Sony BMG Bertelsmann besiegelt Ausstieg

Der Medienkonzern Bertelsmann hat sich endgültig von seinem 50-Prozent-Anteil an der Plattenfirma Sony BMG getrennt. Der Verkauf sei zum 1. Oktober kartellrechtlich vollzogen. Bertelsmann will sein Musikgeschäft nun auf das Management von Musikrechten ausrichten.

Gütersloh - Der Verkauf an den japanischen Partner sei nach Erhalt aller kartellrechtlichen Genehmigungen zum 1. Oktober vollzogen worden, teilte Bertelsmann am Donnerstag mit. Unternehmenskreise hatten die Anfang August angekündigte Transaktion auf rund 1,5 Milliarden Dollar (eine Milliarde Euro) beziffert. Der zweitgrößte Musikkonzern der Welt firmiert künftig als Sony Music Entertainment Inc. (SMEI).

Nach dem Rückzug aus dem 2004 gegründeten Gemeinschaftsunternehmen will Bertelsmann sein Musikgeschäft auf das Management von Musikrechten ausrichten. Unter der Marke BMG sollen nun vor allem Autoren und Künstler in Europa in Aufbau, Verwaltung und Vermarktung ihrer Rechte vertreten werden.

Damit will Bertelsmann nach eigener Auskunft dem Trend Rechnung tragen, dass sich Künstler mehr und mehr aus Verträgen mit klassischen Plattenfirmen verabschieden und stattdessen sich etwa an Vermarkter oder Event-Agenturen binden. Die US-Popsängerin Madonna ist das prominenteste Beispiel für diesen Weg.

Grundstock für diese Neuausrichtung sollen ausgesuchte europäische Musikkataloge sein, die BMG Rights Management aus dem früheren Joint Venture mit Sony übernimmt. Sie umfassen die Werke von mehr als 200 Künstlern.

Das Sony-Joint-Venture mit BMG erzielte 2007 mit rund 6000 Mitarbeitern weltweit einen Umsatz von rund drei Milliarden Euro, litt aber zuletzt wie die Konkurrenz stark unter den Einbrüchen im Geschäft mit CDs.

Zuletzt hatten die Konjunktureintrübung und ein schwacher Dollar den ehrgeizigen Wachstumsplänen von Europas größtem Medienkonzern einen Dämpfer verpasst. Im ersten Halbjahr sanken die Umsätze um 1,2 Prozent auf 7,6 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sowie Sondereinflüssen verringerte sich sogar um fast 8 Prozent auf 681 Millionen Euro.

Die Musikindustrie mit der Produktion und dem Verkauf von Compact Discs ist seit Jahren unter Druck, weil Musik oft kostenlos und illegal im Internet heruntergeladen werden kann. Die gesamte Branche sucht nach Auswegen aus der Krise. Sony will etwa die stärkere Koppelung von Musik und Mobiltelefonen als neuen Vertriebsweg ins Auge fassen.

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.