Montag, 24. Februar 2020

Cloud Computing Damit Sie nicht aus allen Wolken fallen

5. Teil: Der World Wide Computer

3. Die Wolke hat Fühler

Der Nutzer nähert sich den Angeboten in der Cloud in Zukunft nicht mehr nur in Form von Suchanfragen, sondern indem er ihr komplexe Aufgaben stellt: Die immense Rechenpower, auf die jeder Einzelne zugreifen kann, will ja eingesetzt werden. Um diese Aufgaben lösen zu können, braucht die Cloud noch mehr Informationen als bisher — sie wird zu einer Art Daten sammelnden Krake. Während sich der PC aus aktiven Eingaben des Nutzers speist, verarbeitet der Computer in der Wolke zum Beispiel auch Verhaltensäußerungen und die Position von Gegenständen und Personen im Raum.

Wolke mit Fühlern: Die Cloud wird auch das Umfallen eines Sacks Reis in China registrieren
Die Cloud wird zukünftig ihre Fühler dank eines überall verbreiteten Sensornetzes in alle Richtungen ausstrecken können und im Extremfall auch das sprichwörtliche Umfallen eines Reissacks in China registrieren. Interessant ist dabei natürlich nicht das einzelne Ereignis, sondern das Erkennen von Mustern in großen Datenbeständen - Reality Mining nennen das die Forscher am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT).

Das streichholzschachtelgroße Gerät Fitbit, in Kürze auf dem Markt erhältlich, erstellt beispielsweise Bewegungsprofile seines Nutzers, die sich online auswerten und vergleichen lassen. Ein anderer bereits verfügbarer Dienst, Citysense, wertet die GPS-Signale von Handys aus, um ein Echtzeit-Bild der Ausgehaktivitäten der Bürger von Chicago auf den eigenen Blackberry und bald auch das iPhone zu zeichnen.

4. Cloud Computing ist Social Computing

Da der World Wide Computer von allen Nutzern geteilt wird, ist der Raum der Anwendungen, den Cloud Computing aufspannt, per Definition ein sozialer Raum. Dem PC ist dagegen schon durch seinen Namen die Nutzung durch einen Einzelnen eingeschrieben. Damit ist eine notorische Schwachstelle des bisherigen IT-Einsatzes im Büro angesprochen: die Kollaboration. Die gemeinsame Arbeit an Dokumenten gerät schnell zur E-Mail-Schlacht.

Gegen den Willen der Beteiligten neigt die Versionsgeschichte von gemeinsam erstellten Texten und Präsentationen zudem zum unerwarteten Verzweigen, weil zwei Nutzer der Meinung sind, sie bearbeiteten nun das Master-Dokument. Im Cloud Computing dagegen ist Gruppenarbeit der Normalfall. Weiterhin wird es möglich sein, sich in einen privaten Raum zurückzuziehen; dieser lässt sich jedoch jederzeit mit einem Klick für andere Teilnehmer öffnen.

Fazit: Der World Wide Computer

Welche Vision entsteht, wenn diese Eigenschaften - Omnipräsenz, Modularität, überall verbreitete Sensorik und Social Computing - zusammenkommen? Das Internet, wie wir es kennen, ist ein Netz der Informationen. Cloud Computing ist das Versprechen, dieses Netz in ein Netz der Funktionen zu verwandeln: einen riesigen, weltumspannenden Megacomputer, der alle an ihn gestellten Aufgaben mit enormer Rechenleistung und verteilter Intelligenz bewältigt, von jedem Nutzer individuell konfigurierbar ist, unermüdlich Weltwissen sammelt und auf den über beliebige Schnittstellen zugegriffen werden kann.

Der Idee nach ist die Cloud also eine omnipräsente, modular aufgebaute, mit ubiquitärer Sensorik ausgestattete, soziale Problemlösungsmaschine für beliebige berechenbare Probleme: ein World Wide Computer – damit stellt sie die ursprüngliche Vision des World Wide Web als gigantisches Wissensnetz weit in den Schatten.

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