Yahoo Aktionäre für Microsoft-Abfuhr

Die Anteilseigner von Yahoo haben sich im Streit um die Übernahme durch Microsoft überraschend klar hinter die Führung des Internetkonzerns gestellt. Alle neun Mitglieder des Direktoriums, darunter auch der zuletzt umstrittene CEO und Gründer Jerry Yang, wurden mit deutlicher Mehrheit im Amt bestätigt.

San Jose - Der umstrittene CEO und Firmengründer Jerry Yang wurde am Freitag bei der Hauptversammlung von Yahoo  mit 85 Prozent der Stimmen entlastet. Auch die übrigen Mitglieder des Direktoriums wurden deutlich bestätigt, selbst die Manager, die wegen großzügiger Vergabe von Aktienoptionen in die Kritik geraten waren. In das künftig auf elf Sitze erweiterte Gremium zieht zudem der kritische Großaktionär Carl Icahn zusammen mit zwei seiner Interessensvertretern ein. Die Übernahme durch Microsoft  war am Widerstand der Yahoo-Führung gescheitert, die Icahn befürwortete.

Erst vor zwei Wochen hatte sich Yang mit seinem zuletzt schärfsten Gegner Icahn auf einen Kompromiss geeinigt. Der als Firmenjäger bekannte US-Milliardär gab für seinen Einzug in den Verwaltungsrat seinen Plan zum Sturz des gesamten Gremiums auf. Um Platz für Icahn zu machen, soll einer der am Freitag wiedergewählten Verwaltungsräte noch in dieser Woche seinen Platz räumen. Der Kompromiss nahm vielen Kritikern Yangs den Wind aus den Segeln. Die Hauptversammlung im kalifornischen San Jose verlief nach den vorher massiven Angriffen und Rücktrittsforderungen überraschend friedlich.

Der streitbare Investor Icahn will aber nach wie vor ein Geschäft mit Microsoft durchsetzen. Yahoo!-Verwaltungsratschef Roy Bostock wehrte noch einmal die Vorwürfe einiger Großinvestoren wie Icahn ab: Yahoo sei offen für die Kaufangebote des Softwareriesen gewesen, beteuerte er vor der Abstimmung, an der im kalifornischen San Jose Investoren mit fast 76 Prozent der Anteile teilnahmen. "Es lag aber nie ein überzeugendes Angebot auf dem Tisch. Das ist während des ganzen Prozesses nicht geschehen." Microsoft wies die Einschätzung zurück: "Yahoo versucht einmal mehr, die Geschichte umzuschreiben."

Microsoft hatte Yahoo zunächst für etwa 47 Milliarden Dollar ganz kaufen wollen. Als Yahoo ablehnte, strebte der Softwarekonzern den Kauf eines 16-Prozent-Anteils sowie die Übernahme des Yahoo-Suchmaschinengeschäfts an. Doch auch dieses Vorhaben scheiterte. Daraufhin stoppte Microsoft die Verhandlungen und setzte ebenso wie Icahn auf eine Ablösung der aktuellen Yahoo-Führung um Yang, der einen Verkauf stets abgelehnt hatte.

Das Management steht zudem wegen des im Vergleich mit dem Konkurrenten Google schlechten Börsenkurses in der Kritik. Am Dienstag hatte Yahoo nachbörslich einen Gewinneinbruch im zweiten Quartal veröffentlicht, mit seinem Festhalten an seiner Geschäftsprognose für das Gesamtjahr aber dennoch die Märkte für sich eingenommen.

Am Freitag rutschte der Börsenkurs auf 19,80 Dollar und lag damit nicht weit über dem Wert von 19,18 Dollar, bei dem die Aktie  zum Zeitpunkt des Microsoft-Angebots Anfang Februar notiert hatte. Microsoft wollte zuletzt 33 Dollar je Aktie bezahlen. Google-Aktien  kosten derzeit fast 468 Dollar.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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