Browsermarkt Google Chrome enttäuscht

Google hat mit seinem Browser Chrome die Branche aufgeschreckt. Einen Monat nach dem Start verlieren die Konkurrenten Explorer und Firefox zwar Marktanteile - doch die wandern nicht nur zu Google.

Hamburg - Es gibt Trends im Browsermarkt, die äußerst stetig sind: Microsofts Internet Explorer (MSIE) verliert seit Jahren kontinuierlich Marktanteile, seit Mozillas Firefox veröffentlicht wurde. Zusammen sind beide für rund 90 Prozent des Marktes gut, wobei sich die Gewichtung zwischen beiden langsam zugunsten von Firefox verschiebt.

Hochgehalten wird der Marktanteil des MSIE vor allem durch das Heer der Firmenrechner, auf denen Konkurrenzprodukte meist nicht zu finden sind: Nach Feierabend und an Wochenenden wächst der Firefox-Anteil rapide. In Deutschland ist Firefox zu solchen Zeiten mittlerweile mehrheitsfähig.

Aber auch der Marktanteil von Apples Safari-Browser ist - analog zum steigenden Gewicht von Apple  auf dem PC-Markt - in den vergangenen Jahren kontinuierlich im Aufwind.

An dieser Grundkonstellation hat auch die Veröffentlichung von Googles Browser Chrome am 2. September nichts geändert. Der eroberte binnen weniger Stunden einen Marktanteil von bis zu knapp über einem Prozent - die Neugier auf das Produkt des mächtigsten Webunternehmens war groß. Am Monatsende jedoch zeigte sich, dass Chrome längst nicht alle Nutzer halten konnte. Mit einem Marktanteil von 0,78 Prozent steigt Chrome auf Platz vier der Browsercharts ein (alle Prozentangaben: Net Applications , der derzeit führende Analyst in diesem Markt).

Der Vergleich mit den Zahlen des Vormonats zeigt, dass die meisten dieser neuen Chrome-Nutzer von MSIE oder Firefox gewechselt haben müssen. Beide großen Browser gaben Marktanteile ab - allerdings mehr, als Chrome einsammeln konnte.

Browser-Charts September 2008

Platz Browser Marktanteil Veränderung zum Vormonat Marktanteil Vergleichsmonat 2007
1 Internet Explorer 71,52% -0,63% 78,27%
2 Firefox 19,46% -0,22% 14,99%
3 Safari 6,65% +0,28% 5,11%
4 Chrome 0,78% +0,78% 0%
5 Opera 0,69% +0,07% 0,51%
6 Netscape 0,63% -0,11% 0,74%
7 Andere 0,24% 0% 0,27%
Weltweite prozentuale Marktanteile laut Net Applications

Es gibt also Indizien dafür, dass die Veröffentlichung von Chrome für eine generell höhere Aufmerksamkeit für das Thema alternative Browser sorgte. Und davon profitierten sowohl Safari, dessen Zuwachs sich mit einem Plus von 0,28 Prozent im Vergleich zu den Vormonaten merklich beschleunigte, als auch der seit Jahren höchst innovative, aber anhaltend wenig erfolgreiche Opera-Browser, der um 0,07 Prozent leicht zulegen konnte.

Der Nostalgiker-Browser Netscape, einst Lieblingsbrowser der Early Adopter des Webs, verliert mal wieder ein wenig, doch im Rahmen seiner normalen Schwankungen, die sich seit Jahren nur ganz langsam Richtung Relevanzverlust bewegen.

Befürchtungen der Mozilla-Community, die Veröffentlichung von Chrome würde vor allem zu Lasten des Firefox gehen, bestätigten sich nicht. MSIE verliert mehr als der große Konkurrent. Als überraschend treu an der Grenze der Hartnäckigkeit erweisen sich einmal mehr auch die Nutzer der vielen anderen Browser mit Marktanteilen im Promillebereich und darunter.

Dazu zählen Exoten wie der Playstation-Browser (immerhin 0,03 Prozent) oder Access Netfront, ein Browser für Pocket PCs. Bekannte Marken wie Blackberry bewegen sich dabei in Regionen unterhalb von 0,00 Prozent: Bei den Mobilbrowsern hat Opera - anders als im PC-Markt - weiterhin die Nase weit vorn.

SPIEGEL ONLINE

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