Weltbild Holtzbrinck zeigt Interesse

Der Weltbild-Verlag steht zum Verkauf - und die Medienkonzerne horchen auf: Unter anderen ist Holtzbrinck an dem kircheneigenen Unternehmen oder Teilen davon interessiert. Eine "Zerschlagung des Konzerns" will Weltbild aber vermeiden.

Augsburg/Frankfurt am Main - Der Medienkonzern Georg von Holtzbrinck und der Buchhändler Thalia sind Medienberichten zufolge an der Augsburger Verlagsgruppe Weltbild interessiert. "Wir werden sicherlich eine Offerte erwägen", sagte Jochen Gutbrod, der stellvertretende Vorsitzende der Holtzbrinck-Geschäftsführung der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ/Dienstagausgabe). Am Wochenende war bekannt geworden, dass die katholischen Bischöfe in Deutschland einen Verkauf des Weltbild-Verlags erwägen.

Holtzbrinck dürfte sich der "FAZ" zufolge vor allem für den niederländischen Online-Buchversender bol.com und den Buchverlag Droemer Knaur interessieren. Beide Unternehmen gehören Holtzbrinck und Weltbild gemeinsam.

Nach Informationen des "Handelsblatts" (Dienstagausgabe) ist auch die Douglas-Tochter Thalia an einem Einstieg interessiert. Das Unternehmen wollte dies dem Blatt gegenüber aber nicht kommentieren. Als Interessent wird in der Branche auch der Gütersloher Medienriese Bertelsmann gehandelt.

Zu den Berichten über Bertelsmann und Thalia als mögliche Interessenten an Weltbild sagte Weltbild-Geschäftsführer Carel Halff, diese Namen seien in der Branche naheliegend. Der Prüfungsprozess befinde sich noch am Beginn, alle Namen seien Spekulation.

Umsatzsprung im vergangenen Geschäftsjahr

Die 14 Bistümer und die Soldatenseelsorge Berlin, denen der Medienkonzern gehört, seien "in einer sorgfältigen Prüfung der Frage, welche Gesellschafterstrukturen für ein weiteres langfristiges und kontinuierliches Wachstum des Unternehmens sinnvoll sind", hatte das Unternehmen am Wochenende mitgeteilt. "Als Ergebnis dieser Prüfung ist auch eine Ergänzung oder Änderung des Gesellschafterkreises möglich."

Weltbild ist auch am größten deutschen Buchhändler Hugendubel beteiligt. Gemeinsam betreiben sie auch Buchhandlungen in den Karstadt-Kaufhäusern. Von einer "Zerschlagung des Konzerns" oder einem Verkauf von Töchtern könne aber keine Rede sein, sagte eine Verlagssprecherin.

Das vergangene Geschäftsjahr 2007/08 schloss Weltbild zum 30. Juni mit einem Umsatzsprung von 21 Prozent auf 1,94 Milliarden Euro ab. Die Gruppe beschäftigt nach eigenen Angaben 7400 Mitarbeiter. Sie sei gerade dabei, ein neues, gemeinsames Geschäftsmodell für den klassischen Versandhandel und den Onlinehandel umzusetzen. Die Onlineshops, darunter buecher.de, hätten den Umsatz 2007/08 um 37 Prozent auf 451 Millionen Euro gesteigert und stünden inzwischen für 23 Prozent des Umsatzes im Konzern. Zu den 520 Buchhandlungen - darunter 330 unter der Marke Weltbild - sollen weitere hinzukommen.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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