Exodus Yahoo laufen Führungskräfte weg

Nach der geplatzten Übernahme durch Microsoft steht die Yahoo-Führung mehr als je zuvor unter Druck, die Rendite zu steigern. Dabei helfen soll nun eine umfassende Neustrukturierung. Viele hochrangige Manager des Internetkonzerns glauben aber nicht mehr an ein Happy End: Sie verlassen das Unternehmen.

New York/London - In der Übernahmeschlacht traten die Yahoo-Oberen durchaus selbstbewusst auf. Yahoo  sei deutlich mehr wert, als die von Microsoft  gebotenen 47,5 Milliarden Dollar, hielten sie dem Eroberer entgegen. Inzwischen jedoch haben sie mit den Nachwehen der Abwehrschlacht zu kämpfen. Denn die Großspurigkeit hat Erwartungen geweckt. Die Gewinne müssen steigen, um den herausposaunten Unternehmenswert für das Internetunternehmen zu rechtfertigen.

Um dieses Ziel zu erreichen, soll Yahoo jetzt gründlich umgekrempelt werden, wie das "Wall Street Journal" berichtet. Erste Planungen liefen darauf hinaus, mehrere Produktgruppen in einer globalen Produktorganisation zusammenzufassen. Dazu gehörten E-Mail, Internetsuche und Internetauftritte. Details der Umstrukturierung könnten bereits in der kommenden Woche bekannt gegeben werden.

Allerdings ist es nicht allein der Renditedruck, der zum Umbau zwingt. Nach dem Ende der Übernahmegespräche mit Microsoft hat unter hochrangigen Führungskräften des Internetkonzerns fast eine Flucht begonnen. Vergangene Woche kündigte Techniker Jeremy Zawodny sein Ausscheiden an, diese Woche die Flickr-Mitgründer Caterina Fake und Stewart Butterfield.

Nun wird auch der für Suchtechnologie verantwortliche Manager Qi Lu dem Unternehmen den Rücken kehren. Lu, der zu den 15 Topmanagern des Konzerns zählt, werde Yahoo zum September verlassen, bestätigte Yahoo-Sprecherin Diana Wong.

Neben Lu will Ende Juni auch Jeff Weiner, Chef der Netzwerkabteilung gehen. Usama Fayyad, Forschungsleiter und verantwortlich für strategische Datenlösungen, hat einem Bericht der "New York Times" ebenfalls das Handtuch geworfen. Nach bislang unbestätigten Berichten haben auch die Manager Vish Makhijani und Brad Garlinghouse gekündigt.

Bei Microsoft herrscht nach der verloren Übernahmeschlacht dagegen deutlich mehr Gelassenheit. Es sei keine Flut von Übernahmen anderer Internetunternehmen zu erwarten, schreibt die "Financial Times" unter Berufung auf hochrangige, für das Onlinegeschäft verantwortliche Microsoft-Manager.

Microsoft versucht seit einiger Zeit, sich bei Onlinewerbung und Internetsuche stärker zu positionieren und dem Marktführer Google  Paroli zu bieten. Aktuellen Zahlen des Marktforschers Comscore zufolge hat sich Microsofts Anteil an der Internetsuche in den USA im Mai von 9,1 auf 8,5 Prozent weiter verschlechtert. Aus diesem Grund hatte das Unternehmen aus Redmond auch versucht, Yahoo zu übernehmen, was aber an unterschiedlichen Preisvorstellungen scheiterte. Auch der ausschließliche Kauf des Suchmaschinengeschäfts und der Erwerb eines Minderheitsanteils scheiterten. Nun kooperiert Yahoo bei der Werbung ausgerechnet mit Google.

Nach der Niederlage bei Yahoo war in Medien heftig über alternative Übernahmeziele von Microsoft spekuliert worden. Genannt wurden insbesondere das Onlinenetzwerk Facebook sowie der Onlinezweig AOL des US-Medienkonzerns Time Warner . An Facebook ist Microsoft bereits mit 1,6 Prozent beteiligt. Das Unternehmen zählt zu den großen sogenannten sozialen Netzwerken, auf denen Nutzer sich präsentieren und untereinander Kontakte knüpfen können.

Immer wieder spekuliert wurde zudem über eine Allianz von Medienmogul Rupert Murdoch mit Yahoo oder Microsoft. Sein Medienkonzern News Corp.  dementierte aber aktuelle Gespräche mit einem der beiden Unternehmen.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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