Auszeit Nutella im Nahverkehr

Zeit, das Internet zu entdecken: Wie man sein Leben mit Fernsehserien vergeudet. Welche Namen man Kindern besser nicht gibt. Und weshalb Rotkäppchen Muskelpakete einem Rettungspaket vorzieht - die unterhaltsamsten Seiten im Netz.

100 Gramm Nutella enthalten knapp 30 Gramm Fett und 54 Gramm Kohlehydrate, sie liefern mehr als doppelt so viele Kalorien wie ein Big Mäc. Trotzdem macht der süße Schmier mobil. Wie das?

Klar, so was gibt's nur in der Werbung. Zum Beispiel in der von der Bahn. Denn während bisher im Deckel der Nutella-Gläser Kinderfiguren und Abziehbilder als Dreingabe steckten, findet sich dort in diesem Sommer das Nutella Ticket 25 der Deutschen Bahn. Da sage Mehdorn noch mal, sein Job sei kein Zuckerschlecken.

Das Ticket funktioniert ähnlich einer BahnCard 25: Mit dem Coupon kann man sich ein normales Bahnticket mit 25 Prozent Rabatt kaufen. Allerdings nur kurze Zeit, nämlich bis zum 5. Oktober. Man darf also nicht zu viel Nutella futtern, wenn man das noch schaffen will.

Fett geworden ist der Katalog der Auflagen und Einschränkungen. So kann man keine anderen Rabatte mit Nutella kombinieren. Also bitte lassen Sie Ihre alten McDonald's-Bahntickets zu Hause, die sind sowieso abgelaufen. Schmeckt auch nicht zusammen.

Die Strecke muss zudem innerdeutsch sein. Mitgebrachte Kinder fahren zwar kostenlos, aber nur wenn sie unter 15 sind und vorher im Ticket namentlich eingetragen wurden. Und schließlich kann man den Coupon nur am Schalter einlösen. Gottseidank wurde die Schaltergebühr wieder gestrichen, die sollte fast so viel kosten wie ein Nutella-Glas.

Auch schön: Der Nutella-Hersteller Ferrero hat bei dem Deal keine Proviantkontrolle durchgesetzt, eine Durchleuchtung der Fahrgäste auf der Suche nach konzernfremden Zuckerbomben. Theoretisch wäre die möglich gewesen, denn das Motto der Aktion lautet: "Mit Nutella und der Deutschen Bahn günstig durch Deutschland reisen." Das klingt so, als würde Nutella zum Reiseveranstalter umgebaut.

Wer weiß, vielleicht ist die Aktion nur ein Vorgeschmack auf eine neue Unternehmensstrategie: Kreuzfahrten mit Küsschen, Radurlaub mit Rocher.

Die Bahn bringt ihre Papiere ja schon länger auf den wunderlichsten Wegen unters Volk: Bei Lidl und Aldi an der Kasse, im besagten Big-Mäc-Menü und nun im Brotaufstrich. Was kommt als nächstes? Die Deutsche Börse?

Das könnte sogar funktionieren: Zur Supersparpreis-ICE-Fahrkarte gibt's eine Aktie oben drauf. Aber die bekommt man ja aller Voraussicht nach ohnehin zum Supersparpreis. Die Zeichnungsfrist für die Bahn-Anteile beginnt übrigens am 13. Oktober, wohl um einen Interessenkonflikt mit dem Nutella-Angebot auszuschließen. Dabei hätte man mit dem Brotaufstrich den Wert der Aktie leicht erhöhen können. Kapitalerhöhung nennen Börsianer das. Aber die würde doch sehr vom eigentlichen Thema ablenken.

Wer weiß, vielleicht wollen Sie genau das: abgelenkt werden. Schließlich lesen Sie gerade diese Auszeit mit dem Ziel, im Internet abzuschweifen. Heute im Glas: Fernsehserien en masse und Fantasienamen ohne Ende, außerdem endlich eine gerechte Version von Rotkäppchen. Das sollte reichen, um Ihrem Büroalltag kurz davonzusurfen.

Lassen Sie sich nicht erwischen!

Serien, für Unersättliche

Gesetz der Serie: Wer Serien liebt, wird im Serienlexikon versinken

Gesetz der Serie: Wer Serien liebt, wird im Serienlexikon versinken

Serienlexikon

Theoretisch eine Ewigkeit lang kann man sich mit Fernsehserien beschäftigen. Das ist schließlich das Prinzip der Serie: eine Filmidee, die uns Zuschauer unbegrenzt an den Fernseher fesselt.

Wieviel Zeit dabei draufgeht, ist vielen Fernsehkonsumenten ja erst bei der Echtzeitserie "24" bewusst geworden. Pro Staffel wird da jeweils ein Tag im Leben des Weltenretters Jack Bauer gezeigt, und zwar in genau 24 einstündigen Episoden. Wer also endlich das Finale einer Staffel hinter sich bringt, dem sollte klar sein, dass er einen ganzen Tag seines Lebens mit dem Folterknecht einer Antiterroreinheit verbracht hat. Stattdessen hätte man sich auch in den Zug setzen und Freunde besuchen können, sagen wir: bewaffnet mit einem Becher Nusspli.

Fernsehjunkies wie wir dagegen holen sich an dieser Stelle ungerührt die nächste Staffel aus der Videothek. Was aber, wenn alle von Jack Bauers Tagen über den Bildschirm geflimmert sind?

Dann kommt das Serienlexikon  ins Spiel. Das findet sich seit Kurzem auf den Internetseiten des TV-Senders Kabel1. Das digitale Kompendium ist aber trotzdem zu empfehlen, weil alle Serien unabhängig vom ausstrahlenden Sender dort verzeichnet sind.

Jede Serie ist mit einer kleinen Inhaltsangabe versehen, mit den Jahren der Ausstrahlung und gegebenenfalls aktuellen Sendeterminen. So wird Jack Bauer am 1. Oktober wieder losrennen, in einer Wiederholung auf RTL II. Zusätzlich werden die Hauptdarsteller aufgelistet und wo man sie sonst noch gesehen haben könnte. Die Titel der Episoden, die ebenfalls angegeben werden, fallen bei "24" allerdings recht stupide aus, weil sie immer nur die gezeigte Uhrzeit des jeweiligen Tages beziffern.

Das Serienlexikon ist weiter ausbaufähig. So wären Nutzerkritiken denkbar - bisher können nur Bewertungen per Sternchen vergeben werden. Dass auf Bilder weitgehend verzichtet wird, ist sicher eine Budgetfrage, aber zumindest wären ja jene Serien konstengünstig zu bebildern, die bei Kabel1 selbst laufen, etwa die Sitcom "King of Queens".

Schön ist jedenfalls die Größe des Fundus und das Bemühen, aktuelle Sendetermine vorzuhalten. Und vielleicht werden Schätzchen, die noch fehlen - etwa der BBC-Science-Fiction-Trash "Red Dwarf" - ja noch nachgereicht.

Übrigens gab es schon 1975 eine Serie, die einen ganzen Tag nachzeichnete: "Berlin 0:00 - 24:00". Allerdings in nur 13 Folgen.

Namen, für genervte Eltern

Von Rik bis Zerldyn: Dem Generator gehen die Namen nicht aus

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Fantasy Name Generator

Es ist ein soziales Minenfeld, über Namen zu schreiben. Für jeden Namen gibt es immer mindestens einen, der ihn eben nicht lächerlich findet. Da richtet die kleinste Lästerei leicht Schaden an, ohne dass damit etwas gewonnen wäre.

Zwar ist es in der deutschen Presselandschaft inzwischen Usus, sich an den Cindys und Mandys dieser Welt schadlos zu halten. Aber das liegt sicher daran, dass die deutsche Presselandschaft im Wesentlichen westdeutsch ist. Private empirische Studien legen jedoch nahe: Nicht jede Mandy ist bildungsfern.

Und schließlich: Wer weiß, welche Knallcharge demnächst durchs Boulevard gereicht wird und zufällig Matthias heißt. Da erwarte ich dann auch Zurückhaltung.

