Abwärts Vodafone schockt die Branche

Der Mobilfunkkonzern Vodafone rechnet wegen der schwachen Konjunktur im Gesamtjahr mit Erlösen am unteren Ende der bisherigen Zielvorgaben. Die schwachen Quartalszahlen des Konzerns ziehen die Telekombranche europaweit in Mitleidenschaft.

London - Der Mobilfunkkonzern Vodafone  zollt der Konjunkturschwäche in Europa Tribut. Lichtblick sind nur die Schwellenländer, insbesondere Indien. Dank Einsparungen halte er aber an der Prognose für das operative Ergebnis fest, sagte Konzernchef Arun Sarin am Dienstag.

Der Kurs brach am Dienstag um etwa 13,6 Prozent auf 129 Pence ein und zog andere europäische Telekomwerte wie Telefonica  und Deutsche Telekom  nach unten. Der entsprechende Sektorindex sackte um mehr als 6 Prozent ab und war damit der schwächste Branchenindex im Stoxx 600.

Vodafone wollte ursprünglich bis Ende März 39,8 bis 40,7 Milliarden Pfund (50 bis 51 Milliarden Euro) erlösen. Das Ziel beim operativen Ergebnis liegt zwischen 11,0 und 11,5 Milliarden Pfund.

Ein großer Teil des anvisierten Wachstums rührt dabei aus Zukäufen. So hatte Vodafone die indische Hutchison Essar mehrheitlich übernommen sowie den deutschen Festnetzbetreiber Arcor komplett. Erst im vergangenen Monat hatte die US-Tochter Verizon Wireless dann den kleineren Wettbewerber Alltel aufgekauft und war damit zur Nummer eins auf dem nordamerikanischen Markt aufgestiegen.

Im ersten Quartal rührte mehr als ein Viertel des Umsatzwachstums um 19,1 Prozent auf 9,8 Milliarden Pfund von Übernahmen her. Wechselkurseffekte insbesondere zwischen Euro und Pfund waren für mehr als die Hälfte des Zuwachses verantwortlich. Aus eigener Kraft erlöste Vodafone nur 1,7 Prozent mehr.

Das Kundenwachstum verlangsamte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Statt 9,1 Millionen konnte Vodafone unterm Strich nur 8,3 Millionen neue Nutzer anziehen. Damit stieg der Kundenstamm der Briten binnen eines Jahres von 232,0 auf 269,0 Millionen. Alleine in Indien konnte Vodafone von April bis Juni 5,1 Millionen neue Kunden gewinnen, womit nun 49,2 Millionen Menschen auf dem Subkontinent über das Netz telefonieren. Dort wuchs der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 52 Prozent, in allen Wachstumsmärkten von Asien bis Osteuropa zusammen waren es 30,5 Prozent.

Die Erlöse in Westeuropa legten nur halb so stark zu, wechselkursbereinigt stagnierten sie. In Spanien musste Vodafone Einbußen verkraften und begründete dies mit einem Rückgang der Telefonate angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheiten. Auch das Mobilfunk-Geschäft in Deutschland verlief schwach. Positiv entwickelte sich dagegen die Festnetz- und DSL-Tochter Arcor.

Mit den wenig glanzvollen Zahlen für das erste Quartal verabschiedet sich Konzernchef Sarin von der Spitze des Unternehmens. Er wird seinen Posten mit Ablauf der Hauptversammlung am 29. Juli abgeben und soll durch den bisherigen Vize- und Europachef Vittorio Colao ersetzt werden. Der 53-jährige Sarin stand insgesamt fünf Jahre an der Spitze des Mobilfunkkonzerns.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.