Frankfurt Buchmesse goes digital

Der digitale Umbruch in der Buchbranche ist eines der großen Themen auf der Frankfurter Buchmesse, die am Mittwoch beginnt. Die Veranstalter rechnen mit einem Besucherrekord. Grund dafür sei vor allem das Gastland, heißt es. Der Gewinner des diesjährigen Deutschen Buchpreises steht seit heute Abend fest.

Frankfurt am Main - Die am Mittwoch beginnende 60. Frankfurter Buchmesse rechnet in diesem Jahr mit einem neuen Besucherrekord. Der Grund liege im "riesigen Interesse" für das Thema "Ehrengast Türkei", sagte eine Messesprecherin am Montag. Neben der " unglaublichen Menge" von 400 übersetzten Titeln vom Türkischen ins Deutsche im Vorfeld der Buchmesse spiele bei der positiven Prognose auch die große Zahl der türkischstämmigen Bevölkerung mit geschätzten 2,5 Millionen Menschen eine Rolle.

Auf dem weltgrößten Branchentreff werden von Mittwoch bis Sonntag über 7000 Aussteller aus mehr als 100 Ländern erwartet. Auf über 2500 Veranstaltungen sind etwa 1000 Schriftsteller vertreten. Zur Eröffnung sprechen Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und der türkische Staatspräsident Abdullah Gül.

Das besondere Interesse gilt in diesem Jahr dem E-Book. Amazon  und Sony  werden auf der Buchmesse voraussichtlich neue elektronische Lesegeräte vorstellen, die im Ausland zum Teil schon erhältlich sind. Branchenexperten gehen davon aus, dass das E-Book auf dem deutschen Markt bis 2015 einen Anteil von 10 bis 15 Prozent erzielen könnte.

Im Jahr 2018 könnten digitale Inhalte traditionelle Bücher überholen, wie aus einer am Montag von der Buchmesse veröffentlichten Umfrage hervorgeht. Die von der Buchmesse befragten rund 1000 Experten aus 30 Ländern bezeichneten den Onlinebuchhandel als wichtigste Entwicklung der vergangenen 60 Jahre in der Branche. Die Messe wird von einer Tochter des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels organisiert.

Die wirtschaftliche Lage wird in der Branche angesichts der Finanzkrise und des konjunkturellen Abschwungs zurückhaltend beurteilt. In einer Onlineumfrage von Buchmesse und Branchenblatt "Buchreport" gab es unter den Verlagen vor der weltgrößten Bücherschau fast dreimal mehr skeptische als optimistische Stimmen. Allerdings glaubt die Mehrheit an ein gleichbleibendes Geschäft.

Während die Belletristik als stabil gilt, könnte laut Umfrage das Segment der Ratgeberliteratur wegen wachsender Alternativangebote im Internet unter Druck geraten.

Uwe Tellkamps DDR-Epos "Der Turm" wurde indes als "Roman des Jahres" ausgezeichnet. Dem 39 Jahre alte Autor wurde am Montagabend in Frankfurt der Deutsche Buchpreis 2008 für die beste deutschsprachige Neuerscheinung des vergangenen Jahres zuerkannt. In seinem fast 1000 Seiten langen Epos entwirft Tellkamp ein monumentales Panorama der untergehenden DDR. Der gebürtige Dresdner schildert am Beispiel des Bildungsbürgertums seiner Heimatstadt die letzten sieben Jahre der zerfallenden Republik.

"Den Lesern erschließen sich wie nie zuvor Aromen, Redeweisen und Mentalitäten der späten DDR", begründete die Jury ihre Auszeichnung. Tellkamp galt als heißer Favorit.

manager-magazin.de mit Material von dpa und ddp

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