T-Mobile Telekom bunkerte Telefondaten der Aufsichtsräte

Die Datenskandale bei der Deutschen Telekom ziehen weitere Kreise: Die Mobilfunksparte T-Mobile sammelte über Jahre hinweg detaillierte Telefonrechnungen ihrer Aufsichtsräte. Ein Betroffener will nun juristisch gegen den Konzern vorgehen.

Bonn - Er sei darüber informiert worden, dass im Aufsichtsratsbüro entsprechende Rechnungen gefunden worden seien, sagte T-Mobile-Aufsichtsrat Ado Wilhelm am Montag und bestätigte damit einen "Handelsblatt"-Bericht. Betroffen sei bei ihm ein Festnetzanschluss, der vor allem dienstlich genutzt worden sei.

Wilhelm, der für die Arbeitnehmerseite im T-Mobile-Aufsichtsrat sitzt, kritisierte die Informationspolitik der Konzernführung: "Grundsätzlich wird nur das zugegeben, was kurz darauf öffentlich wird." Er habe nun seine Anwälte beauftragt, sich der Sache anzunehmen. Wilhelm lässt sich dabei von Ex-Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) und dem früheren Innenminister Gerhart Baum (FDP) vertreten.

Das "Handelsblatt" hatte zuvor berichtet, dass die Telekom-Tochter T-Mobile International jahrelang die Einzelverbindungsnachweise von den Privatanschlüssen ihrer Aufsichtsräte aufbewahrt habe. Mitarbeiter, die an den Telefondaten der Aufsichtsratsmitglieder interessiert waren, mussten demnach nur in den Verbindungsnachweisen nachsehen, die das Sekretariat des Aufsichtsratsbüros in Ordnern abgeheftet hatte.

Die Deutsche Telekom  räumte ein, die Listen aufgehoben zu haben. "Eine Auswertung der Daten oder ein Missbrauch ist nach Aussagen der Beteiligten nicht vorgekommen", erklärte ein Sprecher der Zeitung. "Mittlerweile ist die Vorgehensweise geändert. Einzelverbindungsnachweise werden nicht mehr erstellt." Sie seien eingesammelt und versiegelt worden.

Die Telekom zahlt ihren Aufsichtsräten als frei willige Leistung einen privaten Festnetz- und DSL-Anschluss sowie einen Handyvertrag. Einige Aufsichtsräte hatten bereits vor ihrem Engagement bei der Telekom für ihre privaten Anschlüsse Einzelverbindungsnachweise bestellt. Als sie in das Kontrollgremium der Mobilfunktochter eintraten, hat der Bonner Konzern ihre Rechnungen übernommen und fortan auch die Verbindungsnachweise erhalten und aufbewahrt. Ans Licht kam dieses Vorgehen im Mai dieses Jahres, als der Konzern im Zuge der Spitzelaffäre sein Datenschutzkonzept überprüft hat.

Der neue Vorfall wirft weitere Fragen über den Umgang mit dem Datenschutz im Konzern auf. Erst am Wochenende hatte die Telekom einräumen müssen, dass bereits vor zwei Jahren Daten von 17 Millionen Handykunden gestohlen worden waren, ohne dass diese darüber informiert wurden. Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft Bonn wegen der Bespitzelung von Journalisten und Aufsichtsräten.

manager-magazin.de mit Material von dpa und dpa-afx

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