Auszeit Europäer, diese Racker!

Zeit, das Internet zu entdecken: Mit welcher Technik ein Notebook einen Staubsauger antreibt. Wie Sie Europa mal so richtig kennen lernen können. Und wo Sie nach Herzenslust ein paar Streber verdreschen dürfen.
Von Grit Beecken und Matthias Kaufmann

Europa wächst zusammen. Daran kann nach der vergangenen Woche kein Zweifel bestehen.

Nehmen Sie zum Beispiel die Spritpreisstudie des ADAC. Der Autoclub hat für all unsere europäischen Nachbarn den durchschnittlichen Spritpreis errechnet - ein wunderbarer Service und zugleich Ausdruck des europäischen Gedankens. Während manche Lokalzeitung sich darauf beschränkt, täglich die billigsten Tankstellen im Umkreis von 30 Kilometern vorzustellen, erfahren wir hier, wo sich das Zapfen wirklich lohnt.

So klein ist die Welt. Ein Liter Bleifrei kostet in Griechenland 1,23 Euro - da fahren wir hin! Allerdings ist das nichts für Gartenzwerge, die den Spritdiscount vor der Haustür suchen. Sparsamkeit muss man sich eben leisten können

Noch ein Beispiel für europäische Einigkeit ist das Nein der Iren zum Vertrag von Lissabon. Am Tag nach dem Knall saßen hochrangige europäische Politiker aller Herren Länder in traulicher Runde beisammen, um den irischen Staatssekretär für Integration, Conor Lenihan, über das Ergebnis hinwegzutrösten. Reportern gegenüber betonte er, wie solidarisch die Kollegen mit ihm wären. Und tatsächlich blickten sie alle geknickt in die Kameras, wie eine Gruppe der Anonymen Alkoholiker nach der Flatrate-Party eines Mitstreiters. So, als wollten sie sagen: "Wir wählen dir jetzt ein anderes Volk".

Schöner kann der europäische Gedanke kaum zum Ausdruck kommen. Alle Regierungen der EU ziehen an einem Strang, wenn ihre Völker, diese Racker, mal wieder über die Stränge schlagen.

Noch ein Ereignis zeigt, dass in Europa alles in bester Ordnung ist. Das Nein der Iren haben die Briten inzwischen mit einem Ja zum Vertrag von Lissabon beantwortet. In dieser unübersichtlichen Welt ist es beruhigend, wenn man sich auf alte Zwistigkeiten verlassen kann.

Vielleicht sollten die Eurokraten und Brüsseler Schlauberger jetzt eine Auszeit nehmen. Nach Griechenland fahren, in die Sonne, und zum Tanken. Auch die Griechen können Trost gebrauchen, nach dieser EM. Allerdings vielleicht nicht unbedingt von Landsleuten Otto Rehhagels.

Unser heutiges Angebot für eine Auszeit befriedigt skurrile Shoppinggelüste. Außerdem bekommen Sie Gelegenheit, Europa kennenzulernen, ganz systematisch. Und schließlich können Sie einer Klasse von Schlaubergern mal so richtig ein Paar scheuern.

Lassen Sie sich nicht erwischen!

Antworten, für Hauseigner

Für jedes Problem eine Lösung: Mit "Whateverworks.com" auch Probleme lösen, die man gar nicht hat

Für jedes Problem eine Lösung: Mit "Whateverworks.com" auch Probleme lösen, die man gar nicht hat

Whateverworks.com

Ein Eingeständnis zum Einstieg. Wir wissen wirklich nicht, ob wir den amerikanischen Internetladen "Whateverworks.com"  empfehlen können. Irgendetwas ist uns beim Bestellen immer dazwischengekommen. Aber dafür sind die Angebote höchst unterhaltsam. Sehen Sie selbst.

Die Seite bietet nämlich allerlei Antworten, auf Fragen rund um Garten, Haus und insbesondere Schädlingsbekämpfung - selbst wenn manche Antwort so skurril ist, dass wir gar nicht auf die Frage gekommen wären.

Dem Raucher beispielsweise hilft ein Ministaubsauger mit USB-Anschluss. An das Notebook angeschlossen, wird der Schreibtisch fortan flott von grauen Flocken gereinigt. Auch Kekskrümel in der Tastatur sind keine Bedrohung mehr. Ob das Wundergerät auch verschütteten Kaffee aufnehmen kann, ist der Seite allerdings nicht zu entnehmen. Als Nichtraucher und weitgehend unfallfreie Kaffeetrinker haben wir auf eine Bestellung verzichtet.

All jene, die noch immer nach einem sinnvollen Einsatzgebiet für die Photovoltaik suchen, sollten die Solarschildkröte in Augenschein nehmen. Das Reptil wird nicht nur als "süß" angepriesen, sondern soll dem Garten eine gar entzückende Note verleihen: Ihr Panzer leuchtet solarstrombetrieben. Da der Strom nicht ins öffentliche Netz eingespeist werden kann, verzichteten wir jedoch schweren Herzens. Denn ohne Einspeisevergütung ist nicht erkennbar, wie sich der Kauf je amortisieren könnte.

Zum wirklich wichtigen Thema: Schädlingsbekämpfung. Der CO2-Ausstoß im menschlichen Atem ist es, der Moskitos anzieht. Das erklären uns die Verkaufstalente von "Whateverworks.com". Dieses Phänomen macht sich der Moskitotöter DynaTrap zunutze. Er stößt den Klimakiller aus, und schon fliegen die Biester in die Falle. Das ist Umweltschutz à la George Bush - wir verzichten.

