Google Knol contra Wiki

Jetzt tummelt sich auch Google auf dem Feld der Onlineenzyklopädien: Beim werbefinanzierten Portal "Knol" sollen konkurrierende Autorenbeiträge für mehr Transparenz sorgen und das Vertrauen in die Texte stärken. Bisher ist der Inhalt allerdings überschaubar.

San Francisco - Konkurrenz für Wikipedia: Google  hat am Mittwochabend sein neues, werbefinanziertes Wissensportal Knol freigegeben. Dort können Nutzer unter eigenem Namen Artikel zu ihren Wissensgebieten veröffentlichen und werden dafür an den Werbeumsätzen beteiligt - ein wesentlicher Unterschied zur Onlineenzyklopädie Wikipedia, deren Autoren anonym und ehrenamtlich arbeiten.

"Wir sind fest überzeugt davon, dass das Wissen darum, wer was geschrieben hat, das Vertrauen in die Inhalte stärkt", sagt Knol-Produktmanager Cedric DuPont. Der Name des Portals ist ein Wortspiel mit "knowledge", dem englischen Begriff für Wissen. Ein "Knol" ist auf der Website http://knol.google.com  als eine "Wissenseinheit" definiert und bezeichnet einen einzelnen, thematisch gebundenen Eintrag. Bereits im Dezember hatte Google mit den Tests für die Site begonnen und im Vorfeld einige Fachautoren für einzelne "Knols" gewonnen.

"Wir wollen weg von dem Prinzip, dass der letzte Eintrag gewinnt - dieses Modell ist sehr problematisch für vielbeschäftigte professionelle Nutzer", meint DuPont. Statt chronologisch geordnet sollen die Einträge nach ihrer Popularität sortiert angezeigt werden, um den Wettbewerb anzuregen. So ist der erste Eintrag über "Type 1 Diabetes" von Anne Peters verfasst, der Leiterin des klinischen Diabetesprogramms an der University of Southern California. Wenn andere Autoren Artikel über Diabetes verfassen, sollen diese Texte nach der Häufigkeit ihres Aufrufs und der Häufigkeit ihrer Angabe als Referenz geordnet werden. Wer auf Knol einen Artikel zu einem bestimmten Thema sucht, bekommt also unter Umständen etliche konkurrierende Texte angezeigt.

Wer bei Knol einen Eintrag ändern möchte, kann das nur in Abstimmung mit dem jeweiligen Autor tun. Knol ist damit eine Art Hybrid zwischen einer Blog-Plattform mit ausgewiesenen Einzelautoren und dem kollektiven Herausgeberprinzip, wie es bei Wikipedia Anwendung findet. Bei der sogenannten "moderierten Zusammenarbeit", befindet der jeweilige Urheber eines Textes über die eingereichten Änderungsvorschläge.

"Knols" gegen Netzlücken

Nach Angaben eines Google-Sprechers lagen zum Start "einige hundert Einträge" in englischer Sprache vor. Darunter sind Artikel über Nasenbeinbrüche, den ersten Triathlon und die Behebung von Toilettenverstopfungen. Einen Eintrag über "Wikipedia" gibt es nicht, dafür etliche Artikel in spanischer Sprache. Wikipedia hat dagegen derzeit bereits mehr als 7 Millionen kollektiv herausgegebener Einträge in 200 Sprachen.

Nach Angaben von Produktmanager DuPont soll Knol weniger eine Konkurrenz für Wikipedia sein als vielmehr eine Primärquelle für autorisierte Informationen, die man zusätzlich nutzen kann. "Knols werden die Lücken füllen, die wir derzeit im Web haben. Das ist unsere Hoffnung", so DuPont.

Eine deutsche Version von Knol werde "zeitnah" gelauncht werden, kündigte ein deutscher Google-Sprecher gegenüber manager-magazin.de an: "Wir machen prinzipiell keine Produktvorankündigungen, aber wir arbeiten an einer Lokalisierung. Bis dahin können deutsche Nutzer natürlich auch deutsche Knols auf der englischen Seite einstellen."

manager-magazin.de

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