Amazon Kindle Die Chancen des Lesecomputers

Die Verkaufszahlen des digitalen Lesegeräts Kindle hält Amazon geheim. Ein Analyst rechnet nun vor, wie viele Exemplare schon verkauft sein könnten. Der Kindle könnte dem Experten zufolge die Nutzergewohnheiten ähnlich stark verändern wie der iPod.

San Francisco/Hamburg - Derzeit werde Amazon  pro Monat 40.000 Exemplare seines E-Book-Lesegeräts Kindle verkaufen können, schätzt Steve Weinstein. Dem "San Francisco Chronicle"  gegenüber prognostizierte der Analyst der Investmentbank Pacific Crest, das Online-Versandhaus könnte bis zum Jahresende etwa 700.000 bis 800.000 Exemplare des 359 Dollar teuren Geräts verkaufen.

Amazon selbst hält die tatsächlichen Verkaufszahlen des Kindle bislang noch zurück, macht keine offiziellen Angaben dazu, wie gut oder schlecht sich der digitale Buchersatz tatsächlich verkauft. Einzig eine relative Angabe ist dem Konzern vor einem Monat entschlüpft. "Für die 125.000 Bücher, die es sowohl als physisches Buch als auch für Kindle gibt, machen Kindle-Verkäufe bereits 6 Prozent aller verkauften Einheiten aus", hatte Firmengründer Jeff Bezos auf einer Verlagsmesse gesagt. Eine absolute Angabe dazu, um wie viele Bücher es sich bei diesen 6 Prozent konkret handelt, ließ Bezos allerdings vermissen.

Eine solche Angabe kann auch Analyst Weinstein nicht machen. Dennoch rechnet er vor, dass Amazon 2012 bereits 2,5 Milliarden Dollar (1,6 Milliarden Euro) Umsatz mit elektronischen Büchern machen könnte. Eine ähnlich steile Entwicklung wie beim iPod erwartet Weinstein nicht, glaubt aber daran, das Gerät könnte eine Entwicklung in Gang setzen, die die Lesegewohnheiten auf ähnliche Weise verändert, wie der iPod die Hörgewohnheiten verändert hat.

Der Preis ist das Problem

Roger Fiedler, Publishing-Experte an der University of Missouri, sieht den Kindle gar als Türöffner für die E-Book-Technik, vergleicht den Einfluss des Geräts mit dem der ersten Notebooks, Anfang der neunziger Jahre. Noch stehe einem Erfolg auf breiter Front allerdings der hohe Preis des Geräts im Weg. Zwar hat Amazon den bereits von ursprünglich 399 auf 359 Dollar gesenkt, doch ist das bei weitem noch nicht billig genug, um E-Books zum Massenprodukt zu machen.

Dabei ist das Angebot an Lesestoff, zumindest in den USA, schon sehr stattlich. Etwa 130.000 elektronische Bücher, 19 Tageszeitungen und fast 350 Blogs können mit dem Gerät über das Mobilfunknetz abgerufen werden. Bei den Verlagen scheint das Konzept gut anzukommen. Zumindest zwei große US-Publishing-Häuser haben bereits angekündigt, ihr Angebot an digitalem Lesestoff deutlich aufstocken zu wollen. Attraktiv dürfte diese zusätzliche Einnahmequelle allemal sein, da die Umwandlung der Bücher in E-Books vergleichsweise schnell zu erledigen ist.

In zumindest einem Punkt irren aber viele Verfechter des elektronischen Lesespaßes: Umweltfreundlicher als gedruckte Bücher dürften deren elektronische Gegenstücke kaum sein. Zumindest dann nicht, wenn man die Herstellung des Lesegeräts sowie die Kosten für dessen Betrieb in die Rechnung einbezieht. Genau aufgeschlüsselt hat das zwar bisher niemand, aber es dürften sicherlich eine Menge E-Books nötig sein, um die Öko-Bilanz zugunsten des elektronischen Buches zu verschieben.

SPIEGEL ONLINE

Amazon Kindle: So sieht der Lesecomputer aus

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