Moskitos sind aber ohnehin nicht unser Problem. Das sind Tauben. Leider lassen sich die Viecher von leblosen Attrappen schon lange nicht mehr schrecken. Wir fragten uns verzweifelt, wie der Garten vogelfrei zu kriegen sei. Und fanden eine Antwort. Der Vogelverschrecker Rotating Owl Head erschien famos - zunächst. Denn die Eule aus wasserfestem Polypropylen bewegt den Kopf und atmet leicht. Vögel werden sie für lebendig halten und folgerichtig fürchten, heißt es. Zudem ist das Schmuckstück handbemalt. Doch aus Sorge, die Eule könnte - belebt, wie sie wirkt - ihrerseits Opfer eines Raubtiers werden, verzichteten wir auch hier auf eine Bestellung.

Europa, für Schadenfrohe

Hallo Nachbarn: Europa auf "Eupedia.com" in der Draufsicht kennenlernen

Hallo Nachbarn: Europa auf "Eupedia.com" in der Draufsicht kennenlernen

Eupedia.com

Wir müssen noch mal auf Irland zurückkommen. Über dreißig Jahre lang haben die Iren von europäischen Subventionen profitiert - warum sollten sie jetzt für Änderungen sein? Vielleicht wissen sie ja einfach nicht, was ihnen entgeht.

Mit der Kenntnis der Nachbarn ist es oft nicht weit her. Es fängt schon im Kleinen an, wie ein YouTube-Video  illustriert, das zwar schon ein Weilchen alt ist, aber derzeit wieder kursiert. Da lässt das Kamerateam eines Privatsenders die Kandidatinnen einer Wahl zur Miss Ostdeutschland in einem Deutschland-Umriss markieren, wo ihre Heimat denn so liegt.

Die Ergebnisse sind verheerend. Charmant verfrachten die jungen Damen die ehemalige DDR mal eben nach Bayern und vermuten Polen irgendwo zwischen Rhein-Main-Gebiet und Rheinland-Pfalz. Nicht auszudenken, was die Missen mit einer Europa-Karte angestellt hätten.

Die Webseite "Eupedia.com"  hat mit Europa-Karten etwas sehr Informatives angestellt. Die verschiedensten statistischen Daten werden hier den europäischen Staaten zugeordnet, etwa die Sprachenverteilung, die Altersstruktur, die Bevölkerungsdichte oder der Blondinenanteil. Wenn Sprit keine Rolle spielt, kann man also danach seinen Urlaub planen.

Wenn die Iren mithilfe dieser Seite beispielsweise erführen, dass man in Portugal noch in Restaurants rauchen darf, während man in Irland ungestraft nur noch im Freien quarzt, wenn sie sähen, dass der Cannabis-Konsum zwar nur in Holland legal ist, aber in fast keinem EU-Land strafverfolgt wird, wenn sie auch nur ahnten, dass bis auf Skandinavien, Deutschland und Großbritannien der Rest Europas praktisch genauso katholisch ist wie sie selbst - tja, was dann?

So genau können wir das auch nicht sagen. Aber "Eupedia.com" ist interessant.

Stressabbau, für Entscheider

Aggression und Reaktion: Bei "Slap the Nerd" so richtig zulangen

Aggression und Reaktion: Bei "Slap the Nerd" so richtig zulangen

Slap the Nerd

Um derlei komplexes Zeug genau sagen zu können, muss man schon ein ziemlicher Streber sein. Und wer mag die schon? Wer würde zugeben, dass er einer ist? Nach dem Spiel "Slap the Nerd" dürfte der ein oder andere Vorlaute, der sich an dieser Stelle noch melden wollte, lieber schweigen.

Überhaupt eine harte Sache, dieses Spiel. Besonders für Brillenträger. Aber wir haben es auch durchgestanden, und von uns tragen 50 Prozent eine Brille. Deshalb der explizite Hinweis: Nein, nicht alle Brillenträger sind Streber. Und nicht alle Streber tragen Brille. Und: Nicht zu Hause nachmachen!

Es geht bei "Slap the Nerd"  nämlich darum, in einer Schulklasse allen Strebern eine Ohrfeige zu verpassen. Dazu muss man einfach mit der Maus auf ihr Gesicht klicken, eine digitale Hand erledigt laut schallend den Rest.

Schwierig daran ist, die echten Streber zu erkennen, und zwar in dem kurzen Moment, den sie sich umdrehen - ansonsten sieht man nur ihren Rücken und Hinterkopf. Da wir in einem Computerspiel sind, ist das Erkennungsmerkmal nicht sonderlich subtil: Genau, die Brille. Wer unbebrillte Kinder schlägt, wird mit Punktabzug bestraft.

In den höheren Schwierigkeitsstufen steigt nicht nur das Tempo. Es tauchen auch besonders hartnäckige Exemplare auf, die nicht gleich beim ersten Schlag zu Boden gehen, oder sich hinter Büchern verstecken.

Politisch korrekt ist das Spiel nicht. Aber das kann man auch über mancherlei EU-Politik sagen. Vielleicht ist das ja ein guter Tipp nach dem irischen Nein: Die Brüsseler Entscheider könnten ein wenig Aggressionen abbauen, bevor sie sich was Neues überlegen. Zum Beispiel, indem sie Streber abwatschen.

Zur vorherigen Auszeit: Fußballfreie Zone

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