Montag, 24. Februar 2020

Cloud Computing Damit Sie nicht aus allen Wolken fallen

Cloud Computing ist in der IT-Branche derzeit das Schlagwort schlechthin. Doch was versteckt sich hinter der Software aus der Wolke? Und sollten Unternehmen auf den Trend reagieren?

Köln - Das, was viele Beobachter für eine Revolution der Informationstechnologie halten, vergleicht der amerikanische Autor Nicholas Carr gerne mit dem Übergang zu einer zentralisierten, flächendeckenden Stromversorgung um die Wende zum 20. Jahrhundert. Während es seit Beginn der industriellen Revolution üblich geworden war, Strom dort zu erzeugen, wo der Bedarf entstand, begannen sich nun, im Gefolge der Innovationen von Erfindern wie Thomas Edison, ausgedehnte Netze über das ganze Land zu erstrecken, die von wenigen Großkraftwerken gespeist wurden.

Den Absprung wagen?: Unternehmen reagieren noch zögerlich auf den Trend, das Internet als Datenplattform zu nutzen
"Ein Jahrhundert später wiederholt sich die Geschichte", schreibt Carr in seinem Buch "The Big Switch". Informationstechnologie hat heute einen ähnlichen Stellenwert wie Elektrizität am Ende des 19. Jahrhunderts: Sie gehört zum Kernbestand dessen, was Unternehmen ihr Kapital nennen und wird in vielen Fällen sogar als eigene Unternehmensfunktion angesehen. Nun schickt IT sich an, zu einer Leistung zu werden, die über eine gemeinsame Infrastruktur zur Verfügung gestellt und in vielen Fällen sogar ähnlich wie Strom abgerechnet wird – nur eben nicht in Kilowattstunden, sondern in Gigabyte.

Es hat in der Vergangenheit immer wieder Versuche gegeben, solche Infrastrukturen aufzubauen – so war es schon in den 60er Jahren möglich, Rechenleistung von zentralen Großrechnern über den eigenen Telefonanschluss zu beziehen. Zum großen Geschäft wurden diese frühen Experimente allerdings nie. Als Nadelöhr erwies sich immer wieder die Bandbreite der Datenübertragung, sodass genau das Gegenteil Realität wurde, nämlich die radikale Dezentralisierung der IT. Frei nach Bill Gates heißt das, dass auf jedem Schreibtisch ein Rechner steht, auf dem Windows und Microsoft Office installiert sind. Gates' Vision wurde als Bestandteil des Client-Server-Modells verwirklicht, in dem Desktop-PCs zu großen Unternehmensnetzwerken verdrahtet wurden.

Gut möglich, dass eben dieses Modell, das Microsoft groß gemacht hat, schon in zehn Jahren im Rückblick als vorsintflutlich erscheinen wird. Ist es eine sinnvolle Ressourcennutzung, wenn Datenzentren in den Unternehmen nur zu 10 Prozent ausgelastet sind, da sie auf Spitzenlasten ausgelegt sein müssen, welche naturgemäß nur selten erreicht werden? Ist es nicht verschwenderisch, dass laut einer Studie des Marktbeobachters IDC von 2005 nur 16 Prozent der Software, die Unternehmen kaufen, auch tatsächlich genutzt werden? Und ist es effizient, Millionen von Instanzen einer einzigen Applikation auf eben so vielen Millionen von Maschinen zu installieren?

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