Fußball Kein Bundesliga-Samstag im TV

Deutschlands Fußballfunktionäre stellen sich gegen das Kartellamt. Sie wollen verhindern, dass Bundesligaspiele künftig schnell im frei empfangbaren Fernsehen gezeigt werden, wie die Wettbewerbshüter gefordert hatten. Die Einnahmeausfälle könnten Deutschlands Topclubs nicht verkraften.

Frankfurt am Main - Der Chef der Deutschen Fußballliga, Christian Seifert, hat Kritik an der Forderung des Bundeskartellamts nach einer zeitnahen Übertragung der Ligaspiele im frei empfangbaren Fernsehen geübt. "Wir sind auf dem besten Weg, den Standort Deutschland für den Profifußball massiv zu gefährden", sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Fußballliga der "Bild"-Zeitung.

"Sollte die Forderung des Kartellamtes umgesetzt werden müssen, würde das nicht nur dem neuen TV-Modell die Grundlage entziehen, die nationale Fernsehvermarktung wäre schwieriger denn je."

Der Verband hatte die Vermarktung der Bundesliga für sechs Jahre ab der Saison 2009/2010 an die Agentur Sirius des Medienunternehmers Leo Kirch gegeben, die im Gegenzug Erlöse von 500 Millionen Euro pro Saison garantiert. "Die Garantie ging von einer Umsetzung der Zentralvermarktung wie 2005 aus. Wenn diese nicht mehr möglich ist, müssen wir zwangsläufig neue Wege gehen", sagte Seifert.

Selbst für den Zuschauer sei eine Garantie für die Ausstrahlung der Bundesliga vor 20 Uhr im frei empfangbaren Fernsehen "nur auf den ersten Blick ein Sieg". Denn die Liga stehe "im Wettbewerb mit den Topligen in Spanien, England oder Italien. Dort gibt es wesentlich mehr Geld aus dem Fernsehgeschäft. Wenn diese Lücke noch größer wird, sinken automatisch unsere Chancen im Uefa-Cup und der Champions League. Es kann kein Fan wollen, dass die Superstars nur im Ausland spielen."

Offenbar zeigt sich die DFL aber kompromissbereit. Seifert erklärte, man werde versuchen, "das Kartellamt zu überzeugen, dass es sinnvoll ist, zwei Szenarien für das frei empfangbare Fernsehen auszuschreiben. Eines, das am Samstag um 20 Uhr endet. Und eines, das zwar am Samstag später beginnt, dafür am Sonntag mit Livespielen und einer frühen Zusammenfassung insgesamt 27 Prozent mehr Berichterstattung im Fernsehen bedeutet."

Harsche Kritik am Kartellamt kommt auch von Privatsendern. Deren Verband VPRT, in dem Branchengrößen wie RTL, ProSiebenSat.1 und Premiere vertreten sind, wirft den Wettbewerbshütern vor, einseitig die Interessen der ARD zu vertreten. "Die Position der Kartellamtes ist eine massive Bevorzugung der ARD", sagte VPRT-Präsident Jürgen Doetz dem "Spiegel".

Mit seiner Forderung, eine Zusammenfassung der Spiele müsse zwingend am Samstag vor 20.00 Uhr im frei empfangbaren Fernsehen ausgestrahlt werden, mache sich das Amt "zum Wasserträger der ARD", sagte Doetz.

manager-magazin.de mit Material von reuters und sid

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