Techniktrends Beamer im Handyformat

Beamer sind eine tolle Sache: Sie bringen das Kinoerlebnis ins Wohnzimmer und die Powerpoint-Präsentation an die Wand. Unterwegs waren die sperrigen Geräte bislang aber eher lästig. Projektoren in Handygröße sollen Abhilfe schaffen, erstmals gibt es auch richtig preiswerte Modelle. Ein Überblick über die aktuellen Trends.

Berlin - Wer HD hat, der will es auch groß: Dem technischen Fortschritt sei Dank, heißt das aber nicht, dass ab sofort ein Monstrum von Fernseher das Wohnzimmer dominiert. Pfiffige Heimcineasten werfen den bulligen Fernseher raus, hängen die Ölschinken von der Wand und einen der neuen HD-Videoprojektoren unter die Decke. Vielleicht ja einen von denen, die auf der Ifa 2008 vorgestellt wurden?

Denn wenn es ein Argument für HD-Fernseher, -Konsolen oder Blu-ray-Player gibt, dann dieses: Sie liefern perfektes Bildmaterial für Beamer. Für den Projektorexperten Andy Heß von Hcinema.de  macht das einen "brachialen Unterschied." All die vielen kleinen Pixel sind an die 80 Zentimeter TV-Bilddiagonale doch verschwendet, wenn man sie stattdessen auch großflächig an die Wohnzimmerwand verteilen kann.

Die neuen Beamer machen das möglich: Sie sind hell, bieten tolle Kontraste und hohe Auflösungen. Mithilfe von Farbdrehscheiben und Spiegelchips bieten sie eine gute Bildqualität, spezielle Videochips hübschen das Bild für die Raufasertapete auf. Des einen Freud, des anderen Leid: Mit so einer Beamer-Anlage ist man für die Branche der Kinobetreiber künftig als Kunde verloren.

Das Gegenmodell: Starke Schwächlinge

Aber es geht auch anders. Die wohl interessantesten Projektoren, die auf der diesjährigen Ifa vorgestellt wurden, sind lichtschwach, haben miese Kontraste und über Auflösungen redet bei ihnen lieber niemand. Dafür passen sie in die Hosentasche, gar in ein Handy, die LED-Lichtquellen halten Zehntausende Stunden, die Akkuladungen so lange wie ein Spielfilm.

Neben dem Wohnzimmerkino waren die Pico-Taschenprojektoren also der Beamer-Trend der Ifa. Perfekt für den Fahrstuhlpitch, ein schreckliches Nerv-Werkzeug in Kinderhand. Dank LED-Kraft sparen sich die Hersteller aufwendige Lüfteranlagen im Gerät und der Kunde langes Aufheizen und Abkühlen der Lampe.

Nicht zum Schnäppchenpreis

Nicht zum Schnäppchenpreis

Noch stehen die Pico-Projektoren jedoch am Anfang. Sie sind viel zu lichtschwach, um viel mehr als ein Spielzeug zu sein. Die Bildauflösungen sind zu gering. Noch ist nicht klar, wie sehr die LEDs mit der Zeit an Strahlkraft verlieren. Vor allem aber: Die Geräte kommen Ende des Jahres auf den Markt, wohl nicht gerade als Schnäppchen.

Kurz erklärt: Projektortechnik

Zwar halten sich die Pico-Hersteller noch mit Preisvorstellungen zurück. Projektorproduzent Optoma veranschlagt aber zunächst "zwischen 300 bis 400 Euro" für seine Taschenlampen. Ganz schön happig. Als Preisbrecher betätigt sich einmal mehr der Versender Pearl, der einen Mini-Projektor für 169 Euro ankündigt.

Abseits von DLP und HD, LED und Pico tut sich dann aber auch nur wenig auf dem Beamermarkt. Experte Heß stellt eine Konsolidierung fest: DLP-Chips und HD-Auflösung sind längst Standard, die meisten Hersteller arbeiten an Weitwinkellinsen, mit denen das Bild auch aus kleinen Distanzen scharf dargestellt werden kann.

Toshiba  versucht sich an zwei Lampen für höhere Leuchtkraft im Meetingraum, und der ein oder andere Hersteller experimentiert mit neuen Warmluftkanälen, die nicht mehr dem Zuschauer ins Gesicht blasen. Auch an den adaptiven Blenden wird weiter gefeilt - ihre Wirksamkeit ist bei Experten umstritten. Und selbst an den LCD-Panels, quasi der alten Projektormasche, wird noch mit Filtern gefeilt. Details, Details, Details.

Ein fast stiefmütterliches Dasein fristet dabei der DLP-Konkurrent LCoS. Der kann gerüchteweise zwar enorm scharfe Bilder liefern, schafft es aber aus irgendwelchen anderen Gründen nicht so richtig auf den Markt. Als Zukunftstrend sieht Heß LEDs - auch wenn die ihm sein Geschäft mit dem Austausch von Beamer-Lampen vermasseln.

Tipps vom Projektorexperten

Tipps vom Projektorexperten

Andy Heß betreibt auf Hcinema.de  eine Datenbank mit technischen Daten, Bewertungen und Fotos zu Tausenden Projektoren. Anwendern empfiehlt er, vor allem ihren Augen zu vertrauen.

Kaufen Sie das Bild, nicht technische Daten
Trotz toller technischer Daten kann sich der Projektor als Heimkinoflop herausstellen. Lassen Sie sich das Gerät vorführen, und vertrauen Sie Ihrem Auge.

Tagungsraum vs. Heimkino
Die Faustregel ist: Im Businessbereich brauchen Sie hohe Lichtstärken, der Kontrast ist egal. Im Heimkinobereich reichen geringe Lichtstärken, dafür ist der Kontrast wichtig. Lassen Sie sich nicht von extrem hohen Kontrastwerten blenden.

Kritischer Blick bei der Vorführung
Achten Sie darauf, welcher Film gezeigt wird, wenn Ihnen ein Verkäufer einen Projektor vorführt. Die meisten Projektoren haben Probleme mit der Schwarz-Darstellung. Lassen Sie sich Filme zeigen, die dunkel sind, und helle Filme, in denen schnelle Bewegungen vorkommen. Faustregel: Die DVD aus dem eigenen Regal ist immer noch der beste Test, um zu sehen, wie gut der Projektor gegenüber einem Fernseher ist.

Ein lauter Lüfter ist ein Problem
Achten Sie auf das Lüftergeräusch. Die Ventilatoren von manchen Geräten sind so laut, dass sie das ganze Kino-Feeling kaputt machen.

Der richtige Abstand
Sehen Sie sich den Projektor im Geschäft auch mit dem Bildabstand an, den Sie später auch in Ihrem Heimkino haben möchten. Mit der Größe des Bilds geht die Bildqualität verloren.

Hohe Auflösung, gleiche Auflösung
Generell gilt: Je höher die Auflösung beim Beamer, desto besser. Achten Sie aber darauf, dass Bildsignal und Projektor die gleiche Auflösung unterstützen, sonst leidet die Qualität. Achtung: Wollen Sie später einen Blu-ray-Player kaufen oder einen Computer (via HTCP) als Bildquelle benutzen, muss der Projektor das auch verarbeiten können.

Probleme beim Zoom
Achten Sie auf den Zoombereich: Kann der Projektor die vorgestellte Bildgröße in dem Raum überhaupt projizieren? Oder kommen sich Raum und Bild in die Quere?

Es werde Licht: Beamertrends in Bildern

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