Montag, 23. September 2019

Vertrauensranking Neuanfang mit alten Seilschaften?

5. Teil: "Argumenten nur mäßig zugänglich"

"Argumenten nur mäßig zugänglich"

Dabei haben ihm die Kommentatoren erneut einen problematischen Charakter attestiert, der vor allem durch hemmungslose Härte und egomanisches Verhalten auffällt. Er ist eine "schwierige Persönlichkeit, die Argumenten offenbar nur in Maßen zugänglich ist", schrieb die "Süddeutsche Zeitung" am 20. Mai. Daneben hat er ohne Einbeziehung des Vorstands Fusionsgespräche eingeleitet.

Die Medien entzogen Infineon durch dieses Vorgehen das Vertrauen in die Fachkompetenz des Managements. Innerhalb von vier Wochen verfünffachte sich die Zahl der Artikel, die die Fachkompetenz des Konzerns negativ bewertete. Geringes Vertrauen in die Problemlösungskompetenz von Infineon wurde sechsmal so häufig thematisiert. Dabei drehte sich die Berichterstattung ab dem 15. Mai fast ausschließlich um das Verhalten des Aufsichtsratsvorsitzenden. Kley ist "schlicht überfordert" fasste die "FTD" die Kritik an Kleys Kompetenz am 19. Mai zusammen. Mit seiner Personalpolitik mache er "Infineon zur Lachnummer" ("FAZ" vom 21. Mai).

Die Ergebnisse des aktuellen Corporate Trust Index (CTI) zeigen deutlich: Ziebarts Rücktritt wird vermutlich nicht genügen. Ein erhebliches Kompetenzdefizit ist vor allem im Aufsichtsrat zu verzeichnen. Solange es hier keinen Wechsel gibt, wird auch ein neuer CEO keine Veränderungen bewirken können. Infineon muss den Ruf der Skandaltochter von Siemens dringend ablegen und gewährleisten, dass Ziebarts Nachfolger nicht ebenfalls vorbelastet und wenig vertrauenswürdig starten. Dazu müsste Infineon wieder mehr durch Fachkompetenz auffallen als durch Intrigen und Indiskretionen.

Martin Löser ist Medienanalyst und Consultant bei der PMG Presse-Monitor GmbH, Berlin. Das Unternehmen untersucht regelmäßig, wie Vertrauensfaktoren in den meinungsführenden Medien kommuniziert werden. Dabei kooperiert PMG mit Kommunikationsexperten, den Professoren Günter Bentele und Ansgar Zerfaß vom Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig.

© manager magazin 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung