Callcenter Berlin stützt Telekom-Sparkurs

Im Streit über den Sparkurs der Telekom stärken der Aufsichtsratschef und die Bundesregierung dem Vorstand den Rücken. Gewerkschaft und einzelne Politiker haben Vorstandschef René Obermann zuvor scharf angegriffen.

Frankfurt am Main - Obermann habe deren Vertrauen, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums am Wochenende in Berlin. Die Bundesregierung unterstütze die Deutsche Telekom  in ihrem Bemühen, "die Wettbewerbsposition und Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu stärken". Der Sprecher reagierte damit auf einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus", in dem von scharfer Kritik an Obermann die Rede war. Demnach wird dem Konzernchef in Regierungskreisen vorgeworfen, "strategisch falsch aufgestellt" zu sein und die "falschen Prioritäten" zu setzen. Die Telekom wollte sich dazu nicht äußern.

Für Proteste sorgen insbesondere die Pläne des Managements, 39 Callcenter zu schließen und die Technikzentren auszugliedern. 8000 Callcenter-Mitarbeiter müssen ihre Arbeitsplätze wechseln. Dagegen hatten am Freitag nach Gewerkschaftsangaben etwa 1000 Beschäftigte vor der Repräsentanz des Konzerns in Berlin demonstriert. Die 6000 Beschäftigten der Technikzentren sollen nach Auslagerung in eine Servicegesellschaft länger arbeiten und erhalten nur durch vorübergehende Ausgleichszahlungen das gleiche Gehalt. Diesem Schritt hatte ebenfalls am Freitag der Aufsichtsrat nach kontroverser Debatte zugestimmt.

Verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder, der dem Telekom-Aufsichtsrat angehört, sagte dem "Tagesspiegel am Sonntag", die Telekom zeige "kaum Verständigungsbereitschaft". "Im Grunde droht uns nun der gleiche Konflikt wie im vergangenen Jahr", warnte der Aufsichtsratsvize. Die Telekom hatte im vergangenen Jahr Zehntausende Mitarbeiter in die externen Servicegesellschaften ausgelagert. Vorangegangen war ein langer Tarifstreit mit großen Streiks bei dem Konzern. Letztlich hatte Verdi die Auslagerung aber nicht verhindern können.

"Dieser Vorstand macht seine Mitarbeiter zu Gegnern"

Der "Focus" zitierte Schröder mit den Worten: "Obermann fehlt das Gespür für die politische Dimension des Unternehmens. Dieser Vorstand macht seine Mitarbeiter zu Gegnern." Beim Thema Schließung von Callcentern gebe es "keine Partei in Deutschland, die sich nicht gegen die Telekom" stelle. Den SPD-Wirtschaftsexperten Rainer Wend zitierte das Magazin mit den Worten: "Die Zusammenlegung der Callcenter ist ein schwerer Schlag für die Beschäftigten, der so nicht hingenommen werden kann."

Dagegen machte sich Aufsichtsratschef Ulrich Lehner für Obermanns Sanierungskurs stark. "Der Aufsichtsrat setzt ausdrücklich auf die Weiterverfolgung der bekannten Konzernstrategie. Dazu gehört auch ein notwendiger Personalumbau, der so sozialverträglich wie möglich vorgenommen wird", sagte Lehner am Sonnabend. "Wir appellieren an alle Beteiligten, weiter konstruktiv mitzuarbeiten." Obermann leitet den ehemaligen Staatsmonopolisten seit November 2006. Der Bund ist noch größter Eigner.

manager-magazin.de mit Material von ap, afp und reuters

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