Absage an Microsoft Yahoo geht eigene Wege - mit Google

Die Übernahme Yahoos durch Microsoft rückt in weite Ferne. Nur wenige Stunden nach den gescheiterten Gesprächen kündigt der Internetkonzern eine weitreichende Kooperation mit Google an. Die Werbepartnerschaft mit Microsofts Erzfeind könnte Yahoo jährlich 800 Millionen Dollar einbringen.

Washington - Nach fünfmonatigem Fusionspoker ist die Übernahme des Internet-Portals Yahoo durch Microsoft gescheitert. Yahoo erklärte die Übernahmegespräche mit dem Softwareriesen am Donnerstag für beendet und kündigte an, unabhängig seine eigene Firmenstrategie fortzusetzen. Bei "Gesprächen in den vergangenen Tagen" habe Microsoft sein Angebot zurückgezogen, Yahoo oder Teile von Yahoo zu erwerben, teilte Yahoo in einer Erklärung mit. Kurz darauf kündigten Yahoo und Google eine Partnerschaft an.

Nach Angaben von Yahoo hatten die Microsoft-Unterhändler bei einem Treffen am Sonntag klar gemacht, dass sie nicht länger am Kauf des Gesamtunternehmens interessiert seien. Microsofts Wunsch, die Yahoo-Suchmaschine separat zu kaufen, sei abgelehnt worden. Microsoft  hatte im Februar rund 45 Milliarden Dollar (30 Milliarden Euro) für Yahoo  geboten. Yahoo lehnte das als zu niedrig ab. Daraufhin zog Microsoft sein Angebot zurück, strebte dann aber zunächst eine "andere Form der Zusammenarbeit" an. Dies ist nun gescheitert.

Kurz nach Bekanntwerden der Nachricht über das Scheitern der Übernahmegespräche stürzte die Yahoo-Aktie um mehr als 12 Prozent auf rund 22 Dollar ab. Als der Konzern dann aber nach Handelsschluss in New York eine Allianz mit Google verkündete, legten die Papiere wieder zu und kosteten nachbörslich 24 Dollar.

Nur zwei Stunden nach dem endgültigen Ende der Fusionsgespräche gaben die beiden führenden Online-Suchmaschinen Yahoo und Google  in Sunnyvale im US-Bundesstaat Kalifornien bekannt, eine vier- bis zehnjährige Partnerschaft eingehen zu wollen. Yahoo erhofft sich Mehreinnahmen in Höhe von jährlich 800 Millionen Dollar durch Übernahme von Google-Werbebanner.

Partnerschaft zunächst befristet angelegt

Die Partnerschaft soll zunächst auf vier Jahre angelegt werden und sieht eine Verlängerungsoption auf bis zu zehn Jahre vor, sie ist auf die USA und Kanada begrenzt. Yahoo darf parallel ähnliche Partnerschaften mit anderen Anbietern eingehen. Sollte Yahoo in den kommenden zwei Jahren verkauft werden, erhält Google 250 Millionen Dollar. Zunächst muss die Partnerschaft jedoch kartellrechtlich geprüft werden, daher wollen Yahoo und Google dreieinhalb Monate mit dem offiziellen Start ihrer Zusammenarbeit warten.

Kartellrechtliche Bedenken bestehen, da Yahoo und Google mit mehr als 50 Prozent Marktanteil die Großverdiener auf dem weltweiten Online-Werbemarkt sind. Der Markt hatte 2007 ein Volumen von rund 40 Milliarden Dollar und dürfte nach Schätzungen bis 2010 auf 75 Milliarden anwachsen. Bereits heute laufen über beide Suchmaschinen 75 Prozent der Online-Recherchen. Google beherrscht den Online-Werbemarkt, gefolgt von Yahoo und Microsoft.

Wie werden die Kartellbehörden entscheiden?

Google-Chef Eric Schmidt erklärte am Donnerstag, die Unternehmensallianz werde dazu beitragen, die Dynamik und der Wettbewerb auf dem Online-Werbemarkt zu wahren. Yahoo hofft, mit der Partnerschaft weitere Vorstöße des US-Milliardärs Carl Icahn zum Verkauf des Unternehmens an Microsoft zu verhindern.

Erst am Montag hatte Yahoo seine Aktionäre in einem Schreiben zur Hauptversammlung um Unterstützung gebeten. In dem Brief rief das Unternehmen die Anteilseigner dazu auf, den bisherigen Aufsichtsrat wieder zu wählen und damit die von Multimilliardär und Yahoo- Großaktionär Carl Icahn aufgestellten Kandidaten abzulehnen. Die Wahl des Aufsichtsrats bei der Hauptversammlung am 1. August sei die entscheidendste für die Aktionäre in der Geschichte des Unternehmens.

In der Woche zuvor hatte Icahn angekündigt, er werde den Verwaltungsrat auffordern, das Unternehmen freiwillig an Microsoft zu verkaufen, sollte er die Kontrolle bei Yahoo! übernehmen. Er hatte dem aktuellen Verwaltungsratschef von Yahoo, Roy Bostock, einen Preis von 34,37 Dollar je Aktie als angemessen vorgeschlagen. Bei dem im Mai abgeblasenen Übernahmeangriff von Microsoft hatte der Softwarekonzern zum Schluss 33 Dollar je Aktie geboten. Yahoo hatte Microsoft zufolge mindestens 37 Dollar gefordert.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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