Human Rights Watch T-Mobile im Visier

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sorgt sich darum, wie T-Mobile mit seinen Mitarbeitern in den USA umspringt. So könnte die Telekom-Tochter bald Teil einer akribischen Studie der Organisation werden - als abschreckendes Beispiel. Die ersten Rechercheure haben bereits angeklopft.
Von Astrid Maier

Hamburg - Burmesische Militärmachthaber und Unternehmer zwingen Kinder zum Abbau von Diamanten, achtjährige Mädchen in Guinea werden als Hausmädchen systematisch misshandelt und missbraucht - die Rechercheure der Organisation Human Rights Watch (HRW) decken Beispiele von Menschenrechtsverletzungen in den entlegensten Ländern der Welt auf, auch in Unternehmen.

Wenn Telekom-Chef René Obermann Pech hat, wird die US-Tochter T-Mobile USA demnächst ebenfalls Gegenstand einer umfassenden HRW-Studie. Die US-Menschenrechtswächter haben ihre Recherchen über T-Mobiles Auseinandersetzungen mit den US-Gewerkschaften bereits aufgenommen, erfuhr manager-magazin.de von mit der Situation vertrauten Personen.

Noch liegt ein entsprechender Bericht nur in Rohfassung vor. HRW sammelt derzeit Fallbeispiele zur Praxis der Versammlungsfreiheit bei Unternehmen, die in den USA tätig sind. Dabei liefert T-Mobile USA den Kontrolleuren offenbar Stoff für ein prominentes Negativbeispiel.

Weiterer Imageschaden nach der Spitzelaffäre

Seit Langem schon befindet sich die Deutsche Telekom  mit der Gewerkschaft Communications Workers of America (CWA) im Clinch, denn T-Mobile USA will das Verdi-Pendant nicht als Verhandlungsführer der Belegschaft anerkennen und verweist dabei auf US-spezifische Gepflogenheiten. Um für die Belegschaft sprechen zu können, müssen Gewerkschaften in den USA eine Art Anerkennungsverfahren durchlaufen. Dabei müssen mindestens 50 Prozent der Mitarbeiter dafür stimmen, dass sie eine Gewerkschaft bei den Tarifverhandlungen als Verhandlungsführer akzeptieren.

Ein Telekom-Sprecher sagte, die CWA habe sich diesem Verfahren bisher nicht gestellt. Zudem gehörten die US-Mitarbeiter "zu den zufriedensten Angestellten im Lande". Dies hätten interne Umfragen ergeben.

Gewerkschafter der CWA sollen indes mit Polizeigewalt daran gehindert worden sein, vor den T-Mobile-Gebäuden in den USA Flugblätter für ihre Sache zu verteilen. Ob und wie rigoros der viertgrößte Mobilfunker im Lande tatsächlich die Arbeit der Gewerkschafter behindert, darüber sammelt HRW derzeit Informationen. Noch sei nicht entschieden, ob das Unternehmen mit Hauptsitz in Bonn Eingang in die entsprechende Studie finden wird, heißt es bei HRW in Washington.

Konsequenzen für sein Geschäft muss Obermann wegen der Arbeit der Wächter für Versammlungsfreiheit wohl nicht befürchten. Der Umstand, dass nun eine weltweit renommierte Menschenrechtsorganisation Untersuchungen in Sachen Telekom durchführt, ist aber peinlich für den Manager - und kommt zur Unzeit. An dem seit der Spitzelaffäre der Telekom ohnehin schwer lädierten Image würde eine entsprechende Kampagne von Human Rights Watch gegen den Konzern weiter kratzen.

Wie detailliert die Rechercheure bei ihrer Arbeit vorgehen, darüber kann sich Obermann jetzt schon ein Bild machen: Der letzte Bericht über Behinderungen der Versammlungsfreiheit von Arbeitern in den USA beim Handelskonzern Wal-Mart war ganze 210 Seiten lang.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.