Dauerkrise Infineon streicht 3000 Stellen

Infineon steckt weiterhin tief in den roten Zahlen: Knapp 600 Millionen Euro hat der Halbleiterkonzern im vergangenen Quartal an Verlusten eingefahren. Die Unternehmensführung will gegensteuern, indem sie massiv Stellen kürzt.

München - Eine erneute hohe Abschreibung auf die Speicherchiptochter Qimonda  hat den Mutterkonzern Infineon  abermals tief in die roten Zahlen gerissen. Unter dem Strich sei ein Fehlbetrag von 592 Millionen Euro geblieben, teilte das Unternehmen am Freitag mit.

Der seit Juni amtierende Vorstandschef Peter Bauer kündigte den Abbau von 3000 Stellen an. Nach Angeben der Gewerkschaft IG Metall dürften davon allein 2000 Arbeitsplätze in Deutschland anfallen. Infineon verspricht sich von den Stellenkürzungen Einsparungen im Wert von mehr als 200 Millionen Euro jährlich.

"Die Risiken der aktuellen Marktbedingungen, die nachteilige Wechselkursentwicklung und die Anforderungen der Reorganisation an das Unternehmen machen einen Personalabbau unvermeidlich", hieß es. Ohne Qimonda hat Infineon etwa 30.000 Mitarbeiter.

Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer bezeichnete die Pläne zum Stellenabbau als "Kahlschlag auf Kosten der Beschäftigten". Er forderte, der Konzern müsse auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten und auf freiwillige Lösungen setzen. "Eine schier endlose Serie von Managementfehlern hat Infineon in die schwerste Krise der Unternehmensgeschichte geführt, ausbaden sollen das jetzt wieder einmal die Beschäftigten", sagte er.

Infineon will Qimonda loswerden

Im Kerngeschäft ohne die Tochter verdoppelte Infineon sein Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) auf 71 Millionen Euro. Allerdings verdankte das Unternehmen das Plus vor allem dem Erlös aus dem Verkauf seines Festplattenchipgeschäfts von 41 Millionen Euro. Der Umsatz sei um 2 Prozent auf 1,03 Milliarden Euro geschrumpft.

Qimonda, von der sich Infineon händeringend zu trennen versucht, lastet weiter auf dem Mutterkonzern. Finanzchef Marco Schröter wertete die Beteiligung an der hochdefizitären Tochter, die seit Geschäftsjahresbeginn Verluste von gut 1,4 Milliarden Euro angehäuft hat, erneut um 411 Millionen Euro ab. Der Kurs der Qimonda-Aktie war seit dem Börsengang vor zwei Jahren immer weiter gefallen.

Infineon-Chef Bauer sieht die Entwicklung in den Kernbereichen Auto- und Industriechips sowie Telekommunikationshalbleiter nicht gerade rosig: Im laufenden Quartal werde der operative Gewinn trotz leicht steigender Umsätze stagnieren oder zurückgehen. Zudem würden die Kosten für das Sparprogramm zu Buche schlagen. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres betrug der Gesamtverlust Infineons nach eigenen Angaben rund 2,4 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte der Fehlbetrag bei 88 Millionen Euro gelegen.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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