Mittwoch, 18. September 2019

Vertrauensranking Neuanfang mit alten Seilschaften?

4. Teil: Der lange Schatten von Siemens

Der lange Schatten von Siemens

Nun steht die Interimsbesetzung des Vorstandsvorsitzes fest: Peter Bauer, wieder einmal ein Mann mit Siemens-Vergangenheit - was das Vertrauen in die Zukunft des Unternehmens nicht stärkt, denn mit wirklichen Veränderungen bei Infineon ist weiter nicht zu rechnen. Bauer steht im Ruf, an der Demontage Ulrich Schumachers beteiligt gewesen zu sein. Zudem bestehen erhebliche Zweifel an seiner Fachkompetenz. Das "Handelsblatt" befand sogar, dass Bauer in den vergangenen Jahren "den Konzern in eine Sackgasse gelenkt" habe. Zudem sitzt er bereits seit 1999 im Infineon-Vorstand und habe offensichtlich keinen entscheidenden Beitrag zur Problemlösung im Konzern leisten können.

Alter Bekannter: Peter Bauer soll das Unternehmen führen, bis ein neuer Chef gefunden ist
Das Grundproblem von Infineon in Bezug auf das öffentliche Vertrauen wird damit deutlich. Nach wie vor ist der Konzern von einem Netz "alter Siemens-Granden" ("Süddeutsche" vom 20. Mai) durchzogen, die offenbar genauso wenig Verantwortungsbewusstsein zeigen wie bei Siemens. "Kaum ein anderes Unternehmen im Deutschen Aktienindex" macht so wie Infineon "mit Intrigen und Skandalen" Schlagzeilen, fasste die "FAZ" am 17. Mai die Entwicklung des Chipherstellers zusammen. So verstrickte sich Infineon durch seine Personalwahl freiwillig in den Korruptionsskandal von Siemens, indem korrupte Manager wie Andreas von Zitzewitz Vorstandsposten erhielten.

Im Aufsichtsrat sitzt neben Ex-Siemens-Mann Kley auch der ehemalige Siemens-Zentralvorstand Johannes Feldmayer, der bereits 2007 über die Korruptionsaffäre bei Siemens gestürzt war. Trotz seiner Verwicklung in die Zahlungen an die Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB) übt er also weiterhin Einfluss auf Infineon aus. Daneben warfen bereits die Betriebsratswahlen 2006 ein schlechtes Licht auf die Arbeit der AUB bei Infineon. Das geringe Vertrauen in Ethik und Moral beim Siemens-Konzern färbt damit auf Infineon ab, ermittelten die PMG-Analysten.

Besonders deutlich wird das an den schlechten Vertrauenswerten zur Fachkompetenz des Managements. Neben Ziebart steht die gesamte Führungsebene am Pranger der Medien. Hier agieren vor allem branchenfremde Manager mit Siemens-Hintergrund – dem "Konzern, der schon 1999 nichts mit dem Chipgeschäft anzufangen wusste" ("SZ" vom 19. Mai). Symptomatisch für diese Art des Managements bleibt jedoch vor allem der Aufsichtsratsvorsitzende Kley.

Max Dietrich Kley ist kein unbeschriebenes Blatt, wenn es um eigensinniges und intrigantes Management geht. Nach 2004 ("Schlafstörungen durch Schumachers Management") hat er nun bereits zum zweiten Mal einen Vorstandsvorsitzenden von Infineon in den Medien desavouiert.

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