Samstag, 19. Oktober 2019

Green IT Kosten sparen, statt Klima schonen

3. Teil: Geringe Investitionsbereitschaft

Geringe Investitionsbereitschaft

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Investitionsbereitschaft der IT-Hersteller für Green IT abseits vom direkten Profitbezug. Der Bereich Forschung und Entwicklung ist dafür ein idealer Anhaltspunkt. Grüne IT setzt ein soziales, langfristiges Engagement voraus, das über kurzfristige Gewinnmaximierungsüberlegungen hinausgeht. Die Forschungsabteilung muss dafür unter zusätzlichem finanziellen Aufwand vollkommen überarbeitete oder komplett neue, auf die Umwelterfordernisse zugeschnittene Technologien entwickeln.

Robert Heinrich ist Chefberater beim Prüfungs- und Beratungsunternehmen Ernst & Young
Umso ernüchternder ist das Ergebnis der Studie. 61 Prozent der befragten Hersteller sind nicht bereit, mehr als 5 Prozent mehr für die Entwicklung von Green IT auszugeben. Für 29 Prozent dieser Hersteller darf das Erforschen und Entwickeln einer Grünen IT keinen Cent mehr kosten. Wie bei den Anwendern sind auch bei den Herstellern lediglich 9 Prozent der Unternehmen bereit, 15 Prozent und mehr in die Erforschung von Green IT zu investieren. Für das Klima und die Umwelt notwendige technische Innovationen kommen somit, mangels sozialem Engagement, zwangsläufig zu kurz.

Eine Sache der Glaubwürdigkeit

Vielleicht liegt es am mangelnden grünen Zuschnitt von Green IT, dass Klima und Umwelt bei den Anwenderunternehmen nur eine untergeordnete Rolle spielen. CIOs und Unternehmensleiter stehen offensichtlich den vermeintlich grünen Offerten eher skeptisch gegenüber. Werden die von den IT-Herstellern propagierten grünen Eigenschaften überhaupt ernst genommen? Um diese Frage zu beantworten, wurden die Anwender nach der Glaubwürdigkeit von Green-IT-Herstellern unterschiedlicher Herkunft befragt. Das Ergebnis: Lediglich 30 Prozent räumen IT-Herstellern aus den USA eine größere Glaubwürdigkeit ein. Im Vergleich dazu schneidet Westeuropa mit 69 Prozent besser ab. Dieses Ergebnis ist erstaunlich, zumal mehr als 80 Prozent der Green-IT-Offerten aus den USA stammen.

Augenscheinlich trauen die US-IT-Hersteller selbst ihren eigenen Produkten nicht über den grünen Weg. Innerhalb der Befragungsgruppe Hersteller billigen sogar nur 17 Prozent den US-Produkten die größere Glaubwürdigkeit zu. Katastrophal in punkto Glaubwürdigkeit einer Green IT schließen Hersteller aus Fernost ab: 1 Prozent unter den Anwendern, 7 Prozent unter den IT-Herstellern.

Möglichkeiten des CIOs eng begrenzt

Auch der Frage, welche Rolle der CIO für eine Grüne IT bei den Herstellern spielt, ist die Studie nachgegangen. Bei 21 Prozent der Herstellerunternehmen ist der CIO die Anlaufstation, wenn es um Fragen und Entscheidungen rund um Klima und Umwelt geht. Bei 24 Prozent der IT-Hersteller ist diese Entscheidungsgewalt ganz oben auf Vorstands- oder Geschäftsleitungsebene angesiedelt. Im Vergleich dazu: Nur jeder zwanzigste Anwender (5 Prozent) hat Kostenentscheidungen für Green IT auf der Chefetage positioniert, für grüne Kostenentscheidungen generell sogar nur 1 Prozent. Der erste Anschein, Klima und Umwelt haben für die IT-Hersteller einen höheren Stellenwert, trügt. Die Erklärung dafür: Green IT ist für die Hersteller vorrangig eine Verkaufsentscheidung zur Gewinnmaximierung, weniger eine Entscheidung im Sinne der Umwelt.

Diese Einschätzung wird durch das Ergebnis "Ansiedlung der Umweltverantwortung für alle Kostenentscheidungen" untermauert. Für diesen übergreifenden Entscheidungsfall haben lediglich 5 Prozent der IT-Hersteller die Verantwortung ganz oben justiert.

Und der CIO? Er ist bei den Herstellern eher die Instanz, die dafür sorgt, dass die eigene IT im Einklang mit den Verkaufszielen, vorgegeben von Geschäftsleitung respektive dem Vorstand, funktioniert. Seine Möglichkeiten, grüne Überlegungen für die Gestaltung von IT-Verkaufsprodukten in die Waagschale zu werfen, sind aufgrund der geschäfts- und kostenorientierten Ausrichtung eng begrenzt.

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