Es kam auch schon schlimmer. Denken Sie nur an die armen Tropfe, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg nur noch "Adi" oder "Dolf" riefen ließen. Für ihren Namen konnten sie doch nichts.

Das ist nur ein Bruchteil der Probleme, die werdende Eltern umtreibt. Ein Name soll keine negativen Assoziationen wecken, hübsch klingen und vor allem: originell sein. Auch wenn es schwer zu glauben ist: Alle, die jetzt eine kleine Hanna oder einen Leon großziehen, meinten tatsächlich bei der Geburt, der Name sei selten. Tatsächlich waren es 2007 die beliebtesten Vornamen  in Deutschland.

Abhilfe schafft vielleicht der "Fantasy Name Generator" . Das ist der Name einer kleinen Internetsoftware, die per Zufallsgenerator Buchstabenkombinationen ausspuckt. Weil die Benutzer dabei auch Vorgaben machen dürfen, ist da auch der ein oder andere Name dabei. Zum Einstieg bietet der Generator den stolzen "Endrano" und die klangvolle "Ingotas". Wem die zu piefig sind, der kann sich von der Maschine einfach besonders kurze Namen ("Rif", "Duna") oder welche mit Apostroph wünschen ("Y'honden", "Tia'ard'eg").

Lustig wird's mit konsonantenreichen ("Chrusdris", "Dycsrad") oder beleidigenden Namen ("Muckdoof", "Beefwimp"). Außerdem kann man sich Anfangsbuchstaben aussuchen oder kulturelle Schwerpunkte wie Griechenland oder Japan legen.

Da stellen sich zwei Fragen: Erstens, ob Saellydru wirklich ein geeigneter Kindername ist oder nicht doch einfach nur als Alias in einem Computerspiel taugt. Und zweitens, ob es nicht früher auch mal die Funktion "Großbuchstabe in der Wortmitte" gab. Dann wäre immerhin geklärt, wie die Bahn auf Namen wie "InfoPoint" oder "BahnCard" kommt.

Rotkäppchen, für Investmentbanker

Immer feste drauf: Rotkäppchen glänzt mit Körperbeherrschung

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Grandma's Happy Fist

Jetzt wurden Sie über drei Textteile hinweg von dem Begriff verschont, den Sie sicher längst nicht mehr hören können: Finanzkrise! Unsereins mag aber nicht aus seiner Haut.

Nun denn: Die Finanzkrise, das muss man sagen, hat auch gute Seiten. Verstehen Sie das bitte nicht falsch. Schadenfreude ist nicht angebracht. Und es sind einfach zu viele Geschädigte, um sich die Hände zu reiben angesichts des ein oder anderen selbstherrlichen Bankchefs, der nun als begossener Pudel dasteht.

Aber aus dramaturgischer Sicht ist schon interessant, wie gleich mal alle Investmentbanken zu Verlierern werden, obwohl sie bisher aufs Gewinnen abonniert waren. Ist der Anlass harmloser, dann macht so eine Wendung echt Spaß. Es muss ja nicht gleich um eine historische Wirtschaftskrise gehen.

Probieren Sie es aus. Ein erstklassiges Beispiel ist der Kurzfilm "Grandma's Happy Fist" , den ein Student der Ringling School of Art and Design in Florida ins Netz gestellt hat. Die bekannte Geschichte von Rotkäppchen und dem Wolf nimmt in dieser Computeranimation eine dramatische Wendung.

Denn Rotkäppchen - in ihrem Verhältnis zum Wolf aufs Verlieren abonniert, bis Hilfe von außen kommt - kann Karate. Und Rotkäppchen schlägt zu. Mehr sollte man nicht verraten.

Banker als Wölfe? Geschenkt. Muskelpakete als Rettungspakete? Naja. Aber welche Rolle hat Rotkäppchen in dieser Konstruktion? Insgesamt ein hinkender Vergleich, sie haben Recht. Aber ohne Finanzkrise geht es heute einfach nicht. Und außerdem wollten Sie sich ja ablenken lassen.

Zur vorigen Auszeit: Brüllende Bäder und Computer mit sozialer Ader

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