Oracle versus SAP Spionagevorwurf gegen das Management

Der US-Softwarekonzern Oracle weitet seine Spionageklage gegen die deutsche SAP aus. Vorstandschef Kagermann und drei weitere Topmanager sollen von illegalen Praktiken der SAP-Tochter TomorrowNow gewusst haben.

San Francisco - In seiner Klage gegen die deutsche SAP  wegen des Diebstahls geistigen Eigentums erhebt der US-Softwarekonzern Oracle  erstmals auch direkte Vorwürfe gegen das SAP-Management.

In einer Ergänzung zu den bisherigen Vorwürfen erklärte Oracle in einer Einlassung beim Bezirksgericht San Francisco am Montag, interne SAP-Dokumente zeigten, dass Vorstandschef Henning Kagermann und drei weitere SAP-Manager am 7. Januar 2005 ein vertrauliches Dokument erhalten hätten, das klargemacht habe, dass das Unternehmen TomorrowNow nicht gesetzestreu arbeitete.

Das Management von SAP sei damit vor dem Kauf von TomorrowNow gewarnt gewesen, dass es dort illegale Aktivitäten gebe. SAP hatte das US-Unternehmen am 19. Januar 2005 erworben. Ein SAP-Sprecher sagte dazu, sein Unternehmen werde sich zu den Vorwürfen spätestens bis zum 11. September bei Gericht äußern. Kagermann sei zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Oracle wirft dem Walldorfer Konkurrenten vor, dass die SAP-Tochter TomorrowNow unberechtigt Software-Codes von Oracle-Datenbanken heruntergeladen hat. Dadurch seien Kunden abgesprungen. SAP hat bereits unerlaubte Datenabrufe bei TomorrowNow eingeräumt.

Dass die Datenabrufe nur bei der Tochterfirma stattgefunden haben, könnte sich eventuell auf das Strafmaß auswirken, sagt Michael Bahlmann, Analyst bei M.M. Warburg, gegenüber manager-magazin.de. "Sollten die Anschuldigungen zutreffen, verlagert SAP die Vorwürfe auf eine kleine, isolierte Einheit des Unternehmens und hofft dadurch auf geringere Schadensersatzforderungen."

Oracle versuche hingegen, aus dem Streit mit SAP so viel wie möglich herauszuholen. "Wenn nicht nur Mitarbeiter in einer SAP-Tochterfirma spioniert haben, sondern der Vorstand selbst beschuldigt wird, gewinnen die Vorwürfe erheblich an Gewicht", so Bahlmann. Oracle hatte den Schaden auf eine Milliarde Dollar beziffert.

Kommt es zu keiner Einigung, wird der Prozess voraussichtlich erst im Februar 2010 beginnen. Neben dem möglicherweise Jahre dauernden Zivilprozess droht SAP in den USA auch ein Strafprozess. SAP will den öffentlichen Streit mit Oracle möglichst schnell außergerichtlich beilegen, beißt damit aber auf Granit bei den Amerikanern.

Vor wenigen Tagen hatte SAP mitgeteilt, das Geschäft bei der US-Tochter TomorrowNow werde zu Ende Oktober eingestellt. Heute legte SAP Quartalszahlen vor.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx, ap und reuters

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