WPP vs. GfK "Etwas vorlegen oder den Mund halten"

Im Übernahmekampf um den britischen Marktforscher TNS wird der Ton schärfer. Der Werbekonzern WPP wirft dem konkurrierenden Marktforscher GfK vor, die Investoren am Kapitalmarkt in die Irre zu führen.

Peking - "Sie sagen, dass sie Zugang zu einer nicht benannten, aber bedeutenden Kapitalquelle haben", sagte WPP-Chef Martin Sorrell der Nachrichtenagentur Reuters in Peking. Mit diesen Worten griff er die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK)  an. "Jetzt ist es Zeit, etwas vorzulegen oder den Mund zu halten", sagte Sorrell weiter.

Die GfK hatte mit Taylor Nelson Sofres (TNS)  eigentlich eine Fusion unter Gleichen angestrebt, also ohne Aufschlag für die Aktionäre auf den Aktienkurs. Dies wurde aber von WPP  erfolgreich torpediert. Nun will die GfK TNS selbst übernehmen, hat aber bisher kein Angebot auf den Tisch gelegt.

Die Nürnberger, die selbst kaum ausreichend Mittel für die Akquisition haben, wollen sich dabei mit einem finanzstarken Partner zusammentun. Um wen es sich handelt, hat die GfK jedoch nicht mitgeteilt. manager-magazin.de hatte Anfang Juli berichtet, dass der Milliardär Günter Herz die GfK bei ihrem Vorhaben unterstützen will.

WPP selbst, der zweitgrößte Werbekonzern der Welt, will TNS für umgerechnet rund 1,5 Milliarden Euro schlucken. Über das feindliche Übernahmeangebot, das aus Aktien und einem Baranteil besteht, sollen die TNS-Aktionäre Ende August abstimmen. Das TNS-Management ist weiter für einen Zusammenschluss mit der GfK zur Nummer zwei der Branche nach dem US-Marktführer AC Nielsen.

Sorrell sagte, es gäbe weitere Möglichkeiten, wenn die TNS-Übernahme scheitern sollte. Dazu zähle auch ein Kauf des Marktführers Nielsen. Ob WPP bereits Gespräche führt, wollte er nicht sagen.

GfK-Chef Klaus Wübbenhorst rechnet sich weiter gute Chancen auf den Zuschlag aus. Das Unternehmen sei mit mehreren möglichen Co-Investoren im Gespräch, hatte er zuletzt gesagt. Eine Kombination aus GfK und TNS wäre Wübbenhorst zufolge wesentlich erfolgreicher als ein Bündnis aus WPP und TNS.

Die Franken sind die Nummer fünf der Branche und kamen 2007 auf 1,16 Milliarden Euro Umsatz. TNS ist die Nummer drei mit Erlösen von gut 1,3 Milliarden Euro. WPP will TNS mit der eigenen Marktforschungssparte Kantar kombinieren.

Bekannt ist die GfK für die Ermittlung der deutschen TV-Einschaltquoten und den Konsumklimaindex, der monatlich die Stimmung der Verbraucher misst. Lukrativer sind aber Marktforschungsdaten für Unternehmen. TNS liefert Daten an die Politik, Medien, Einzelhändler, IT-Konzerne, Autobauer, Pharmaunternehmen und die Finanzbranche.

David Schlesinger, reuters