen Chip-Auftragsfertiger Inotera an den US-Konkurrenten Micron  legt Qimonda nach Angaben vom Montag ein weiteres Sparprogramm auf. Der gebeutelte Speicherchiphersteller steigt aus dem Massengeschäft für DRAM-Speicher in PCs aus und konzentriert sich künftig nur noch auf Halbleiter für die Unterhaltungselektronik. Damit stellt Qimonda etwa die Hälfte seiner Produktion ein.

Im Zuge des neuerlichen Umbaus streicht das Unternehmen ein Viertel seiner Arbeitsplätze. Rund 3000 Mitarbeiter seien von der Neuausrichtung betroffen, teilte Qimonda mit. Die Stellen fallen vor allem durch die Schließung der älteren Chipfertigung am US-Standort Richmond und das Aus für die Endverarbeitung in Dresden Anfang nächsten Jahres weg. Zudem reduziere Qimonda Arbeitsplätze in der Verwaltung sowie in der Entwicklung. Das Programm koste 50 Millionen Euro im laufenden Quartal. Weitere Belastungen könnten folgen.

Die Umstrukturierung der verlustreichen Qimonda solle bis zum dritten Geschäftsquartal 2009 zu Einsparungen von etwa 450 Millionen Euro jährlich führen. So lange will Finanzvorstand Michael Majerus nicht mehr bleiben. Der Manager räumte bereits am Montag seinen Posten. Seine Aufgaben übernimmt vorerst sein für das Tagesgeschäft (COO) zuständige Kollege Thomas Seifert.

Allerdings bezweifelt die Qimonda-Führung, ob die Maßnahmen ausreichen, um einen Käufer zu ködern. "Qimonda sucht weiterhin nach finanziellen oder strategischen Partnerschaften, die Qimonda beim Abschluss der Prozesse unterstützen können, die das Unternehmen mit der Transaktion und dem Restrukturierungsprogramm (...) begonnen hat. Qimonda kann bei diesen Bemühungen erfolgreich sein oder auch nicht", hieß es.

Micron übernimmt den Qimonda-Anteil von 36,5 Prozent an dem Auftragsfertiger Inotera, den die Infineon-Tochter bislang mit Nanya betrieben hat, für 400 Millionen Dollar (knapp 300 Millionen Euro). Die Transaktion werde zu einem Buchverlust von etwa 300 Millionen Euro bei Qimonda führen, hieß es.

Micron will Qimonda offenbar nicht

Die Entscheidung von Micron, bei Inotera einzusteigen, werten Branchenkenner als Zeichen dafür, dass der US-Hersteller kein Interesse an einer Qimonda-Übernahme haben dürfte: Qimonda und Nanya hatten ihre Kooperation bei Inotera vor allem wegen einer technologischen Weichenstellung aufgelöst. Während die Asiaten weiter auf die konventionelle Chiparchitektur (Trench) setzen, schwenkte Qimonda auf ein neueres Design (Buried Wordline) um.

Auch die Qimonda-Mutter Infineon, die händeringend nach einem Käufer für die ungeliebte Tochter sucht, bezweifelt, dass sie ihre Beteiligung von 77,5 Prozent los wird. "Die Gespräche in dieser Sache dauern zurzeit noch an. Unter anderem aufgrund der aktuellen Lage an den Finanzmärkten im Allgemeinen und der Preissituation im DRAM-Markt im Besonderen ist der Ausgang dieser Gespräche jedoch ungewiss", teilte Infineon mit.

Die Aktien von Infineon  verbuchten am Montag kräftige Gewinne. Die Titel kletterten am Vormittag um 15,08 Prozent auf 3,16 Euro und sicherten sich damit einen der vorderen Plätze im Dax .

Die in Frankfurt gelisteten Qimonda-Titel  legten 15,4 Prozent auf 0,75 Euro zu.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.