Spitzelaffäre Obermann entschuldigt sich

In der Telekom-Abhöraffäre hat sich Vorstandschef René Obermann beim Vorsitzenden des Konzernbetriebsrats und Aufsichtsrat Wilhelm Wegner entschuldigt. Der Konzern steht im Verdacht, Journalisten und Aufsichtsräte bespitzelt zu haben. Indes liegt ein erster Bericht zur Affäre vor.

Bonn - In der Spitzelaffäre bei der Deutschen Telekom  hat die beauftragte Kanzlei dem Vorstand und Aufsichtsrat des Konzerns Vorschläge für eine bessere Organisation des Sicherheitsbereichs unterbreitet. Der Vorstand werde nun darüber beraten, teilte die Telekom am Freitag weiter mit.

"Der Bericht ist keinesfalls als Abschluss der konzernweiten Bemühungen um Aufarbeitung zu verstehen", kommentierte Telekom-Chef Rene Obermann. "Er wird dabei helfen, zu entscheiden, welche weiteren konkreten Maßnahmen im Unternehmen noch zu ergreifen sind. Wir werden es nicht bei Papier belassen."

Die Kanzlei Oppenhoff & Partner war im Mai von Vorstand und Aufsichtsrat mit der Prüfung der Vorwürfe missbräuchlicher Datennutzung beauftragt worden. "Zwar genügte die Organisation des Sicherheitsbereiches im untersuchten Zeitraum bis Ende 2006 durchschnittlichen Anforderungen, wies aber deutlich zu wenig Schutzmechanismen gegen regelwidriges Verhalten von Mitarbeitern auf", erläuterte Michael Oppenhoff, Partner der Kanzlei. Auch wenn sich die Organisation des Sicherheitsbereichs seit Ende 2006 unter dem neuen Vorstand verbessert habe, gebe es noch weiteres Potenzial.

Weiter unklar, wer den Auftrag gab

Die Telekom hatte eingeräumt, dass zwischen 2005 und 2006 mindestens ein Jahr lang Telefondaten ausspioniert wurden. Dem Vernehmen nach ging es hauptsächlich um Kontakte von Aufsichtsräten zu Journalisten. Ziel soll es gewesen sein, die Veröffentlichung vertraulicher Informationen zu unterbinden.

Wer den Auftrag zur Bespitzelung gab und welches Ausmaß sie hatte, ist bisher nicht bekannt. Die Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt, unter anderem gegen den früheren Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke und den ehemaligen Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel.

Die Vorschläge der Kanzlei sehen unter anderem vor, die Datenzugriffsrechte der Mitarbeiter weitergehend zu prüfen, einen Versand von Daten an Dritte auszuschließen und dem Aufsichtsrat einen jährlichen Bericht des Datenschutzbeauftragten vorzulegen. "Vorstand und Aufsichtsrat setzen sich nachdrücklich dafür ein, Fälle missbräuchlicher Datennutzung künftig zu verhindern", sagte Aufsichtsratschef Ulrich Lehner. Aufsichtsratsvize und Verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder sieht das Papier als einen ersten wichtigen Baustein beim Schutz vor einer Wiederholung des Skandals. Die Arbeitnehmervertreter hofften auf baldige Ergebnisse der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.