Bloomberg Merrill Lynch vor Rückzug

Unter dem Druck milliardenschwerer Abschreibungen geht die drittgrößte US-Investmentbank Merrill Lynch an ihr Tafelsilber. Laut Medienberichten will sie den bis zu sechs Milliarden Dollar teuren Anteil an der Finanznachrichtenagentur Bloomberg verkaufen. Angeblich denkt sie auch über eine Trennung von ihrer Beteiligung an dem Vermögensverwalter Blackrock nach - im Wert von rund zwölf Milliarden Dollar.

New York - Man hoffe, das Geschäft noch bis zur Vorlage der nächsten Quartalszahlen Mitte Juli abzuschließen, berichtete die "New York Times" unter Berufung auf beteiligte Personen.

Wall-Street-Analysten rechnen bei Merrill Lynch  für das laufende Vierteljahr mit erneuten Milliarden-Abschreibungen wegen der US- Immobilienkrise. Die Bank hat in den vergangenen Monaten bereits rund 15 Milliarden Dollar an frischem Kapital aufgenommen und muss nun offenbar auf andere Mittel zurückgreifen, um die Bilanz auszubessern.

Der Preis des Bloomberg-Anteils von 20 Prozent werde auf 5 bis 6 Milliarden Dollar geschätzt, hieß es am Wochenende in mehreren Medienberichten. Der Wert der Finanznachrichtenagentur ist schwer zu beziffern: Sie ist nicht an der Börse und dem Gründer Michael Bloomberg gehören 72 Prozent. Merrill Lynch war 1982 der erste Bloomberg-Kunde und hielt den 20-Prozent-Anteil seit rund 20 Jahren.

Bloomberg habe laut damaligen Verträgen ein Vorkaufsrecht, möglicherweise werde Merrill Lynch der Agentur auch einen Kredit für den Rückkauf gewähren, schrieb die "New York Times". Die Verhandlungen befänden sich aber erst in einem frühen Stadium und könnten noch scheitern.

Bankchef John Thain hatte in den vergangenen Wochen mehrfach signalisiert, die Abschreibungen durch die Finanzmarktkrise könnten einen Verkauf der Beteiligung notwendig machen. Ebenso könne der 12 Milliarden Dollar schwere Anteil von 49 Prozent an dem Vermögensverwalter BlackRock abgestoßen werden.

Mit deren Spitzenvertreten wolle sich das Unternehmen treffen. Merrill kann seinen Anteil an dem Vermögensverwalter allerdings ohne die Zustimmung des BlackRock-Boards nicht vor 2009 verkaufen. Bei Merrill, Bloomberg und BlackRock war zunächst keine Stellungnahme erhältlich.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.