Donnerstag, 17. Oktober 2019

Xing-Chef "Wer nicht online ist, hat verloren"

3. Teil: "Grenze zwischen Freizeit und Beruf fließend"

Frage: Verändert sich der Mensch nicht durch diese Entwicklung? Wer wird der Homo digitalis sein?

Hinrichs: Mehr als 60 Prozent meines Lebens sind digital. Man kann es ja andersrum drehen und fragen, wie das Leben heute aussehen würde, wenn wir kein Internet hätten. Ich kann mir das nicht mehr vorstellen. Höchstwahrscheinlich wären dann Briefträger so richtig gut versorgt.

Leben im Netz: "Die Grenzen verwischen zwischen dem, was Privatleben, Freizeit und Berufsleben ist"
Getty Images
Leben im Netz: "Die Grenzen verwischen zwischen dem, was Privatleben, Freizeit und Berufsleben ist"
Frage: Wir bekommen viel zu viele E-Mails!

Hinrichs: Deshalb müssen wir aufpassen, dass die Inbox unseres E-Mail-Postfachs nicht die To-do-Liste wird. Wir müssen weiterhin in der Lage sein, eine Aufgabe durchzuziehen und erst danach E-Mails zu checken.

Frage: Ist Ihr Pop-up-Fenster, das den Eingang neuer Mails anzeigt, offen, während Sie arbeiten?

Hinrichs: Nein. Pop-ups sind nicht gerade Produktiverlebnisse.

Frage: Sie bekommen bestimmt doch noch nach Feierabend oder an Heiligabend E-Mails?

Hinrichs: Die Grenzen verwischen zwischen dem, was Privatleben, Freizeit und Berufsleben ist. Wenn ich abends noch Mails lese oder mit dem Blackberry beantworte, ist das dann Freizeit oder Beruf? Die Grenzen sind für mich fließend, weil ich vieles von dem, was ich tue, nicht als Arbeit definiere, weil ich es mit Leidenschaft mache. Die Definition von Arbeit hat sich sicher durch das Internet geändert.

Frage: Wann schaffen Sie es zeitlich, ein Buch zu lesen?

Hinrichs: Es gibt immer wieder Gelegenheiten, ein Buch zu lesen. Oftmals wird der Fernseher einfach nicht eingeschaltet und dafür ein Buch gelesen. Aber häufiger lese ich natürlich im Netz.

Frage: Bücher kosten Geld, Magazine kosten Geld. Wird bedrucktes Papier ein Luxusgut?

Hinrichs: Das ist ja indirekt die Frage nach dem Journalismus der Zukunft. Und danach, ob man sich Journalisten noch leisten kann. Ich kann mich nicht daran erinnern, in den letzten vier Wochen eine Zeitung gekauft zu haben. Ich lese Zeitungen, weil sie im Flieger umsonst sind. Mein Medienverhalten richtet sich danach, wo ich gerade bin. Wenn ein Verleger all seine Inhalte kostenlos zur Verfügung stellt, im Gegenzug aber dadurch Werbeeinnahmen über seine Webseite generiert, muss das ja keine Verschlechterung der Qualität von Journalismus zur Folge haben. Insofern wird es auch in zehn Jahren noch bezahlte Journalisten geben.

Frage: Wie werden Verlage künftig mit dem Internet Geld verdienen?

Hinrichs: Jeden Tag entstehen neue Werbemodelle, die noch zielgenauer sind und noch schneller und punktgenauer die Menschen erreichen, für die sie gemacht wurden. Wenn man sich die ursprünglichen Pläne von Amazon Börsen-Chart zeigen, Ebay Börsen-Chart zeigen oder Google Börsen-Chart zeigen vor dem Börsengang anschaut, haben wir mit dem Internet alles potenziert übererfüllt von dem, was wir mal erreichen wollten.

© manager magazin 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung