Balda Vom Hoffnungsträger zum Anteilsverkauf

Strategieschwenk bei Balda: Der finanziell angeschlagene Handyausrüster hat einen Teil seines Geschäfts mit Tastbildschirmen verkauft. Dadurch will das Unternehmen einen Liquiditätsengpass abwenden.

Bad Oeynhausen - Noch vor wenigen Wochen galt das Geschäft mit berührungsempfindlichen Bildschirmen als Silberstreif am Horizont des angeschlagenen Handyzulieferers Balda . Zehn gesicherte Aufträge im neuen Kerngeschäft mit Touchscreens lägen vor, sagte Balda-Chef Joachim Gut noch Ende Juli.

Doch schlagartig ist alles anders: Balda verkauft 12 Prozent seiner Anteile an dem chinesischen Touchscreenhersteller TPK an Mitgesellschafter Michael Chiang und verschafft sich damit neues Geld. Künftig will sich das Unternehmen wieder auf Kunststoffkomponenten und Elektronik für Mobiltelefone konzentrieren.

"Das ist durchaus eine Veränderung unserer Konzernstrategie", gab Gut am Dienstag zu. Denn nach dem Verkauf der defizitären deutschen Handyschalensparte an die Hamburger Hanse Industrie Kapital von Mitte Mai hatte das angestammte Kerngeschäft massiv an Bedeutung verloren. Und ein "beträchtlicher Teil der Zukunftsperspektiven" von Balda verband sich mit den Touchscreens der chinesischen Tochter, die dem Vernehmen nach die Bildschirme für das iPhone von Apple  liefert. Doch Gut betonte, das Kunststoffgeschäft in Asien entwickele sich bislang über Plan.

Wegen unerwarteter Schwächen bei TPK und außerordentlicher Belastungen seien Verluste 2008 jedoch "nicht auszuschließen". Das operative Ergebnis werde positiv ausfallen.

Anfang August hatte das Unternehmen die Prognose eines Vorsteuergewinns von 24 Millionen Euro und eines Umsatzes von 414 Millionen Euro im Gesamtjahr bekräftigt, aber vor "Unwägbarkeiten" gewarnt.

Zwar seien Touchscreens gefragt, Marktvolumen und Marktpotenzial nähmen zu, sagte Gut. Aber der Wettbewerb sei deutlich härter geworden, der Preisdruck habe sich erhöht. Denn "globale Unternehmen" seien in den Markt eingestiegen und hätten den technischen Vorsprung von TPK rasch verringert. Die chinesische Tochter müsse die Produktionskapazität ausbauen, Balda sei aber nicht in der Lage, "weiter aus eigener Kraft bei TPK zu investieren".

Mit dem Verkauf sinkt der Balda-Anteil an dem Touchscreenhersteller auf 38 Prozent, im Zuge einer Kapitalerhöhung von TPK auf 33,5 Prozent. "Balda hat sich nicht völlig von TPK verabschiedet", betonte Gut. Das Unternehmen werde weiter von seiner Beteiligung profitieren. Zum Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden.

Balda erhalte aber von Chiang 5 Prozent der Gesellschaftsanteile an der Zwischenholding Balda Investment Singapore (BIS) zurück und werde damit wieder alleiniger Gesellschafter. TPK ist ein Gemeinschaftsunternehmen der BIS und der taiwanesischen Familie Chiang.

Nach dem Verkauf benötigt Balda den Angaben zufolge zunächst keine frischen Mittel von den Banken. Bis Ende 2009 sei die Finanzierung gesichert. Eine endgültige Vereinbarung mit den Banken über eine Umfinanzierung werde bis November erwartet. Bis dahin hätten die Banken ein Stillhalteabkommen verlängert. Zuvor hatte Balda angekündigt, die Gespräche mit den Banken über die künftige Finanzierung im September abzuschließen. Ursprünglich war eine Einigung bis Ende August geplant.

Früheren Angaben zufolge soll der geplante Verkauf einer Immobilie am Stammsitz Bad Oeynhausen und der Medizintechnik-Tochter Balda Medical noch in diesem Jahr, spätestens aber Anfang 2009 helfen, die Schulden zu senken. Es gebe mehrere Interessenten, sagte Gut.

Thomas Strünkelnberg, dpa

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